a kids' fairy tale. or maybe not.

es war einmal ein kleiner engel. ein wirklich winzig kleiner engel, den man leicht übersehen konnte, so klein war er. das hatte seine praktischen seiten, so konnte er sich beispielsweise an herumfliegende staubkörner hängen, die sein ganzes gewicht tragen konnten, wenn er auf eine reise gehen wollte – aber das hatte auch seine unpraktischen seiten, wurde er doch oft übersehen, und, was noch viel schlimmer war, nicht ernst genommen.

eines tages kam der kleine engel zu seiner engelmutti und sagte zu ihr, daß er sich gedanken mache, was denn mal aus seinem leben werden würde. er wäre jetzt schon so lang einfach nur ein kleiner engel, aber irgendeinen sinn und zweck müsse das ganze doch haben, außer tagaus-tagein in der gegend herumzufliegen und spaß zu haben. "menschen haben doch schließlich auch einen beruf, dem sie nachgehen ... warum habe ich keinen beruf, mami?", fragte der kleine engel seine engelmutti.

"engelchen", sagte die mutti zu ihm (denn so nannte sie ihn immer, wenn sie etwas wichtiges zu sagen hatte, es aber so lieb klingend wie nur möglich verpacken wollte, wie engel nunmal so sind) – "engelchen", sagte sie also, "es gibt viele dinge, die du in deinem leben machen könntest. du mußt sie dir nicht aussuchen. du mußt dir nicht krampfhaft überlegen, und du mußt dich vor allen dingen nicht damit belasten, was aus deinem engelsleben werden soll – diese entscheidung ist in dir und kommt irgendwann automatisch aus dir heraus. du wirst es merken." – so sprach seine engelsmutti, und der kleine engel glaubte, sie zu verstehen, auch wenn er mit ihrer antwort noch nicht so viel anfangen konnte.

die jahre vergingen, und der kleine engel hielt seine engelsäuglein offen. nichts sagte ihm zu. er wollte kein todesengel werden, das wußte er. diese engel waren ihm zu ernsthaft, zu abgehärtet, zu kalt ... er war ein ganz kleiner engel, das paßte sowieso nicht zu ihm. er wollte auch kein friedhofsengel werden, der über einen toten menschen wacht. eine ehrenvolle aufgabe, natürlich, aber ... er war doch ein kleiner engel voller lebensfreude, er wollte gutes tun!? auf staubkörnern durch die gegend fliegen, mit seinen engelsfreunden spielen, und dabei den menschen etwas gutes tun, ja, das wollte er. aber die wenigsten menschen glaubten ja noch an engel, und aus diesem grund entschieden sich ja auch so viele seiner freunde für die laufbahn als todesengel oder gar als engel in einem gemälde. manche machten sogar karriere in der menschenwelt – ein ehemals guter freund von ihm ließ sich blau anmalen und auf verpackungen abdrucken ... wie würdelos. nein, das wollte er nicht. er wußte, er würde irgendwann etwas finden, was "für ihn gedacht" war, eine aufgabe, die ihm zugesprochen war, einen sinn des engelslebens.

eines tages, als er so auf seinem lieblingsstaubkorn ein wettfliegen gegen seinen allerbesten freund veranstaltete, und gerade dabei war zu gewinnen, sah er ein menschenkind auf der erde. das war nun nichts besonderes, menschenkinder gibt es viele auf der erde, aber das besondere an diesem menschenkind war, daß der kleine engel spürte, daß dieses menschenkind an ihn glaubte. auch wenn es selbst davon noch nichts wußte. es glaubte an engel, das reichte aus ... menschenkinder strahlen in einer ganz besonders schönen farbe, die nur für engel sichtbar ist, wenn sie "glauben". und mitten in seinem wettrennen sah er dieses menschenkind strahlen.

er brach das rennen ab, kommentarlos, wie es sonst so gar nicht seine art war – sein freund wunderte sich, rief ihm nach, aber der kleine engel war schon unterwegs. "im sturzflug" zu dem menschenkind, das er strahlen gesehen hatte. und als er ihm sich so näherte, vom himmel herunter immer näher auf die erdoberfläche, so daß er schon fast das menschenkind direkt mit seinen engelsaugen erkennen konnte, sah er, daß etwas nicht in ordnung war – das menschenkind war in gefahr. aber er hatte keine zeit, darüber nachzudenken, wieso er nun gerade gespürt hatte, daß dieses spezielle menschenkind ein problem hatte, und wieso er überhaupt auf diese weite entfernung etwas von diesem menschen gefühlt hatte. er wußte um seine engelskräfte, und er wußte auch sofort, daß er sie gleich zum ersten mal wirklich einsetzen mußte.

bisher waren seine kräfte immer ein nettes spielzeug gewesen. zauberkräfte sind relativ unspektakulär, wenn alle freunde die gleichen tricks können – das nimmt ihnen nämlich den "trick"-effekt. also vergaß der kleine engel irgendwann mit der zeit, daß engel spezielle kräfte haben. menschen würden so etwas vielleicht zauberei, oder "wunder", oder "fügung" nennen – bei den engeln gab es dafür keinen speziellen ausdruck. engel lebten einfach mit ihren kräften, so wie menschenkinder täglich vor sich hin lebten, ohne die kleinen wunder in ihrem eigenen leben zu bemerken, die wunder, die sie bewirken konnten.

und, wie auch bei menschen, in besonderen situationen wird man sich seiner fähigkeiten bewußt. der kleine engel flog "wie der teufel", und für diesen vergleich schämte er sich schon während des fliegens, in die richtung des menschenkindes, das sich in gefahr befand, überlegte, setzte seine kräfte ein, überlegte nochmals, setzte andere kräfte ein, "zauberte" ein wenig, wog ab, setzte neu an, flog hin und her, beschützte das menschenkind und – "rettete" es.

das menschenkind merkte von alldem nichts. jedenfalls nicht direkt und in diesem moment, sondern erst später – das menschenkind nannte es dann "glück im unglück". und für einen kurzen moment sprach es sogar von ... genau, von dem kleinen engel.

und plötzlich, genau in diesem moment, als das menschenkind diesen begriff verwendete, fiel es ihm auf – er war ein schutzengel. schon immer gewesen.

 

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