stufengrau

hier, dings:

das überzeugenste (sic!) bild das er zeichnet, ist dass ingenieure nicht erzählen, obwohl sie (derzeit) "den roman des lebens schreiben". er fordert, dass wir die werke der ingenieure und programmierer, die algorithmen die die zunehmend digital geprägte welt steuern, in narration übersetzen oder in bilder fassen müssen.

(– ix)

und:

im zweifel ist ihm da ein simplifiziertes netz lieber, nicht weil es weniger wahlmöglichkeiten lässt, sondern im gegenteil mehr möglichkeiten eröffnet, weil sie den zugang zu informationen erleichtern. statt sich mit algorithmen wie "http://" auseinandersetzen zu müssen, ist eine vorsortierte welt besser, auch wenn er gleichzeitig weiß, dass die algorithmen wichtig sind. er will sie nur in einen anderen, leichter zu verstehenden zustand bringen.

(– don)

aber auch:

simplifizierung muss aber nicht unbedingt die einschränkung des gesamten angebots bedeuten. simplifizierung ist für mich in erster linie das interface, also die art und weise, die mechanik, die oberfläche, wie ich am besten und schnellsten an meine informationen komme. rss-technologie ist dafür ein wundervolles beispiel. ich muss mich als nutzer nicht mehr durch zig verschiedene designs quälen, sondern bekomme die informationen auf einen blick. auf de anderen seite würde visuelle menschen aufstöhnen, dafür gibt es aber etliche websites, die mir schöne webdesigns präsentieren – wenn ich darauf lust habe.

(– patrick)

heidewitzka, liebe leute.

ich versuche mal in eine halbwegs nachvollziehbare artikulation zu bringen, was mir dazu im kopf herumschwirrt, und was ich vor gut fünf jahren schonmal einigermaßen uneloquent hier auszudrücken versucht hatte: unmittelbarkeit (also nah dran, aber kompliziert) als option ist ja nun kein teufelswerkzeug. besser gesagt: mittelbarkeit (also weiter weg, aber einfacher) bzw simplifizierung ist kein heilsbringer, jedenfalls nie pauschal. irgendwie muß doch ein weg gefunden werden, der zwischen den beiden extremen der kryptischen kommandozeile (einerseits) und dem interface mit nur noch zwei buttons (andererseits) liegt. das interface soll ja, um den bogen zurückzuspannen, ver-mittler sein, also nicht on/off zwischen nerdzielgruppe und großelternkompatibel umschalten, sondern im weitesten sinne das oben vorgeschlagene – technik erzählen, auf einer analog gemeinten skala zwischen diesen beiden polen.

es geht ja nicht darum, jedes einzelne bit im rechner und im netz persönlich zu kennen. es geht aber auch nicht darum, nur noch eine black box vor sich zu sehen, die mit strom betrieben wird und irgendwie magische dinge erledigt. beides halte ich für falsch aus einem eher schwammigen grund heraus: weil ich es ganz prinzipiell für ungesund halte, immer bzw. überall im leben und in jedem kontext, nicht neugierig zu sein, sich dinge vorenthalten zu lassen ohne sich wenigstens dafür zu interessieren, also – sich mit etwas zu begnügen.

den bogen zurück: das interface soll doch, finde ich, ein vermittlungsangebot darstellen, kein exklusives gateway. die möglichkeit zur (also die chance auf) vereinfachung, für all jene, die sich – bewußt – dazu entschieden haben, nicht bis zur letzten detailstufe ein problem selbst lösen zu wollen. think kognitiv-makro, think helping hand, sozusagen.

scheiße ist und scheiße bleibt: wenn ein gerät per interface funktionen versteckt/vorenthält, vereinfachung als tarnung benutzt um den benutzer unmündig zu machen. noch scheißer ist, wenn der benutzer das nicht merkt: klingeltöne für viel geld per premium-sms kaufen anstatt sie als mp3 und kabel auf's mobiltelefon zu packen; dergleichen. nichts gegen benutzer, die sich dazu entschieden haben, lieber 2 euro für einen klingelton zu zahlen als sich mit verkabelung und dateiformaten auseinanderzusetzen, das ist dann eine legitime und sehr individuelle aufwand/nutzen-frage. im zweifel ist /mir/ das "nackte netz", die "nackte technik" lieber, aber im zweifel bin ich natürlich immer auch der libertärste von allen.

was ich also gern hätte, an viel mehr stellen im leben: das nachdenken darüber, ob man sich hier mit einem interface auseinandersetzt, auf welcher ebene man das ggf macht, wie abläufe in einer "black box" funktionieren (und das bei ampelsteuerungen, auf facebook, bei küchengeräten, in soziologie, in der werbung bzw kommunikation, ..), wie mittelbar oder unmittelbar man gerade zu seiner umwelt, zu seinem kontext in bezug steht. es geht gar nicht darum, immer alles wissen zu müssen, aber doch bitte, alles wissen zu dürfen und zu können. und vermutlich ist das dann eben der "roman des lebens" oder zumindest ein aktuell ziemlich hipper teil davon, den wir mal zu schreiben in angriff nehmen sollten. für zum lesen auf den ipads dieser welt.

(und mir ist bewußt, daß ich nur so halb-stringent klinge und vor allem auch nicht irgendeinem der drei o.g. zitate voll widerspreche oder voll zustimme. hinausrülpsen wollte ich's dann aber eben doch mal dringend.)

(dis-claimer, -closure & -functional: ich bin sowohl ingenieur als auch geistwissenschaftler, behaupten gewisse diplom- bzw. abschlußpapiere, außerdem sternzeichen waage und nachtmensch und habe "payback" nicht gelesen. das erklärt hier zwar nicht alles, aber doch einiges.)

 

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