"martin, ruf' mich doch mal dringend zurück, der kleine hat hohes fieber und ich weiß nicht, was ich machen soll."

so lautete die anweisung der dame auf meiner handyfon-mailbox, ausgesprochen mit einer mischung aus befehlston bzw. dringlichkeit und zittriger angst, hilflosigkeit. weder kannte ich ihre stimme, noch ihren dialekt ("maddiin!"), noch kam mir irgendein martin bekannt vor. auch fand ich es hinreichend seltsam, daß mein telefon vorher nicht geklingelt hatte, die mailbox also offenbar direkt angerufen wurde.

"hallo, hier dingsbums, wollte ihnen nur kurz mitteilen, daß sie sich eben wohl verwählt hatten – es klang irgendwie dringend, da dachte ich, ich sag' doch mal lieber bescheid .." – "huch! ja, danke für den hinweis und entschuldigen sie die störung!"

sie klingt hektisch, als wäre sie schon dabei, das kleine telefonbüchlein, das mit dem grünem ledereinband, aus der schublade im flur, rauszukramen. das ding, das seit der einführung von kurzwahlspeichern nur noch gebraucht wurde, um leute anzurufen, an die man seit der anschaffung des mobiltelefons nie mehr gedacht hatte. dann stellt sie fest, daß sie die telefonnummer ihres mannes -natürlich- dort nicht notiert hat, "sowas kann man doch auswendig!?", sieht nach, wo die letzte telefonrechnung rumliegt, vergleicht die dort abgedruckte nummer mit dem inhalt ihres kurzwahlspeichers .. während ich gerade schon dabei bin, die angelegenheit mit einem mental-häkchen unter "gute tat für mittwoch: erledigt." abzulegen.

jeweils ungefähr fünf und acht minuten später teilt mir eplus mit, daß jemand mit nummer soundso bei meiner mailbox angerufen, aber keine nachricht hinterlassen hat. als sich das spielchen zum dritten mal wiederholt, rufe ich wieder zurück.

"sie scheinen immer noch die falsche nummer zu verwenden." – "aber ich hab' extra nochmal nachgesehen, 0173.." – "nein, meine nummer beginnt mit 0177.." – "ja was kann denn das sein? unser kleiner hat nämlich so hohes fieber und mein' maddiin hab' ich jetzt schon so oft versucht zu erreichen und ich weiß gar nicht was ich jetzt noch machen soll und .." – "na, vielleicht erstmal mit ihm zum arzt gehen?" – "da war ich heute morgen schon mal, aber das fieber ist jetzt nochmal gestiegen, und ich ruf' die ganze zeit mein' maddiin an, daß der mich hinfährt, und .." – "jetzt bleiben sie mal ruhig. ihr mann hat sich wahrscheinlich bei irgendeiner rufumleitung vertippt, das passiert schonmal. nehmen sie sich ein taxi und bringen sie ihren kleinen erstmal zum arzt. das mit dem telefon klärt sich dann sicher noch." – "ach, herrjeh, ein taxi, natürlich, ich meine, gott, na klar, vielen dank .. wissen sie, ich bin ein bißchen durcheinander, weil unser kleiner .." – "ist doch in ordnung. alles gute und dem kleinen viele grüße und gute besserung."

weitere anrufe im laufe des tages von diversen anschlüssen aus dem fränkischen raum landen auf meiner mailbox (bzw. tun es nicht, aber einige anrufer dürften sich gewundert haben, wieso martins mailbox sich neuerdings mit "frank" meldet, bevor sie verschreckt wieder aufgelegt haben).

seit vier tagen grüble ich jetzt – wie geht's "dem kleinen"? ob ich nochmal dort anrufen soll und mich erkundigen? geht mich das etwas an? was, wenn's dem kleinen nicht gut geht? woher kommen diese anflüge eines schlechten gewissens bei mir? wie lang sind martin und seine frau schon verheiratet, wie alt ist der kleine, wie heißt er? ist er ein intelligentes kind? wo arbeitet martin? wieso interessiert mich das?

vielleicht schreib' ich ja morgen nochmal kurz eine sms. oder rufe dort an und tu' so, als hätt' ich nur aus versehen die falsche nummer aus dem wahlwiederholungsspeicher geholt, erkundige mich aber "bei dieser gelegenheit" nach martin und dem kleinen.

seltsam, ich.

und das alles, sowieso.

 

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