lächerlich deplazierte intertextualität, teil 27a

herr l kam sich fehl am platz vor. nun war das zwar nicht das erste mal, daß herr l sich fehl am platz vorkam, wohl aber, daß er sich an einem öffentlichen ort – nämlich dem café, in dem er gerade saß – fehl am platz vorkam. herr l hatte hier früher viel zeit verbracht. zu viel zeit, dachte er manchmal, zu wenig zeit, dachte er jetzt gerade. "ordner löschen?", sprach sein telefon zu ihm. er hatte seit mehreren minuten den finger auf der entsprechenden taste liegen und starrte dabei nach draußen. beobachtete menschen, die er sich nicht merkte, weil seine gedanken woanders waren. er dachte an die abstrusesten dinge – wie man das leider oft tut, in extremen situationen. wie immer kam er vom hundertsten ins tausendste. hin und wieder erinnerte er sich daran, daß er nachdenken wollte, kam aber immer wieder vom thema ab und ließ seine gedanken schweifen. "noch einen?" – und bei diesen worten erschrak er so sehr, daß er seinem mobiltelefon die bestätigung gab, einen teil der erinnerungen auszulöschen. wahrscheinlich hielt ihn der kellner nur für einen ganz normalen spinner, als herr l anfing zu lächeln, "vielen dank!" murmelte, und mit einem sichtlich erleichterten gesichtsausdruck das café verließ.

 

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