silvester ist ein einziger großer ehekrach. jedes jahr schluß machen, sich kurz danach wieder versöhnen, mit schalem geschmack im mund. was hilft's?

"zwischen den jahren": die zeit der playstation-bedingten sehnenscheidenentzündungen am linken handgelenk, die zeit der lebkuchen-vorratsaufstockung durch großmütter ("das paket hier ist für jetzt gleich zum essen, dieses hier für nächste woche, und das große ist als vorrat für zu hause gedacht."), die zeit der verschwendung geistigen potentials für dinge wie das jährliche zählen und alphabetische sortieren der plattensammlung, dem schimpfen über vollidioten in der innenstadt (früh übt sich, wer später mal choleriker werden will) sowie den klassischen "dingen, die man tun wollte, wenn man mal zeit dafür hat", die man dann aber eh auf "nächstes jahr" verschiebt. alles bleibt, wie es war. auch 2004.

die nichtübernahme eines namens bei der erstellung eines nächstjährigen geburtstagskalenders (ganz oldschool, mit bleistift auf wandkalender) fühlt sich an, als würde man eine freundschaft kündigen. also prinzipiell gut, weil konsequent. weg mit dem ballast, blah. aber natürlich erinnert man sich noch jahrelang an genau diese geburtstage, deren löschung von solchen gedanken begleitet wurde – an offiziell "gekündigte" freundschaften denkt man ja auch öfter als an diejenigen, die einfach im sande zerlaufen (mentalnotiz: demnächst text über das phänomen der telefonnummern auf kurzwahltasten schreiben – die einzigen telefonnummern, die ich immer auch auswendig wußte). allein deswegen schon mag ich "schluß machen" nicht. silvester. den dingen eine bedeutung aufzwingen, die sie nie hatten.

also oberflächlich: die küche putzen, die wohnung aufräumen, das bad polieren, nebenbei das hirn sortieren. 2003. die bettwäsche länger als geplant nichtwechseln, wenn sich doch mal spuren körperlicher zweisamkeit darin verirrt haben – wer hat da was von armseligkeit gesagt? bedeutungen aufzwingen, die .. ja, ich weiß schon. beste anschaffung 2003 – nicht die dolby-digital-anlage, sondern die kaffeemaschine. so alt bin ich also schon. menschen 2003? tut mir leid, keine ahnung. zwischenmenschlichkeiten auf ein erträgliches nullmaß zurückgefahren bzw in junkfood-häppchen-artiges umgewandelt. danke, ich hab' mich schon selbst am hals. lebensabschnittseinteilungswillkür 2003 ("was, schon wieder 'mein letztes silvester in diesem kaff hier!'? psst, nicht so laut, sonst bekommt mein gewissen noch wind davon."). flirts mit callcenter-mitarbeiterinnen, vokabularerweiterung durch autobahnbeschilderungen und werbeprospekte und junk-tv, 13 kilo abgenommen, unproduktivität, (bisher) nicht eingehaltene versprechen und charitylike-verpflichtungen. ja, inkonsequenz. und dabei soll man nicht nervös werden?

"na, wie fandest du das jahr so im rückblick?" – "weiß ich nicht." – "häh?" – "ganz ehrlich."

fick' dich, 2003. und du dich auch gleich, 2004. wirst ja auch nicht anders.

 

// !