was du nicht sagst.

(manchmal fehlt ja nur rhythmus, also takt, also — eine art choreographie-raster für das chaos, ein drill instructor für's kognitive. dann kommt der richtige song um die ecke und das richtige wetter und die richtige uhrzeit und die richtige führung und der richtige kontext, und mit all dem kitsch und overload und der selbstwahrnehmung als dramaking schubst man sich in eine szene mit zigarettenrauch und angemessenheit, mit nackter haut und tränen, mit manie und selbstauflösung, mit grauer schrift auf schwarzweiß, mit flüstern und flanieren, und mit gier nach jemandem, und allem, und niemandem. subtext, du feige sau. klammer zu.)

denn das unartikulierte ist das eigentlich kommunizierte, alles muss einfach (genau, einfach) nur anders gelesen und gehört werden: sprache ist das rauschen, inhalt ist content und king bin ich, also gewissermaßen: die message, der informationsgehalt, das entropie-ding ist das, was die idioten für subtext halten, wenn sie wüssten, was subtext ist. anders: blinzeln und zucken lesen, körperhaltungen und kontexte verstehen, geflüstertes und berührtes interpretieren. /nur/ so. bevor du vor langeweile stirbst und vor einerlei und trägheit.

[ frank l. | 2014-05-08 | 09:59 | # ]

the reflektors

an einer stelle mitten im konzert, kurz nach sprawl ii, nuschelt win butler "okay, whatever, show's over" und geht fast von der bühne runter, mit so einer mischung aus besoffener arroganz und gespielter rockstar-gleichgültigkeit, und kommt dann nach einem lall-intermezzo am keyboard-mikro wieder zurück nach vorn und grinst für eine sekunde ungefähr so wie jemand, der einem anderen gerade einen geldbeutel an einem nylonfaden vor den füßen weggezogen hat, als dieser sich bücken wollte. und in dieser sekunde, in diesem blick und in diesem grinsen, in diesem einen augenblick und in /seinem/ blick steht "wouldn't it be weird if i was actually doing that kind of thing?, would you all really be here tonight if we were a band that says and does arrogant shit like that?, i sometimes wonder myself how it would feel being someone like that, and, hah, for half second there i had you, thinking 'what's happening?', but don't you all sometimes wonder how all of this would feel like if arcade fire was a shitty rock band?", und nach eineinhalb sekunden geht das aber in den nächsten song über und der ganze laden ist erleichtert und glücklich und überrascht von sich selbst, vom ertapptsein und von der eigenen unsicherheit, die da im hinterkopf hockt, vom reflektieren, und merkt: huch — reflektieren. geiler scheiß.

(und dann schwitzen und hüpfen alle weiter und genießen den konfettiregen und das ganze ehrliche und gute und das zeug, das alle anderen in sog. "ernsthaften" konzertrezensionen am nächsten tag eh darüber schreiben werden. aber das mit der reflektion werden sie übersehen, die allen anderen.)

[ frank l. | 2013-11-19 | 23:53 | # ]

im meer die inseln

was wir aber vielleicht auch versuchen könnten: granularisieren. jede wahrnehmung, jeden moment, jeden affekt: aufteilen, splitten, zerlegen, in bestandteile. in grundlegendere wahrnehmungen, augenblicke, handlungen. und wieder, und weiter, in den netzwerkschichten, weil man ursprünglich viel weiter oben anfing als vermutet oder erhofft — bis ganz runter zum molekül, zum atom, das dann nicht mehr homöopatisch verdünnt im hirn rumschwimmt. sondern schutzlos und klar. den schwermut und die scherben könnten wir hinunterbrechen bis zum auskosten des einzelnen magenkrampfs als solchen, für sich, ohne nebligen zusatz von anlass und schuld und kontext. wir könnten phasen enttarnen als abfolge von momenten. wir könnten glück und liebe und begeisterungsfähigkeit herausputzen, sie als solche genießen, ohne uns darüber oder daneben oder dazu gedanken zu machen über rollen und inszenierung und erwartung. wir würden die wahrnehmung zynischer machen — nicht inhaltlich, sondern ihre syntax — weil wir dann echter und ehrlicher wären, zueinander, und zu uns selbst. und wir würden verlernen, was sorgen sind.

