und was uns bleibt am ende eines langen abends

freitagvormittag, der innnenhof heult: ein hund und zwei kids sitzen auf der grünfläche (was, genauer betrachtet, eigentlich ein doch ziemlich beschissener begriff für einen kleinen rasen ist) und singen. die kinder heulen vor, der hund heult nach, die kinder lachen, der hund schwanzwedelt. früh übt sich, was mal ein großer werwolf sein will.
ich bin nicht der einzige, der auf dem balkon steht und mit (also gegen) ein latentes lächeln kämpft (– jene art von lachen, die man eigentlich wirklich gern wieder drauf hätte und sie sich jetzt gerade nicht einmal aktiv verkneift, sondern nur im lauf der jahre verdrängt hat, welche synapsen man dafür eigentlich ansteuern müßte, um so ein lächeln auch nach außen zeigen zu können und nicht einfach nur innerlich zufrieden zu sein – seit man damals beschlossen hatte, "wenn man mal groß ist", misanthrop oder choleriker oder beides (aber in der jeweils eloquenten variante!) zu werden). auch das innere glück kommt also auch mit auf den egotrip, hätte man vielleicht mal früher dran denken sollen.

letztes, letztes leuchtfeuer / was du nicht kannst ist mehrere leben führen.

die hotspottisierung von großstädtern: glückssimulation mit wlan in starbucksen, die degenerierte back-from-nature-einstellung in der kindisch kokettierenden variante, einfach den zynismus als realismus bzw. pragmatismus definieren. ist das nicht die definition eines molochs? man geht unter, ohne es so richtig schlimm zu finden? es lebe die fähigkeit der erinnerung, an die gründe deretwegen man damals hergekommen ist: der zauber der stadt, das mystische, das allumfassende und die details gleichzeitig. die möglichkeiten, das potential, das moloch-artige eben. das sich einem in london geradezu aufdrängt, aber in berlin viel down-to-earth-esker lauert. und da muß man dann eben morgens um fünf, während dem erwachen der stadt (und wer das so noch nie erlebt hat, heimkommend von einer party oder sonstwie durchgemacht habend, der weiß nicht, wie treffend diese formulierung dann eben doch ist), an einer bushaltestelle sitzen und thom yorke hören. und während "analyse" oder "harrowdown hill" durch die stadt gefahren werden und mit dem gleichen latenten lächeln wie beim zuhören heulender hunde sich wieder bewußt machen, während man im blindflug aus dem fenster starrt, daß es all das ja gibt: das geheimnisvolle, das lebendige, das organische, da draußen. daß berlin eben doch kein 9to5-drecksjob ist, sondern eine intellektuell unglaublich inspirierende unterhaltung um halb vier uhr nachts in einem neuentdeckten café mit einem gerade kennengelernten menschen über ein thema, von dem man eine halbe stunde eher noch nicht wußte, daß es einen interessiert. das ist berlin.

das absolute glück als der allerletzte mensch am rand zu stehen wo die welt eine scheibe ist

n-tv blendet einen "terror-alarm" ein und schreibt einen schlechtformulierten halbsatz über ein herrenlos aufgefundenes ™ gepäckstück am hauptbahnhof ("enthielt aber nur kleider und gemüse") in weiß auf rot an den unteren bildschirmrand. im berliner fenster werden fahrgäste gebeten, "auffällige gepäckstücke" zu melden, im programmflyer zum melt-festival bittet der veranstalter darum, bei der security auf "diskriminierend auftretende personen" hinzuweisen. merkt denn keiner mehr was?

das ist unsere zeit / laß sie leuchten

zicke zacke krümelkacke und selbstmitleidiges geschwafel. aber dafür sind weblogs schließlich da. laßt uns die welt revolutionieren mit ichbezogenheit. oder meinetwegen wirbezogenheit. dann wird aus dem latenten lächeln nämlich irgendwann wieder ein echtes, und man hört nebenbei thom yorke oder peterlicht und fragt beim fahrradkauf nach der anzahl der vorhandenen klingeltöne und beschriftet geldscheine am rand wieder mit ausgedachten conspiracy-formeln ("evolution anzetteln!") und flirtet mit dem wetter und breitet die arme aus und spricht wieder laut mit sich selbst und weiß wieder zu schätzen, was man hat und macht.

denn wer saufen kann, kann auch ausschlafen

es wird herbst, ich fühle mich wohl.

 

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