vor der schule ist nach der schule

daß mehmet scholl mal zur gleichen schule gegangen ist wie ich, habe ich im bekanntenkreis bestimmt schon mindestens so oft erzählt wie jene anekdote, daß ich den tag, der sich später mal als der elfte september herausstellen sollte (der natürlich schon vorher ein elfter september war, aber eben nicht /der/ – dramatischer trommelwirbel – ölf!te! sep!tem!ber!), wegen einer salmonellenvergiftung praktisch durchgehend auf dem klo verbracht habe. nichts sollte mehr sein wie es war, denn ich hatte dünnpfiff und verpaßte alle livebilder von brennenden hochhäusern. aber zurück zu mehmet scholl:

daß der ein ziemlich okayer typ ist, war ja oft genug und überall schon zu lesen, nicht nur erst jetzt nach seinem abschied. und daß er einen ziemlich guten musikgeschmack hat ("für einen fußballer", als ob man aufgrund der tatsache, daß 90% der fußballer null-eloquent sind – aber eloquent ja eben auch gar nicht sein müssen, also woher kommt denn eigentlich dieser eigenartige anspruch? –, auf deren musikgeschmack schließen müßte), und schon ein paar compilations "presented by" ihm erschienen sind. mit nicht gerade dem hip-neuesten trendy scheiß zwar, der dann erst ein jahr später groß wurde, aber doch immerhin mit einer erfreulich guten auswahl sogenannter "indie"-songs, bei der man spürte, daß da eben nicht jemand ein paar promos im shuffle-modus zusammengeklickt und nur seinen namen dafür hergegeben hat, sondern daß da ein klein wenig herzblut drinsteckt.

mehmet war dj unserer schul-disco. genaugenommen war er einer der oberstüfler, die sich bereiterklärt hatten, für den nachwuchs (also mich) an einem bis zwei nachmittagen pro schuljahr bei der sogenannten "unterstufen-disco" musik aufzulegen. events, bei denen die uhrzeit von, wenn ich mich recht erinnere, 15 bis 19 uhr dazu genutzt wurde, erste schritte in den bereichen zu machen, die einige von uns später, oder auch heute noch, für "leben" halten sollten: ausgehen, tanzen, trinken, flirten. wasted karlsruhe youth in training, dank alkoholfreier kinderbowle in der schul-aula. schon damals (ungefähr 1987/88) zeichnete sich bei mir aber die entwicklung hin zum (musik-)nerd ab. anstatt mich also auf die mitschülerinnen (und dabei vor allem auf meinen ersten "stehblues-versuch" mit m., der noch an diesem nachmittag stattfinden sollte, ganz klassisch zu rod stewarts "sailing") zu konzentrieren, lungerte ich in der nähe des dj-pults herum, um mir gute songs zu merken, übergänge zu theoretisieren und hin und wieder nach dem titel eines tracks zu fragen – als rofo's theme lief, einer dieser songs, für die man sich schon nach wenigen jahren zu schämen beginnt, belagerte ich mehmet so lang, bis er aufgab und mir versprach, mir jenen song "auf eine cassette aufzunehmen".

das fiel mir, und den grund weiß ich nicht genau, kürzlich wieder ein. als ich auf dem dachboden bei meinen eltern gesucht habe, ob dieses tape (tdk, c-90, hellgrünes inlay, mit blauer tinte beschriftet) noch existiert: immerhin hatte es eine von mehmet scholl handgeschriebene trackliste, und neben rofo's theme hatte er mir noch men without hats' "safety dance" dazugepackt und einige andere songs, an die ich mich aber nicht mehr explizit erinnern konnte. bei denen man aber merkte, denn /daran/ erinnere ich mich, daß da eine erfreulich gute auswahl sogenannter "indie"-songs, .. you know.

kurz gesagt: irgendwo bei meinen eltern im archiv vermute ich das erste originale von mehmet scholl zusammengestellte mixtape. nur finde ich es leider nicht mehr.

(um die pointe wenigstens noch ein bißchen erträglicher zu machen: die abi-zeitung seines jahrgangs hab' ich noch. aber die geb' ich nicht her. erst, vielleicht, falls er zum "promi" mutieren sollte.)

 

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