[ frank l. | 2013-09-30 | 20:56 | # ]

not fall

während ich gerade meinen 18 jahre alten mobiltelefonvertrag kündige, baut unten im innenhof ein cateringservice häppchen und heizpilze auf. punk war irgendwie mal radikaler, denke ich noch, als die pizza-bestellbestätigungs-sms klingelt. herbst. ~~

und dann: the reflektors. nach dem dritten, spätestens vierten mal hören verschwindet der dfa-subtext ganz angenehm hinter dem mitwippen und dem ganzen erinnerungs-emo-ding — aber kopflos genug ist der song eben nicht, da fehlt schweiß und ziellosigkeit und taumel und bauchgefühl. aber (aber!) er hat: eine idee, eine komposition, eine struktur, sogar 'ne art seele. er ist "nur" 'ne angepoppte version von sprawl ii natürlich, die live sogar gegen ende des sets (vor den zugaben) funktionieren könnte, der einen nicht völlig umhaut, der aber andeutet.. und, aber, und: der an dieser stelle exakt richtig ist. und er ist NICHT SCHEISSE. das ist ja wohl echt mal die hauptsache im moment. ~~

berlinienstraße. ~~

im radio haucht scott 'whitney' matthew, dass er mit somebody dancen möchte, und alle im raum sind so überrascht von sich selbst, wie hinterrücks getroffen von diesem melancholieding, mit bauch-herz-wahrnehmung wie gummiknüppel auf schienbein, und man sieht ihnen an, dass sie im kopf mitsingen, seufzen, während es still wird, und vielleicht ist das ja doch der einzige echte flashmob, den wir so erleben bei diesem wetter und zu dieser uhrzeit in diesem jahr. ~~

'and look at the two of us in sympathy and sometimes ecstasy, words mean so little and money less (..)' ~~

[ frank l. | 2013-09-20 | 11:43 | # ]

wahlempfehlung

fangt wieder an nachzudenken. verabscheut arschlöcher, immer und überall. und hört auf damit, euch um irgendwas zu kümmern, das euch echt nichts angeht. seid hilfsbereit und nett, und setzt auf gesunden menschenverstand und bauchgefühl im umgang mit anderen menschen. seid skeptisch gegenüber heilsversprechen, am besten generell gegenüber versprechen. seid neugierig und interessiert, und findet fortschritt gut, technischen wie auch geistigen. schafft religion ab, hütet euch vor papierkram und verwaltung und ordnungsämtern. stellt werte und wertvorstellungen anderer in frage, entwickelt eure eigenen. tut keine dinge, die scheiße sind. weigert euch, für dumm gehalten zu werden, außer ihr seid es. setzt euch für andere ein, bietet hilfe an, wenn's geht, und versucht nicht andauernd erwartungen und erwartungshaltungen zu genügen. werdet lässiger und radikaler, werdet entspannter und bestimmter. werdet libertär. macht am 22. september meinetwegen ein kreuzchen bei den piraten oder eben nirgendwo, aber geht nicht davon aus, dass sich damit, dadurch und danach etwas ändert.

[ frank l. | 2013-08-27 | 20:39 | # ]

durchbrennen ("mamihlapinatapai")

der permanente subtext macht mich fertig (- aber, klar, die grundlegendsten prozesse von allen sind ja meistens die, die für hohe cpu-auslastung verantwortlich sind). das eingebundensein in bedeutungen, wenn wir uns sehen, und in andere wenn wir uns nicht sehen. none of our secrets are physical, sagt kevin barnes. also: diese momente der gewissheit, in einem moment in deinen gedanken zu sein, und dein wissen darüber, und umgekehrt — das narrative verliert so sehr an wichtigkeit, angesichts dieser runtergeschraubten /granularität/ bis zum augenblick, bis zum moment, zum zucken einer einzelnen synapse. ze bits and ze bytes of atemberaubung. "den nächsten gang einlegen musst du jetzt aber", sage ich immer dann, wenn meine rechte hand gerade auf deinem bein liegt, und wäre ich nicht so sehr mit wahrnehmen beschäftigt in diesem moment und mit sehnsucht in allen anderen, würde ich über die doppeldeutigkeit schmunzeln.

