the xx, lido, 20091013

kommt man sich ja auch blöd vor, heutzutage noch über musik oder konzerte überhaupt zu schreiben, dieses ganze sogenannt basisdemokratische ding mit jedem, der sich informieren kann soviel und wo er will, in ordnung, aber dann braucht's eben einen anderen ansatz, der – in diesem fall – nicht mehr absatzlang erklärt, daß the xx vier kids irgendwo aus england sind und daß ihr album kürzlich inbegriff für einen "über-nacht-hit" wurde, einerseits nämlich wegen dieser ganzen plötzlichkeit und dem überrumpelnden ding über band und publikum, andererseits auch – hoho, da war'n sie wieder, die bemühten gags – weil ihre musik nunmal am besten nachts funktioniert. gut, also doch zurück zur wahrnehmungsaufzählung, zur empfindungsliste, zum reindruck:

the xx da stehen also vier kids auf der bühne, und "kid" wird man gegenüber jemandem bekanntlich dadurch, daß dieser jemand anfangs kurz im kopf mal grob überschlägt, ob er der vater eines dieser kids sein könnte, rechnerisch, in diesem fall und bei mir wird's zwar knapp, aber aus dramaturgischen gründen sind es dann eben doch kids: – da stehen also diese vier kids auf der bühne, zwei präsent mittig und zwei eher als unbeleuchteter subtext außen, und machen so simpel aufgebaute musik, daß man sich permanent fragt, wieso sie einen so sehr am herz packt. wäre ich musikjournalist, würde ich namen verwenden, statt dessen: die kleine wirkt, als würde sie mal alison moyet werden, das bübchen rechts neben ihr wie der kleine bruder von nick kamen. und dann singen sie auch noch ganz genau so. als würde chris isaak italopop machen, als wäre elvis in seiner depressiven phase (hatte er die? keine ahnung. ich erfinde. weil ich es darf.) der gitarren überdrüssig geworden. ich stehe im publikum und denke "fuck, wie geht man mit sowas um, wenn man 19, 20 ist?" daß konzerte irgendwo in europa ausverkauft sind, daß die menschen am ende minutenlang applaudieren, aber man eben keine songs mehr hat, daß schon zusatztermine gebucht werden und daß einzelne songs zu szenenapplaus führen. der band ist anzusehen, daß sie aus ihrer kindheit gerissen wurde, die sind noch am anfang und werden vermutlich groß, die britishness (aber eher so ein working-class-british-ding natürlich, ungefähr wie glasvegas als schottland-version, nur eben viel jünger) brüllt aus jedem augenblick. sie wirken irritiert und echt, und das täuscht wahrscheinlich darüber hinweg, daß die songs so lakonisch und basic aufgebaut sind, aber das ist kein vorwurf, das beeindruckt einen dann noch viel mehr. daß es sowas noch gibt, daß es sowas jetzt wieder gibt, daß man endlich mal wieder sowas entdeckt hat.

die musik läßt genug raum für beobachtungen nebenbei (vermutlich ist das sogar irgendeine akademische formulierung für minimalismus) – daß der soundmensch im lido den raum nicht im griff hat, und daß der lichtmensch im lido ein randomizer-plugin zu sein scheint. man muß sich zwingen, das auszublenden. aber, fuck, who cares, ich nicht, ich notiere nur, im kopp.

nach dem konzert steht die band am merchandising-stand und signiert platten und bedankt sich artig für komplimente. sie sind verzückt, alle vier, alison moyet und nick kamen ein bißchen weniger als die anderen beiden, dafür weniger schüchtern, irgendwer hat das schon richtig gemacht mit dem casting also, das muß so sein, das ist gut, das wird gut, das spielt sich gerade erst ein, alles. sehr sonderbar ist dieser abend, man versteht nicht alles, nicht mal sich selbst, man weiß nicht so recht warum einem diese musik so nahe geht, aber es tut so verdammt gut, daß man es endlich mal wieder nicht erklären kann. auf dem heimweg friere und lächle ich, während ich noch ein paar mal "infinity" höre.

 

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