tagebuch eines formulierungs-kretins

"an tagen wie heute fühl' ich mich immer so vierspurig", sagte f., und versuchte dabei mit einem leider eher schlecht improvisierten opferrollen-timbre dezent darauf hinzuweisen, daß sich seine metapher nicht auf eine autobahn, sondern auf eine studio- bzw. audioaufnahme bezog. ich sagte nichts, sondern blickte weiter an ihm vorbei in richtung fenster, um den eindruck zu erzeugen, ich hätte ihm nicht zugehört. mein desinteresse wiederum nahm f. nicht zur kenntnis und redete weiter. einige abers, oh weis, andererseitse und obwohls drangen bis zu mir durch, ich streute hin und wieder ein mmhm oder ein hmmmhm ein und wartete darauf, daß f. endlich aus seinem selbstmitleid herauskletterte – oder daß sich das dunkelhaarige hasi vom tisch schräg gegenüber doch endlich mal zu uns umdrehte, um mir zu bestätigen, daß sie auch von vorn so hübsch lächeln konnte wie ich es mir von hinten erhoffte und es ihr von der indirekten beobachtung über die spiegelnde fensterscheibe hinweg zutraute. nichts davon geschah, die nichtigkeitsrelevanzblase schwebte statt dessen weiter über der szene wie eine 2qm-miniregenwolke (umringelt von sonnenschein) über einem oppositionspolitiker in der provinztageszeitungspolitkarikatur; und während ich noch darauf wartete, umgeblättert zu werden, stellte mir f. irgendeine frage, was ich wiederum und habermals nicht an der eigentlichen formulierung, sondern nur am zerebralen echo der seltsamen intonation und der verdächtigen pause bemerkte, das gerade innerhalb meiner schädelbegrenzungen gegen die weiteren überlegungen über die zu erwartende nasenform der dunkelhaarigen vom tisch gegenüber um den highscore beim gedanken-pong wettstritt. und verlor. ich frug gegen, und hoffte, f. mit "auf wie alt würdest du die dunkelhaarige dort schätzen?" einerseits geistige bodenhaftung zu verleihen und mich andererseits aus meiner überaus miesen zuhörerschaft elegant hinauszuwinden. "moment, ich frag' sie einfach", sprach's, stand auf und ging zu ihr hin. in diesen momenten erstaunte er mich nicht nur, in diesen momenten war ich geschockt. wenn ich einmal groß bin, wollte ich auch so cool sein können.

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