taiwan (3) – die sache mit dem klang

und wenn man dann so durch die stadt läuft, egal zu welcher uhrzeit, und aber mal die ohren aufsperrt, muß man zugeben, daß taipeh für eine stadt dieses images eigentlich eher ruhig und gelassen klingt (und daß ich zu viele kommaschachtelsätze baue, auch klar). die piepmätze unterhalten sich in einem eigenen dialekt, tagsüber in kleinen sträßchen in einem außenbezirk, auf jeden fall weniger zwitschernd-keifend als ihre europäischen kollegen, sondern ein bißchen breitbeiniger und feststellender im ton. die nudelsuppenküche in taipeh-city verwundert auch nicht unbedingt durch klirrendes geschirr und lautes wok-geprügle, sondern durch kommunikation (fast möchte man es "gespräch" nennen) zwischen den zwei oder drei angestellten. der verkehr in der rush-hour hupt stetig routiniert regelmäßig so vor sich hin, ungefähr wie es deutsche autofahrer kurz vor dem hinausfahren bei einer parkgarage machen ("aus dem weg, jetzt komme ich"), nur viel lässiger und abgeklärter (eher "huhu, ich fahr' auch hier rum"), und natürlich ist der verkehr wahnsinnig und die vespa-roller-quote unfaßbar hoch, aber überall kann man sich in normaler lautstärke unterhalten ohne auf die dicken luftverschmutzer rücksicht nehmen zu müssen. und dann nachts, beim rausstolpern aus dem restaurant im zehnten stock vom zehngängigen menü, wenn die luft zwar immer noch schwül aber nicht mehr drückend ist, und man immer noch keine sterne sieht aber so eine ahnung vom himmel hat, wenn man die stadt immer noch nicht als ruhig bezeichnen kann aber wenigstens als ruhiger: dann ahnt man, daß es in den anderen städten vielleicht nur so akustisch unangenehm zugeht wegen der verkrampfteren lebenseinstellung. daß der ungestaltete sound vielleicht gar nicht einer konkreten gestaltung bedarf, sondern die klangerzeuger nur ein bißchen lockerer werden müßten im umgang miteinander und den dingen, auch wenn das vielleicht ein bißchen hippie klingt. (und mir meine eigene positivität derzeit wirklich bald unheimlich wird.)

 

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