jahresrückblick, nachgetragen

eine aktive recherche, ob der empfänger tatsächlich verstorben ist, stellt die deutsche post nicht an. (..) ist die zustellung an einen – tatsächlichen oder vermeintlichen – erben nicht möglich, ist die sendung unzustellbar und wird mit dem unzustellbarkeitsvermerk „empfänger soll verstorben sein“ versehen. für die richtigkeit des vermerks „empfänger soll verstorben sein“ kann die deutsche post aus den vorgenannten gründen keine gewähr übernehmen. der kunde sollte daher zur sicherheit selber prüfungen über das mögliche ableben eines empfängers anstellen (..)

(– deutsche post: „leistungen und preise“, 1.1.10)

zweitausendneun war broccoli, zweitausendzehn wird rotkraut.

[ frank l. | 2010-01-04 | 10:52 | # ]

journey to the end of the year

berlin, alexanderplatz, silvester, 19 uhr.

[ frank l. | 2009-12-29 | 12:43 | # ]

one size fits most

an feiertagen und nach alkoholgenuß werden wir zuerst versöhnlich. wir lassen uns für u30-parties auf gästelisten schreiben, denn wir sind der meinung, das gefühlte alter sollte zählen, und bei starkem wind hören wir aus allen geräuschen die „word up“-hookline von cameo heraus. wir nennen es „prenzlberg“ nicht obwohl sondern weil wir es besser wissen. wenn wir etwas vermissen, dann verstecken wir das als andeutung in kommentaren auf facebook, wissen aber natürlich, daß es die richtigen und die falschen leider trotzdem verstehen werden. unter herzhaft verstehen wir nicht schinken sondern liebeskummer, und unsere geschäftsideen sind meistens shirt-label oder was mit online. wir sprechen fließend, manchmal auch fremdsprachen. wir denken oft über gesten nach, aber wir neigen zu überinterpretation. wir vermissen oft, wir sind klugscheißer bei tag und durchseelt bei nacht. wir wehren uns gegen „generation soundso“-stempel, fänden aber den ausdruck „generation soundso“ schon fast wieder gut, der ironie wegen. wir täuschen uns manchmal. wir benutzen pluräle und neologisieren gern, wir neigen zu abhängen und kryptisieren wortspiele. wir sind metrosexueller als wir jemals zugeben könnten, allein der begriff schon. im verstecken sind wir schlecht, aber wir kokettieren gern. wir erfinden sorgen, denn eigentlich haben wir keine, und wir verheimlichen lösungen, obwohl wir davon genug hätten. wir definieren uns über sammlungen und listen. und an guten tagen lächeln wir.

[ frank l. | 2009-12-26 | 03:45 | # ]

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add video to your mood

[ frank l. | 2009-12-25 | 22:15 | # ]

active aggressive note // (xmas ’09)

liebes tagebuchblog: weihnachten also. war doch gerade erst. die tage werden wieder länger, die aufmerksamkeitsspanne kürzer.

gestern abend noch, beim klopapier-und-bananen-kauf draußen, den trainingsanzugjackenträger im drogeriemarkt an der kasse vor mir je ein aftershave und ein duschgel aus der „playboy-edition“ kaufen erlebt. sah man die verpackung an, wußte man sofort, wie das zeug riecht (und das galt für produkt und käufer gleichermaßen). darüber nachgedacht, in diesem moment, ganz abseits von werbeversprechen und dem bild, das andere menschen offenbar gern von sich hätten: wieso intellektuelles bling immer noch funktioniert — also, das nicht dem 8-euro-haarschnittträger vorwerfend, sondern: wieso glauben leute noch immer an extrinsische versprechen, die darauf hinauslaufen, daß siejenige zu einem besseren menschen gemacht werden?

natürlich: mode funktioniert genau so, und gadgets und frisuren und bioobst und spenden für sogenannte gute zwecke (anstatt mal für gute gründe). aber so eine egoverbesserung, so ein individueller fortschritt, so ein „next level“-ding: weshalb funktioniert das bei mir eigentlich immer nur von innen heraus, woher diese abwehr gegen versuche von außen? ist das schon satanismus oder noch nur hermann hesse (beides egozentrik, nur in anderer darreichungsform)?

auf dem heimweg dann bemerkt, daß ja genau das mein problem mit weihnachtskitsch ist. und daß ich dramatisch froh darüber bin, heiligabend und alles drumherum in diesem jahr in der großen stadt, mit lebkuchen, kaffee, freunden, wodka, katzen, indierock und weißwein verbringen zu können. weil das aus mir heraus kommt, die begeisterung dafür, und nicht aus eigenartiger tradition.

just merried.

[ frank l. | 2009-12-24 | 18:14 | # ]

gärtner

ich bin kein optimist. ich kenne nur viele auswege. aber einen anderen weg, als den, daß wir uns verbinden gegen das, was wir ablehnen, kenne ich nicht.

der angriff der 13. fee: alexander kluge im interview mit dem der freitag.
(auch: videoversion des gesprächs auf dctp.tv.)

und ich habe beim lesen, auch, aber viel mehr noch beim sehen natürlich von kluge in gesprächen immer wieder dieses „mediale gefühl“ — daß kluge also sich nur als vermittler des gedankens sieht, nicht als autoren oder schriftsteller im langweilig-klassischen sinn. sondern als denjenigen, der einen inhalt nur noch zu tage fördert, der einer idee ermöglicht, sich zu verbreiten. also: der gedanke als auslöser, nicht der autor. sich als mittelbarkeit anbieten, sich dem versuch zur verfügung stellen. das finde ich dann jedes mal wieder charmant und respektvoll dem weltgeist gegenüber, glaube ich (also: auf so eine höfliche, nette art.).

(und dann merke ich, daß das ganz schön optimistisch gedacht ist, und daß das ja gar nicht zu mir paßt, also zu dem bild, was ich von mir habe oder zumindest mir hin-inszenieren will, aber die da drinsteckende ironie ist dann ja nur ähnlich charmant, und dann lächle ich und schreibe quatsch ins blog.)

[ frank l. | 2009-12-24 | 02:19 | # ]

de tail

man erliegt aber eben auch schnell dieser faszination des ungewohnten im leben: nicht zwangsläufig erst beim erkenntnisgewinn und auch nicht erst beim wahrnehmen von differenz/kontrast zwischen vorher und nachher während einer situation, sondern schon bei (während) der beschäftigung mit neuem, beim umgang mit situation(en). // unsicher jetzt, klar, ob das generell in ordnung ist (man reiche mir eine kontrollinstanz!), oder ob man (also ich) nicht womöglich — während man so in der gegend herumreflektiert — nicht ganz so meta ansetzen sollte mit dem begeisterungsanlaß. ob man sich dadurch also nicht eventuell zuviel bedeutung beimißt. („who cares?“, rief daraufhin die kontrollinstanz, die hier gerade sowieso noch rumsaß. und da hatte sie natürlich auch wieder recht.)

[ frank l. | 2009-12-22 | 03:02 | # ]