liebe eltern.

da ihr ja bisher mit "diesem internet" quasi nichts am hut habt, also – wenn ihr das hier jemals lesen solltet – ja, dieser eintrag ist für euch gedacht. vielleicht wird das der einzige bleiben, eventuell werden noch einige folgen, mal sehen. aber es gibt dinge, die möchte ich euch sagen, die kann ich euch natürlich auch sagen, und die habe ich euch auch schon mehrfach gesagt, aber sie scheinen nicht bei euch "anzukommen" – und solang das nicht der fall ist, muß ich sie anderweitig loswerden. oder wenigstens in worte fassen. strukturieren. über diese dämliche kleine scheiß-webseite beispielsweise.

[die rund 100% der leserschaft, die sich nicht zum kreis meiner eltern zählen, dürfen den folgenden eintrag also getrost ignorieren.]

euer falscher stolz in sachen gesundheit nervt nämlich. ich möchte nicht erst zwei tage danach und unter dem mantel der geheimhaltung ("aber sag' nicht, daß ich's dir verraten habe!") vom jeweils anderen elternteil am telefon erfahren müssen, wenn einer von euch am wochenende in der notaufnahme war. ich möchte nicht andere verwandtschaftsmitglieder telefonisch mehrfach nerven müssen, bis diese mir "verraten", wenn einer von euch im krankenhaus ist, mir das aber nicht mitteilen wollte, damit ich mir "keine sorgen mache". ein für alle mal: ich mache mir deutlich mehr sorgen, wenn ihr tagelang nicht telefonisch erreichbar seid, euch in dieser zeit mit bröckeliger stimme und ohne rufnummernübermittlung von einem offensichtlich fremden (krankenhaus-)anschluß meldet, und dann so tut, als wäre nichts.

gut, kranksein ist scheiße, ab einem gewissen alter sogar noch viel scheißer, und gerade euch beide kenne ich auch gut genug, um das sogar auf einem anderen level (krankheit als "imageverlust", "mir passiert sowas nicht", keine kontrolle über die gesundheit, usw) nachvollziehen zu können. ich bin schließlich ähnlich, ich funktioniere auch so. vielleicht sogar noch schlimmer. aber ich habe angst davor, daß gerade deswegen bzw nur aufgrund dessen mal irgendwas schief läuft. ihr seid ca. dreimal so alt wie ich, aber sogar ich habe doch gelernt, daß einem das niemand übel nimmt, wenn mit der gesundheit mal irgendwas nicht so toll läuft, wie man es geplant hatte. von den nicht-selbstverschuldeten fällen mal ganz zu schweigen.

wenn wir uns also für die zukunft darauf einigen könnten, daß nicht nur ich euer informationsbedürfnis befriedige(n muß), was meine gesundheit angeht, sondern auch umgekehrt? daß mir deutlich wohler bei der sache wäre, wenn ich sofort angerufen werde, wenn irgendwas nicht so ist, wie's sein sollte, anstatt mir erst tage danach von siebenstündigen untersuchungen und kernspin-dingern zu erzählen? muß ja nicht gleich ein eigenes weblog mit der meldung sein – ein kleiner anruf bei mir reicht da schon.

danke, ganz lieb.

 

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