[ frank l. | 2013-08-26 | 00:09 | # ]

verhalten (adj.)

es ist eine riesige torkelei, sage ich dann meistens, wenn du mich nach der gratwanderung fragst, die mir zu präzise bezeichnet vorkommt — eine torkelei zwischen dem sub-, kon– und every other text there is, zwischen all diesem meta jedenfalls einerseits, und zwischen der wahrnehmung und dem gespür anderer-. oder doch ein taumeln?, sagst du, und ich lächle kurz und stimme zu, bleibe im kopf aber bei torkeln, schließlich muss da eine absichts– und anlasslosigkeit mitschwingen. torkeln also. was denn eigentlich, fragst du, wir, sage ich, das mit– und zu– und in– und wegen-einander, und du seufzt kurz mit diesem blick (als ob blicke seufzen könnten, aber for the sake of unexaktheit und torkelei können sie es), diesem blick, der süffisant (allein das wort schon!) unernst schon eine torkelei für sich ist, und ich möchte charmant sagen, würge aber nur ein "aha?" hinaus. dann liegen plötzlich meine finger in deinem nacken, in deinen haaren, an dir, an uns, und wir torkeln weiter, zerrissen und sehnsüchtig, und wir denken, endlich, ist das gut.

[ frank l. | 2013-05-05 | 20:01 | # ]

begleiterscheinung (plus eins)

es gibt keine erklärung, weil es keine absicht gibt — soweit ist man dann schon mal mit der erkenntnis, im april, wenn es wieder frühlingt seit januar und die draußenkälte in drinnendrinks aufgewogen wird und der herzschlag bei kontakt immer noch in baumhaushöhe klettert. da saßen wir schließlich in jenem alter, das zur selbstwahrnehmung heute gehört hätte, auch schon — passt. mir fallen analogien und metaphern ein, aber keine schemata, keine lösungen, noch nicht mal ordentliche probleme, nur situation und moment und wahrnehmung — und wenn /der/ groschen fällt, also die vollständige loslösung passiert von dem wahn, es müsse ein ziel da sein, ein ergebnis: dann!

"zusammen sind wir feuer" schreibt eine andere über andere, meint damit aber vermutlich trotzdem uns.

(schalt' das navi ab, wir werden schon unfallfrei irgendwo ankommen.)

[ frank l. | 2013-04-17 | 18:29 | # ]

die umstände.

reflek/tier

nachtträume von unverwundbarkeit und nacktheit, von nervosität und schwarz. tagträume von genau dem gleichen. das erste gesetz der psychodynamik: auch auf kalten füßen kann man stehen, wenn's wenigstens am brustkorb warm ist. irgendwas wird sich dann schon an– oder ausgleichen. das schlimme ist: es funktioniert immer. wieder. ~~

these are the days, setzt du an, und noch bevor du "of" hauchst, ergänze ich "lass' den scheiß". überreflektiertes gequatsche hab' ich selbst schon genug in meinem kopf, das macht mittelfristig auch nur traurig (und der große trick, dem man so oft auf den leim geht, ist ja eben dieses mittelfristige, das sich so gut tarnt — als wären nähe und ferne bedeutender, als wäre das /sofort/ und das /ewig/ irgendwie wichtiger als das /bald/) — und traurig ist doch das, was wir nur kennen, aber nicht können. und diesen letzten teil denke ich mir nur, weil er altklug klingt, ich mir also alt vorkomme als ich ihn zulasse. ohne komma. ~~

[ frank l. | 2013-04-01 | 19:34 | # ]

heiserkeit

es gibt keine wiederholungen — es gibt sich ähnelnde schemata, es gibt abschriften und auflagen, es gibt remixe. für exakte wiederholungen aber fehlt's an konstellation und setting, an rahmen und an /moment/ — so einer, also so ein moment, buddy, lässt sich eben nicht wiederholen, sage ich, und staune über das eingeflochtene "buddy", als würde ich väterlich klingen müssen, ohne es zu wollen. jedenfalls: ich bin ja (ja?) kein stoff für einen roman, ich bin kein wälzer, ich bin immer eine /version/ eines –allerhöchstens– kolumnentexts. ich bin meine eigene glosse, ghostgewritten und durchtrieben und unbedingt, aber eben ein serial. ich bin eine eintreffende vorhersage, eine inszenierung, aber kein abbild, noch nicht mal ein analoges. buddy. exaktheit my ass, und was zählt ist ja eigentlich nur, manchmal, also immer: "wow" & we could be heroes.

