poesiealben

gibt es heutzutage eigentlich noch poesiealben?

bei uns früher in der (grund-)schule gab es zwei arten dieser dinger. einmal die gästebuch-mäßigen, mehr oder weniger stylishen, mit weißen seiten. man hatte vollkommene freiheit, ein kleines kunstwerk hineinzumalen, ein zitat abzukritzeln, ein foto einzukleben, 2 oder 5 seiten zu verbraten, sich hilfslinien mit bleistift einzuzeichen und danach wieder rauszuradieren (aber man hat's natürlich trotzdem gesehen), damit die brav gelernte schreibschrift nicht "kippt" ... ich wollte immer als einer der letzten, wenn überhaupt, in solche bücher hineinschreiben. am interessantesten war doch zu lesen, womit sich all die anderen verewigt hatten.

die andere variante war die vorgedruckte. für jeden war platz für ein kleines foto, ein paar äußerliche steckbriefdaten (und ich hab' schon damals nicht verstanden, was ich mir von der information, daß birgit blaue augen hat und florian 134 cm groß ist, kaufen kann), und dann die obligatorischen fragen nach der lieblingsfarbe, dem lieblingsessen, dem lieblingspopstar, dem lieblingsliebling und weiß der geier was noch alles, plus drei bis fünf zeilen "letzte worte". ja, so fördert man kreativität, liebe poesiealbenhersteller.

diese dinger gingen dann mehr oder weniger einmal pro schuljahr in der klasse rum. ich glaube, ich hatte sowas nie – also, von mir ausgehend. weder hab' ich verstanden, wieso man die lieblingsfarbe des banknachbarn interessant finden muß, noch war ich spezialist in "schlaue sprüche aus der poesie-albums-spruchsammlung abschreiben". eine gewisse komik entbehrte der sache sowieso nicht, manche fragen ("was ist deine liebste jahreszeit?") forderten blöde antworten ("kommt drauf an!!") ja geradezu heraus.

die coolsten der klasse ließen natürlich nicht nur mitschüler, sondern auch lehrer (naja), referendare (schon besser), schüler aus der parallelklasse (oho!) oder sogar schüler aus höheren klassen (der gipfel der coolness!) in ihre poesiealbum hineinschreiben. ziemlich am anfang, versteht sich, damit alle nachfolgenden uncoolen mitschüler sehen konnten, wie cool sie doch waren. war das vielleicht eine frühe form des markenfetischismus? hmm.

einerseits bin ich froh, daß ich nie sowas rumgehen ließ, man hatte ja schon damals irgendwie seinen stolz. aber ich find's schade, daß ich sowas jetzt nicht mehr auf dem speicher meiner eltern finde. wie die abizeitung, neulich, oder einfach nur schulhefte der unteren klassenstufen.

scheiße, ich werde nostalgisch.

 

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