schal ist der weg und wenige werden ihn gehen

ziemlich schlau eigentlich vom hiesigen freikirchlich-wachturmesken sektenquatsch, zur haustür-akquise mittlerweile nicht mehr ältere damen mit eigenartiger silber-dauerwelle in ocker-unbunten stoffmänteln ("schwester hilde koschinsky, versammlung berlin-mitte, guten tag!") sondern /hübsche/ junge mädels mit pferdeschwanzartiger frisur und engem oberteil ("wir sind julia engels und katharina schwitt, hallo!") vorbeizuschicken – weil sie wissen, daß die gegensprechanlagen in dieser gegend eigentlich gegenguckanlagen sind, man also den klingler schonmal auf dem bildschirm sehen kann, während man sich gerade noch überlegt, warum eigentlich pizzaboten so oft unrasierte kerle sind und ob nicht mal jemand hier in berlin das hooters-prinzip ("mit mais, broccoli, extra käse und sexy trinkgeldgrund, bitte!") einführen könnte.

"ja?"

"guten morgen, herr lachmann. wir würden gerne mit ihnen über ihre bibel reden."

"sie kennen doch /meine/ bibel gar nicht!?"

"dürfen wir vielleicht reinkommen?"

"so verlockend das klingt, aber befürchte einen latenten interessenskonflikt und habe außerdem mundgeruch."

"sollen wir sie eventuell zu einem anderen zeitpunkt nochmals besuchen?"

"steht in ihrer bibel denn nicht irgendwo was von 'und führe mich nicht in versuchung'?"

"haha!"

bis kurz vor dem gekünstelt-auswendiggelernt klingenden "haha!" (grundkurs lachtherapie für europa-sekretärinnen, zweite unterrichtsstunde: amüsiert-höfliches lächeln) klangen sie ja noch fast sympathisch, die beiden. ich muß es mir vielleicht ja echt nochmal überlegen. das mit der sektengründung.

 

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