con sequenz

m. lag im nebenzimmer und schlief. sie und s. hatten sich wieder gestritten. nicht diese dramatische art von streit, sondern die subtilere variante, bei der man ruhig miteinander spricht und sich selbst nicht sicher ist, ob man beleidigen möchte oder der eskalation entgegenwirken – bzw. was davon man in dem moment gerade tut, in dem man spricht und mit bedacht argumente austauscht (- oder das, was man dafür hält).

sie stritten nicht oft, m. und er. sie hatten ein knappes jahr einigermaßen erfolgreich das absolviert, was gemeinhin "beziehung" genannt wird, und was mit zunehmender erfahrung, also zunehmendem alter und zunehmender anzahl an jeweiligen psycho-beschädigungen aus vorangegangenen beziehungen ("knackse", wie die beiden es gern nannten) immer schwieriger zu meistern war. meistens lief es gut, manchmal sogar toll, selten wunderbar, aber hin und wieder wußten beide schon beim nachmittäglichen wiedersehen, daß sie sich jeweils selbst nicht in den kram paßten und damit fast zwangsläufig die gesamtsituation in frage stellten, weil man eben auch fragil in der eigenen reaktion war.

es war wieder so ein abend, wo eine schuldzuweisung zu angst, eine bemerkung zu unverständnis, ein kalauer zu irritation, eine handlung zu kopfkino und ein blick zu mißtrauen führte. das merkten beide, noch während sie miteinander sprachen. ausführlich und ruhig, unbestimmt und implizit. mehrere stunden. und sie merkten auch, daß es diesmal heftiger war als sonst, weil sie so sehr darum bemüht waren, freundlich miteinander zu sein (und am schärfsten /trifft/ man bekanntlich, wenn es der gegner nicht sofort bemerkt) und die situation eben nicht eskalieren zu lassen. was sie dann aber, deswegen, doch tat. sie waren ja beide nicht dumm. und vielleicht war das auch eines der probleme. das gespräch kam zu keinem ergebnis, die schadensbegrenzung war ebensowenig erfolgreich, und so schlief m. dann (wie meistens) irgendwann ein, während s. noch weiter grübelte und die situation in seinem kopf weiter ausdramatisierte.

am nächsten morgen war dann für gewöhnlich alles (oder immerhin vieles) wieder in ordnung, entweder man entschuldigte sich gegenseitig für das drama und erinnerte sich daran, warum man zusammen war, hatte versöhnungssex oder lag sich wenigstens eine weile gegenseitig in den armen, und spätestens nach dem frühstück war der "himmel, was sind wir kindisch!"-blick in verbindung mit einem lächeln wieder da.

so auch diesmal. s. schlief erst seit einer stunde, als m. wach wurde und ihn umarmte. sie preßte sich regelrecht an ihn, satzfetzen wie "tut mir leid" oder "drück' mich mal!" wurden ausgemurmelt, der gegenseitige mundgeruch war beiden egal, und sie waren reinsten herzens wirklich davon überzeugt, daß der vorangegangene abend ein lächerlicher mist war, der schon viel zu oft – eben unnötig – stattgefunden hatte. nur die darauffolgenden morgen gaben nach solchen nächten die notwendige kraft für die beziehung, und immerhin wurden ja auch die abstände zwischen den streßsituationen jedesmal größer.

die lage entspannte sich. als sie aufstand, schlief er nochmal ein; als er wieder aufwachte, spürte er ihren kuß und hörte sie noch "mach's gut!" sagen, als sie mit ihrem gepackten koffer die wohnung verließ.

(aus der reihe "wenn ich mal groß bin, will ich groschenroman-autor werden".)

 

// !