mami, mami, er hat gar nicht gebohrt!

meine erste wurzelbehandlung. ich war aufgeregt. weniger aus lampenfieber denn aus eher klassischen schiß-gründen – mein letzter persönlicher kontakt mit einer zahnarzt-spritze fand vor ziemlich genau 18 jahren statt, und auch jenen tag hatte ich nicht mehr in positivster erinnerung. diesmal ausschlaggegebend für die entscheidung, das schicksal meiner oberen backenzähne in die hände eines weißkittels zu begeben, waren dann gewisse aussagen meiner zahnärztin ("ja, das muß wirklich sein!" und "jetzt stellen sie sich mal nicht so an!" – eher weniger motivierend) sowie die tatsache, daß in "meiner" praxis die wohl niedlichste zahnarzthelferin dieses universums arbeitet (schon deutlich mehr motivierend).

nun gut. die nervosität also mit sinnleerem gelaber überspielt und mich dabei schon beim betreten der praxis lächerlich gemacht ("ave, dr. zahnarzt, morituri te salutant!" – "oh, plural?"), aber im angesicht einer spritze werden sogar die härtesten männer (von anfragen per mail, wen ich damit meine, bitte ich abzusehen) zu lammfrommen nervensägen. im wartezimmer also abwechselnd geschmunzelt über die ausliegende bäckerblumen der zahnarztvereine ("zahn-rat") und gegruselt über die in einer vitrine ausgestellten "historischen zahnärztlichen geräte". während ich noch darüber nachdenke, wie ich in ermangelung eines feedback-briefkästchens möglichst höflich meine bedenken anbringen könnte, einem patienten mit einem "knorpel-schaber" oder "hebelzangen, ca. 1850" die angst vor dem zahnarzt zu nehmen, werde ich in die folterkammer gerufen.

von den folgenden ca. 20 minuten (gefühlt 45) bekomme ich kaum etwas mit – weder pieksen die beiden spritzen noch schmerzt die behandlung an sich. lästig eigentlich nur die geräusche, die irgendwie nach betonmischer und preßlufthammer -oder, allgemein gesagt, straßenbau-geräten- klingen. ich lasse mich zwischendurch verwirren durch bemerkungen wie "so, und an dieser stelle hier müssen wir mal ganz besonders vorsichtig vorgehen" – erwartungen werden geweckt, die dem kurz darauf verursachten geräusch – vgl. straßenbau – in meinem kopf diametral entgegengesetzt stehen und mich eher an das "ganz besonders vorsichtige" bearbeiten eines frischen zementblocks mit einem vorschlaghammer erinnern. auch bis ich verstanden hatte, daß sich frau doktor mit ihrer gehilfin mit den worten "jetzt müssen wir die ganze vordere verkleidung neu machen und diesen alten schrott wegwerfen" nicht über mein gebiß, sondern locker-flockig über die nebenan arbeitenden möbeltechniker unterhielt, verging recht viel zeit – aber das führe ich auf die schwierigen umstände zurück, unter denen die kommunikation zwischen uns stattfand, und daß ich vor der behandlung eine überdosis baldrian und johanniskraut zu mir genommen hatte – straßenverkehr, ich komme.

task one also überraschend gut gemeistert. was task two, die überaus bezaubernde zahnarzthelferin, angeht, so war es mir doch ganz recht, daß ich sie nach der behandlung nicht sofort wiedergesehen habe – obwohl, das penetrante grinsen und sabbern meinerseits, hervorgerufen durch die spritzen, hätten das gebalze vielleicht auf einen eher prähistorischen grundlevel zwischenmenschlicher kommunikation (vgl grunzen & rumfuchteln) reduziert und die sache möglicherweise angenehm abgekürzt.

was soll's. feigling ist man ja immer nur vorher: nächster termin in 14 tagen.

 

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