[ frank l. | 2013-03-27 | 21:55 | # ]

ich versteh' das doch in einer woche schon selbst alles nicht mehr.

das wahnsinnig, das ich werde, ist meist eine version von muskelkater. kein defekt, sondern: eine nichtgewöhnung, eine außergewöhnlichkeit — und selbst kaputtness kommt ja immer auch auf die perspektive an, auf die absicht und die wertvorstellung. alltag und abhärtung dann: die faserrisse verheilen lassen und wieder aufreißen. dem gewebe, der verflechtung, der konstellation (..) beibringen, wie es/sie zu funktionieren hat. habitation als euphemismus für adaption, schlimmer wäre schließlich nur noch gesichtsverlust. ~~

wir machen klingelstreiche und trinken wein, manchmal auch andersrum. bei berührungen sind wir behutsam, bei nichtberührungen voll mit sehnsucht. wir entwerfen metaphern und schreiben texte, die alle das gleiche aussagen, und wir fühlen uns wie meta-teenager dabei. die sprache, die wir in kurznachrichten einsetzen, ist nicht geheim, sondern privat, und wenn uns jemand darauf anspricht, streiten wir ab. wir sagen wir, wenn wir ich meinen, oder ich uns. ~~

die "toxische manie" (rinck, sinngemäß), die in so einem offenen diskurs, streit geradezu, mit dem bauchgefühl und diesem ganzen ratio-dreck ist — diese manie also, die einen packt, die man zuerst rationalisiert und dann instrumentalisiert (na das wäre doch gelacht, freund kontrollverlust, wa?), die ist eben so selten und notwendig wie jede andere form von argheit auch. in watte gepackt, gemeinsam mit dem bewußtsein, in watte gepackt zu sein, läßt die kratzer und spuren und dellen und schäden und die ganze abgefucktheit und verrücktheit und gestörtheit, zerstörtheit quasi, vermissen, die ja losgeworden werden wollte, oder meinetwegen /sollte/, sei's drum. das wissen darüber, die logik dahinter, daß die greatest love story ever told eben doch besser von woody allen als von shakespeare stammt: das ist zwar noch keine manie, aber, ja, close enough. ~~

[ frank l. | 2013-03-11 | 23:33 | # ]

u+266e

"eine mischung aus panik und kitsch" (zit. monika rinck) wühlt sich quer durch meinen kopf und hinterläßt wünsche und rhythmus, wortspiele und andeutungen: auf dem heimweg, der auch /immer/ eine metapher ist, selbst wenn er mal keine sein sollte. rausch ist absatz, also paragraph, nicht verkauf — und wegen des unterschieds, wegen der ungewöhnlichkeit, mögen wir uns auf einmal so sehr darin, und fast nur dann. die bezüge nach draußen sind das, was uns so flasht, immer kurz vor den heimwegen, und innerhalb des rauschs finden wir nicht statt. nähe passiert nur im unterschied. –

(rausch mit zeitlichem potential, also wegen der seltenheit des auftretens, aber eben auch mit inhaltlichem, also der ungewöhnlichkeit; ein doppelt artikulierter /moment/ gewissermaßen)

– später im taxi, das auch /immer/ eine andere metapher ist, selbst wenn es mal keine sein sollte: versionen, formulierungen, ausarbeitungen, kontraste. du behauptest, du magst das, und ich nicke und lächle schon wieder, als ich endlich vergessen habe, ob ich eigentlich allein auf dieser rückbank sitze oder zu zweit, und wer heute eigentlich gewonnen hat. du kannst nicht aus meiner haut.

[ frank l. | 2013-03-03 | 23:05 | # ]

intra & inter

woran wir eventuell kapitulieren: daß dinge kein ende haben, zwar auch keinen anfang, aber eben vor allem kein ende — daß wir immer nur einen auszug mitbekommen dieses streams der ereignisse, daß wir uns den beginn und das ende selbst festlegen, weil wir darauf trainiert sind, weil die erwartung so läuft und weil uns endlichkeit vertrauter erscheint als ausschnitte eines ganzen.

das "always" macht uns angst, und manchmal wird uns genau das bewußt und wir verfluchen die erkenntnis, die klarheit, und uns natürlich, in allen konstellationen. i fell for you, "29 years before i met you", sage ich dir dann über einen kitschigen blogtext oder eine karte oder eine andeutung, also über eine beiläufigkeit, die diesem stream und der enttäuschung und dem verständnis gerecht werden soll, dafür aber nie ausreichend ist. dann wechseln wir das thema.

woran wir kapitulieren: an der unangemessenheit unserer gefühle, vermutlich.

[ frank l. | 2013-02-24 | 14:05 | # ]