the sisters of mercy, columbiahalle, 20060423

vielleicht kann man über ein sisters-konzert 2006 ja auch nur das gleiche schreiben wie über ein sisters-konzert 2003 oder irgendeines davor. vielleicht kann man immer wieder nur betonen, daß es diese "band" schafft, seit deutlich über 15 jahren ohne neu erschienene tonträger immer wieder auf welttournee in quasi-ausverkauften hallen zu spielen. vielleicht könnte man ja auch mal erwähnen, daß der altersdurchschnitt im publikum dann offenbar bei knapp 30 jahren liegt, und daß unter den kerlen im publikum auffällig viele mit manischem (aber doch irgendwie entspanntem) fanboy-blick und mit defektem haarschnitt sind, die außerdem noch den sisters-stern bzw das logo auf den oberarm tätowiert haben. vielleicht kann man dann auch immer wieder erwähnen, daß andrew eldritch auch 2006 noch im st.-pauli-shirt, mit sonnenbrille im gesicht und kippe in der linken hand in einer "wall of fog" ™ auftritt, so daß sich die bühnendeko auf sehr viel buntes bzw verschiedenfarbiges licht, strobo und eben dramatisch viel nebel beschränkt, aus dem heraus man hin und wieder den meister oder die eher unauffälligen gastmusiker auftauchen sieht. dann müßte man auch all die anderen konzert-review-klischees durchmachen, beispielsweise das nicht-auslassen sondern eben "erst-recht-spielen" von eigentlich ja totgenudelten hits wie "temple of love", die aber im konzertrahmen eben dann doch /wieder/ funktionieren. oder wie begeisternd die menge der alten säcke ausflippt, sobald die ersten töne von "alice" erklingen. und daß bei einem sisters-konzert die ungeschriebene regel, nie ein shirt jener band zu tragen, die gerade auftritt, komplett unbekannt und somit ungültig zu sein scheint.

crazy people (tm) im publikum ja, könnte man vielleicht, alles. man könnte dann auch wieder in eine melanscholisch abdriftende rezension verfallen und von der eigenen musikalischen entwicklung schwärmen, wie wichtig die sisters-sachen in der eigenen jugend waren. 1959, lucretia, marian, oder die ganzen vision-thing-sachen. wie sehr einen das alles zu dem gemacht hat, was man jetzt ist, bezüglich des musikverständnis (-ses?) und des ganzen draufseins generell. und ob man das überhaupt so trennen kann, bei der betrachtung eines konzerts, ob man die "objektivität" forcieren kann, oder noch weiter – ob man das überhaupt sollte, wie angebracht es denn wäre, ein sisters-konzert ohne gedanklichen ballast zu betrachten, und wenn, dann auf welcher ebene denn überhaupt? "rocken", instrument-virtuosität, stimmliche qualitäten, "show"? nein. bullshit, alles.

man kann nur auf die alte "lieben oder hassen"-formel zurückfallen, in solchen fällen, speziell in diesem. man muß nachvollziehen können, daß eine immer wieder gleich/ähnlich ablaufende tour alle 2–3 jahre nichts ist, was den durchschnittlichen spex-leser hinter dem diskurspapierchen hervorlockt, und man muß gestehen, daß sisters-konzerte nicht unbedingt das sind, bei dem man die faszination sofort /versteht/. aber andersrum: man muß es ja auch gar nicht. solang ich mir alle 2–3 jahre mindestens ein sisters-konzert ansehen darf, gerne auch zu schweinepreisen. es wurden schließlich auch schon ganz andere leute sehr gut dafür bezahlt, daß sie jahrelang das gleiche gemacht haben.

 

// !