samstagstrauma

mcdrive. hölle aller klar denkenden menschen. paradies für führerscheinneulinge, die die freundin nicht nur mit der tiefergelegten schrottkarre beeindrucken sondern auch mal zum essen ausführen wollen. innenraumbeleuchtung statt candlelight, "antenne superhits" statt ambienter fahrstuhlmusik, zur umweltparkplatzverschandelung prädestinierte pappschachteln statt richtiger teller. der parkplatz vor dem restaurant freitags und samstags ab 22 uhr treffpunkt der dorfjugend, fast alle gut sichtbar mitglied bei den jeweiligen "[automarke]-freunden [dorf]", gute kunden bei d&w oder dergleichen neonröhren-, baßboxen- und alufelgen-ausstattern dieses landes, die leichtbekleidete und minderintelligente damen auf der katalogtitelseite abbilden. die damen der hier herumlungernden verkehrsprofis mit dem oberklasse-haarschnitt sehen alle genauso aus. immerhin haben sie ein bißchen mehr stoff am leib. ihre zerebralgeschwindigkeit steht in direkt umgekehrtem verhältnis zur ps-zahl der karren ihrer macker, nichtraucher (oder wenigstens sexy aussehende raucherinnen) sucht man hier vergeblich, und wäre das hier nicht alles open air, so käme man sich wie bei der jahresversammlung des schulabbrecher-swingerclubs vor.

ich sitze und stehe. ersteres in meinem auto, letzteres in der warteschlange. die scheiben so dicht wie möglich nach oben gefahren, so daß ich das musikmischmasch der vor und hinter mir stehenden blechbüchsen fast nicht mehr höre, sondern nur noch spüre. mein radio versucht mit vivaldi zu kontern, als wüßte der dlf-musikredakteur, in was für einer situation ich gerade stecke. hinter mir in der klassischen rollenverteilung ein mackertussen-auto (er, macker, auf dem fahrersitz, sie, tussi, zwar auf dem beifahrersitz, aber den fahrer demütig anschmachtend, während sie kaugummi kaut – beide auf sitzen, die wahrscheinlich nochmal extra tiefer im auto angebracht sind, so daß die augen knapp über der lenkrad-oberkante zu sehen sind) in meinem rückspiegel zu sehen, vor mir – oh wunder – ein offenbar weibliches wesen allein im auto, einem nicht-tiefergelegten daihatsu-einkaufsbonbon in knuddeltürkis. vielleicht eine mutter, die von der party ihrer fastpubertierenden sprößlinge zum essenholen geschickt wurde? mcdrive-profi scheint sie nicht zu sein. ich öffne mein fenster ein stück und höre, wie sie verzweifelt das mcdrive-bestellmikrofon anbrüllt und dabei mit den worten "na, das ding hier!" auf die vor ihr aufgebaute hell leuchtende aktions-werbetafel deutet, immer in richtung eines produkts, dessen namen sie entweder nicht lesen oder nicht aussprechen oder nicht beides kann. die stimme aus dem bestellpfosten hat mit der bestellung nachvollziehbare interpretationsschwierigkeiten und ordert die dame offenbar eine wagenlänge weiter nach vorn zum persönlichen gespräch.

mit den worten "herzlich willkommen und einen kleinen moment noch, bitte warten sie hier!" (so nehme ich zumindest an, tonqualität hatte offenbar nicht den wichtigsten stellenwert bei der technischen ausgestaltung dieses – äh – terminals) werde ich begrüßt und denke mir "kunststück, wo denn auch sonst, weg kann ich ja nicht". ich schalte den motor ab, während ich der daihatsu-dame vor mir mit einer mischung aus mitleid und einer seltsamen art von bewunderung zusehe. vivaldi hat inzwischen kapituliert, im radio laufen nachrichten.

als ich an der reihe bin und mich der krächzende lautsprecher mit "kann ich nun ihre bestellung aufnehmen?" anbrüllt, zieht mein kleinhirn die notbremse und zwingt mich zu einem "nein, lassen sie mal.", gefolgt vom anlassen des motors und dem vorbeifahren an den geldannahme- und essenausgabe-schaltern, nicht ohne den eher überrascht wirkenden schülerinnen-aushilfen mit den lustigen papierhütchen auf dem kopf durch die kleinen fernsterchen den mittelfinger zeigen zu wollen. zum glück hat mein kleinhirn keinen eigenen mittelfinger, und mein großhirn und ich sind zu gut erzogen, um so etwas auch wirklich zu tun. um rund 30 minuten lebenszeit ärmer, aber einiges an erfahrung reicher, fahre ich nach hause, esse vier mit tomaten belegte roggenbrotscheiben und komme mir ziemlich schrullig, aber wenigstens zufrieden vor.

 

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