re:publica, again

die re:publica krankt an genau einer sache, das aber offenbar in jeder einzelnen veranstaltung: konsens.

keine podiums-diskussion, die zum weiteren diskurs im café veranlaßt; keine kontroversen statements; keine fragwürdigen inhalte, über die man sich danach gedanken machen könnte; keinerlei subversion. nichts, worüber man bloggen könnte oder sogar müßte (und genau deswegen bloggt auch nur jeder bisher, daß der kaffee lahm schmeckt, die kalkscheune nett ist oder johnny sympathisch — was alles in der tat auch korrekt ist, aber normalerweise eben keine sau interessiert). statt dessen eierschaukelei, konsens und langeweile, weil sich alle lieb haben oder doch zumindest im gleichen boot sitzen (also: sich eben jenes einreden, deswegen ist man schließlich hier). jeder findet alles irgendwie gut oder kritisch, aber wenn schon kritisch, dann findet jeder das auch wieder gut. der diskurs, er lebt. wäre man nicht schon müde wegen der unmenschlich frühen uhrzeiten, dann würde man es wegen der (meisten) inhalte.

dicke podcasterinnen drängeln sich durch selbsternannte "citizen journalists"; ungefähr jeder zweite ist unfähig, während vorträgen sein mobiltelefon auf vibration bzw. stumm zu schalten; noch nicht mal all die schlipsträger eignen sich zum spott, weil sie durch die bank weg farblos bleiben; und das ewige latent-süffisante don-alphonso-gebashe zeigt auch nur, daß die diskussion um eine "blog-etiquette" (gute erziehung bzw höflichkeit und gesunder menschenverstand, also wie im normalen leben auch, reicht den berufsnerds aber eben scheinbar nicht) nicht nur unnötig war, sondern auch nicht mal ansatzweise verstanden wurde; pessimistische oder im weiteren sinne wenigstens soziologische themen finden nicht statt; die riesigen banner mit den sponsoren-logos sind auch am dritten tag noch nicht heruntergerissen oder wenigstens kreativ verziert/verschmiert (was in allen möglichen anderen subkulturen eigentlich erste bürgerpflicht wäre). wären nicht leute wie supatyp, sascha lobo oder mercedes bunz mit dem einen oder anderen punk-faktor (in welcher form und ausprägung dann auch immer) anwesend, müßte man das club mate gratis verteilen, um nicht einzuschlafen. nichts gegen die meisten der veranstaltenden, vortragenden oder anwesenden menschen persönlich — ich meine da mehr so ein subtil/stetig-vorhandenes langeweile-gefühl, das nur bei powerpoint karaoke, johnnys web2.0-vortrag oder der sms-kommentarleinwand gebrochen wird, oder eben bei den "off-event"-gesprächen im hof.

(und womit? mit brecht.)

 

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