blogger-inzest

auf deutschland-tour, kurz vor weihnachten. zwischenstop mit erstgradigem verwandtschaftsbesuch in der stadt, in der ich als kind die kelly family als straßenmusikanten erlebt hatte. durch die fußgängerzone gegangen, kaum veränderung wahrgenommen außer dem üblichen – das junkfood-restaurant hat eine neue fassade, die kaufhäuser heißen anders und jedes dritte geschäft verkauft mobiltelefone oder entsprechende verträge. die kelly family ist nicht mehr da. all die biergartenschirmchen mit parteienwerbung und darunterstehenden aufdringlichen schlipsträgern auch nicht. erstaunlich, wie sich bilder von städten einprägen, wenn man nur kurze zeit der kindheit dort verbracht hat.

nach der pflicht die kür: den momentanen spleen ausgelebt und im telefon-adreßbuch nach "leuten von hier" gesucht. blogbedingte netzbekanntschaft angerufen, zum kaffee verabredet. während des wartens darüber nachgedacht, ob "auf einen kaffee treffen" schon ein so kulturellig westeuropäisches klischeephänomen ist, daß man damit eigentlich allein schon aus zickigkeit mal brechen sollte. pläne, das date auf "um mitternacht bei vollmond an der großen brücke" zu verlegen, aber erstmal wieder verworfen. ich weiß ja nicht mal, ob wiesbaden eine große brücke hat.

die binsenweisheit "man findet dinge erst, wenn man nicht mehr nach ihnen sucht" für mich umformuliert zu "man findet heraus, was man gesucht hat, sobald man es vor sich sieht". festgestellt, an diesem tag offenbar einen interessanten menschen gesucht zu haben. inspiration noch während dem kaffee. und dem abendessen. und dem rest der nacht. kein schlaf im altmodisch überholten sinn, aber prioritäten wollen eben gesetzt werden. viel gelernt, viel beigebracht. nennt man inspiration auch dann noch inspiration, wenn sie in spaß ausartet? weiter- und heimfahrt am nächsten morgen, im radio irgendwann die nächste, diesmal dämliche, binsenweisheit: "nicht für die schule, sondern für das leben lernen wir". leichten unmut über die formulierung kurz in erwägung gezogen, dann doch lieber den sender gewechselt, im vertrauen darauf, daß auch manche der heutigen schüler die weit angebrachtere formulierung "nicht von der schule, sondern vom leben lernen wir" kennen.

 

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