zeichen der zeit

die welt trägt ipod (und h-karl-m derzeit, aber das ist ein anderes thema) und man wehrt sich noch eine weile und kauft sich dann, naja, keinen ipod, aber immerhin eine geek-variante (ich möchte weiterhin zu der randgruppe gehören, die apple-produkte von vornherein für indiskutabel hält – aber das geht ja schon beim originalen quicktime los und ist erstaunlich einfach). berechenbarkeit und so. seitdem verliebt in das gerätchen. kognitive dissonanz im liveeinsatz (gibt's auch einen ausdruck für pre- statt post-rechtfertigungen?). mich dazu gezwungen, mir gründe zu überlegen, wofür ich so ein ding brauche, die über "weil die technik sexy ist" hinausgehen. vorher, wohlgemerkt.

ein paar ausgewählte cds vorsichtig in eine der ganz edlen qualitätsstufen ("mundgeblasen") gegrabbt, gerippt und veredelt, ogg vorbis selbstverfreilich, dabei so ein chefkoch-gefühl gehabt. kein 5-sterne-restaurant, mehr so die geheimtip-nische, der jamie oliver unter den musikrippern (man möge mir verzeihen, daß ich keinen trés indie koch kenne als nur den cool wirken wollenden tv-star). jeden einzelnen song mütterlich behandelt vor dem rüberschicken ™ ("zieh dich warm an", "laß' dich nicht von fremden playern ansprechen", ..). kommen sie rein, bei uns werden die meta-informationen noch handgetippt. setzen sie sich, wir booten noch fix, dann geht's los. jedem einzelnen bit eine "they grow up so fast .."-träne nachgeweint bei der viel zu schnellen datenübertragung.

der player ist ein wenig kleiner als mein erster walkman (sony "tps-l2" übrigens – was man sich doch für seltsame dinge merkt!? (daß ich mich an meinen darauffolgenden "dd-100" noch erinnere, wundert mich da weniger)) und faßt, grob überschlagen, rund 400 mal so viel in meiner wunschbitrate codierte musik. was nicht nur dann toll ist, wenn man sich mal das herumschleppen von 400 tapes vorstellt. als ungefähr 7jähriger. na gut, die 7jährigen heute haben kamera-mobiltelefone mit klingeltönen und hintergrundbildchen, für die sie ihre eltern 400 euro ausgegeben haben, auch nicht wesentlich cooler.

mein ipod stammt von iriver und heißt eigentlich "h340", was ziemlich doof klingt, deswegen nenne ich ihn meist liebevoll "elfriede". manchmal auch "achim", "warnfried" oder "melanie", so genau wollte ich mich da noch nicht festlegen. die interne festplatte heißt jedenfalls "troubadix" (da war es wieder, das geek-gen), aber erfahrungsgemäß werde ich über kurz oder lang wieder bei "scheißding" oder "stromfresser" landen, je nachdem wie sich elfriede im alltagseinsatz bewährt. pragmatismus schadet ja auch selten. für den ersten moment bin ich allerdings noch vor lauter verzückung und samtbehandschuhung nicht recht dazu gekommen, elfriede im besagten alltag auch mal zu testen. am ende kämen noch kratzer auf's display oder ich gar mit ihr, äh, ihm in den regen. als platzsparendes aux-gerät an der heimischen anlage aber – da tut er, äh, sie ganz prima. und das ist ja auch schonmal was. als getrennt lebend von der eigenen plattensammlung kann ich ein lied davon singen (muß ich aber jetzt auch nicht mehr, lieder singt ja jetzt elfriede!), wie stressig und murphyesk sich die andauernde hin- und vor allem her-schlepperei des jeweils bei meinen synapsen gerade angesagten musik-partikels darstellt. ganz zu schweigen von der ehemals fehlenden missionierbarkeit schicker musik ("killer-platte, ich br.. ah, verdammt, ich hab' sie gar nicht hier, sorry."). und mir fallen irgendwann sicher noch mehr gründe ein, wofür ich melanie unbedingt gebraucht haben werde.

(ja. natürlich könnte ich all das auch locker mit dem längst vorhandenen notebook machen. mag sein.
aber joggen gehen (wer hat da gelacht?) – das kann ich damit nicht! kognitive dissonanz olé!)

 

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