remix 2

so rückblickend war das gestern wohl ein massiv uncooler abend (und das meine ich liebevoll!), als benjamin von stuckrad-barre in jena lesetourauftaktete. ja, ich war dort (aber ich finde ja auch soloalbum toll, was man in der öffentlichkeit ja eigentlich nicht mehr laut sagen darf). rechtzeitig, also viel zu früh. die brav wartende menschenmasse draußen bestaunend – "wir würden gern spex lesen, beschränken uns aber auf neon und visions" – die sich später zu einem uncoolen publikum im klassischen sinn entwickeln sollte, das an den falschen stellen lacht, witzig gemeinte passagen nicht als solche versteht aber ernstgemeinte anmerkungen für witze hält. und größtenteils uncool gekleidet war, aber da will ich mich nicht ausschließen. die vorlesestätte location, wohl ein ehemaliges schwimmbad, mit dem charme von leberwurstfarben braunen wänden, bestach dann auch durch eher gequält wirkende themen-cocktails an der bar ("schwimmbadbiere") und rotlichtbeleuchtung auf den klos als durch coolness, was bvsb (und selbst ich als fußballhasser muß bei dieser abkürzung immer an dortmund denken) – oder wahrscheinlich eher irgendeinen superhipper event-coordination-manager aus jena – offenbar dazu bewog, ungefähr 337 handkopierte a4-zettel mit seinem portrait wäscheleinenartig über dem zuschauerraum aufzuhängen.

was an bvsb auffällt, ist die fehlende souveränität (ja, ich wollte den begriff "uncool" ausnahmsweise vermeiden). als er unelegant auf die bühne gehopst kommt und seine begrüßung aufsagt, hat man den eindruck, er würde sowas zum ersten mal machen. als wäre er ein siebtklässler, der nervös sein erstes referat vor der gesamten klasse halten soll und mit dem overhead-projektor nicht klarkommt. der overhead-projektor ist (s)ein notebook auf der bühne, augenscheinlich für leseshow-untermalende slideshows im hintergrund gedacht, mit dem natürlich er auch nicht klarkommt, dieses nichtklarkommen aber zum programm zu machen versucht und leute aus dem publikum auf die bühne holt ("kennst du dich mit sowas aus? wollen wir mal ein bild bearbeiten? komm' doch mal auf die bühne."). klappt nicht recht. vom ersten text merkt man bvsb die unsicherheit an, er beendet jeden text mit dem phrasengleichen "das war der text, herzlichen dank", unterbricht manche texte und schweift "spontan" stelzend ab, läßt absätze weg ("blah, da kommt dann noch was uninteressantes, ich les' mal hier oben weiter") und wirkt wie jemand, der nicht so recht weiß, wie er gern wirken wollen würde. zuerst wird das publikum gesiezt, ab dem zweiten text geduzt. dem uncoolen publikum neben mir in der reihe gefällt's ("hach, der sieht ja schon toll aus!"), gegackert wird bei jeder noch so unwitzig gemeinten bemerkung. zwei stunden larifari-texte, unbedeutend, mit allerdings zugegebenermaßen wunderbaren formulierungen im detail. danach autogramme am merchandising-stand – wie befürchtet mit einer erschreckend verkrampften handschrift signiert er bücher, t-shirts, geklaute poster und was man sich sonst so signieren lassen kann. er macht immer noch den eindruck, als würde er sowas zum ersten mal machen, krakelt seinen namen ungelenk auf's papier und lächelt für fotos erstaunlich popstar-ungemäß unlocker. eigenartig, das alles. immer noch.

benjamin von stuckrad-barre beim autogrammegeben

(glaubt mir jetzt sicher sowieso keiner mehr, aber – mir hat's gefallen. ehrlich.)

 

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