teil 5: man sagt nicht mehr "ich liebe dich"

die differenz "zwischen erkenntnis des untergangs und dem untergang" als solchen, also der raum, der da entsteht – meist zeitlich – und sich ungefähr so anfühlt wie genau dieses /ungefähr/ wirkt, nämlich schwammig und potentiell /verloren/, spätestens im rückblick, diese differenz also ist genau das, was verunsichert. nicht der untergang, nicht die kapitul- oder resign-ation, nicht die "katastrophe in permanenz" und nicht der initiale sturz oder das stolpern. und schon gar nicht auch der untergang, der ist berechenbar. sondern die umgekehrte sehnsucht, also: der sog, der wahn, die manie, das sich-ausliefern (nicht: das ausgeliefertsein!).

das sind dann jene momente, in denen auf perfide weise das gefühl der progressivität auftritt. die ahnung des späteren zustands, die einen zieht: immer schön mittelbar bleiben, klar. sonst wären wir ja nicht hier. und dann spürt man diese eigenartige verbundenheit mit denen, die das verstehen – weil man sich selten vorkommt. und wahrscheinlich ist genau das, /nur/ das, der grund für chemistry, für wellenlängen und kompatibilität: eine ahnung eines vergleichbaren fühlens. bei aller tragik.

all diese menschen formen einen geheimbund, von dem sie selbst nur teile kennen. aber sie wissen um ihre seltenheit, um ihre erlesenheit, die sie sich zwar nicht ausgesucht haben und die sie letzten endes nicht glücklich macht, wie bei zellengenossen vielleicht oder soldaten oder krankenhausinsassen mit einer neuen, seltenen, aber tödlichen krankheit, die ihnen kurz vor schluß letzte berühmtheit bringt, – aber die sie verbindet. und diese verbindung, die pure existenz dieser verbundenheit mit einigen anderen, bringt sie jeden tag auf's neue zum aufstehen. das ist der einzige anlaß.

("der glaube an die sehnsucht" nämlich, sagt das abenteuerliche herz.)

(tbc)

 

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