abt. schwank aus meinem leben

der eintrag im klassenbuch der 7b, damals im jahr 1989 ungefähr – der einzige klassenbucheintrag jemals, der meinen namen in anderem zusammenhang als entschuldigtem fehlen oder vergleichbar harmlosen situationen erwähnte … braver musterschüler, der ich meistens war, ließ ich mir natürlich nie etwas zuschulden kommen (im nachhinein weigere ich mich natürlich nur zuzugeben, daß ich eine feige sau mit leichten streber-zügen war, die nie mal "irgendwelchen scheiß" mitgemacht hat, aus angst vor konsequenzen – aber darum geht es jetzt nicht). nein, von vorn:

jede woche hatten je zwei schüler einer klasse den sog. "klassendienst". das bedeutete: tafel putzen, für frische kreide sorgen, in der großen pause im zimmer bleiben und all die bösen leute verjagen, die unsere schulsachen klauen wollten. was wiederum das einzig positive an der ganzen sache war – alle anderen wurden, fast egal bei welchem wetter, nach draußen gejagt, sobald der pausengong ertönte, nur die zwei auserwählten konnten gemütlich im zimmer bleiben, hatten endlich mal 20 minuten lang ihre ruhe, konnten etwas lesen, kaffee trinken, oder was auch immer.

natürlich mußte auch auf die aufpasser aufgepaßt werden, und so zogen auf jedem gang ebenfalls wöchentlich wechselnde lehrer ihre runden. die patrouille schaute meist einmal pro pause kurz in jedes zimmer hinein, sagte "hallo" und ging dann wieder. bei dieser gelegenheit wurde auch kontrolliert, ob sich die schüler nicht evtl bei der anzahl der diensthabenden klassendienstler verzählt hatten – sprich, ob da doch mehr als zwei personen im raum waren.

was macht man also, wenn man an einem langweiligen januartag aufgrund eines solchen klassendienstes im zimmer rumhängt, während die klassenkameraden draußen ihren spaß bei schneeballschlachten (einem vorwand für "jungs und mädels tun so, als könnten sie sich nicht ausstehen, kommen aber irgendwie vielleicht doch miteinander ins gespräch"), am hausmeister-verkaufs-stand (einem vorwand für "jungs und mädels tun so, als könnten sie sich nicht ausstehen, reden aber miteinander, weil sie nunmal zusammen in der schlange stehen"), auf dem fußballplatz (einem vorwand für "jungs spielen die großen macker und hoffen, daß die mädels dabei zusehen") oder beim illegalen verlassen des schulgeländes (vorwandserklärung siehe fußballplatz) hatten? genau. man testet die feuerwerkskörper, die man noch von silvester übrig und auch zufällig in die schule mitgebracht hat.

dabei hatten wir uns ja gar nicht mal sonderlich doof angestellt. also keine kanonenschläge oder raketen im klassenzimmer, das war uns schon klar, eher die "kleinen, aber feinen" – äh – ladycracker ist wohl der politisch korrekte ausdruck dafür, mittlerweile. umfangreiche testreihen mit harmlosen schulbänken und den darin befindlichen löchern (entstanden in extremalst langweiligen geschichtsstunden) boten sich an, die "durchschlagskraft" dieser kleinen grünen oder roten dinger zu testen. alternativ machten sich die kleinen racker auch gut als experimentelle antriebe für plastik-bleistiftspitzer, fitty-strohhalme oder füllerdeckel.

in einem anfall geistiger umnachtung (nun ja, "blödheit" klingt einfach zu profan) dachten wir aber nicht daran, das fenster bei unserer versuchsreihe zu öffnen. das nächste, an das ich mich erinnern kann, war die stimme des aufsichthabenden lehrbeamten, der uns ungefähr mit dem wortlaut "habt ihr hier etwa kracher losgelassen?" begrüßte, nachdem er kurz ins zimmer geschnüffelt hatte. der eintrag war dann nur noch formsache, und mein leben war ruiniert. ich war mir sicher, daß ich von der schule fliegen würde, daß ich das gespött der gesamten familie werden würde, daß mir meine schulische und berufliche karriere nun versaut war, daß dieser vorfall einer vorstrafe gleichkäme und daß sich jeden moment der himmel – oder besser noch, der boden – auftun mußte, um mich zu verschlingen. den nachmittag verbrachte ich mit heulkrämpfen, den sportunterricht schwänzte ich (ein vergehen, das ich damals wie heute für weit weniger dramatisch hielt, schließlich war's nur der sportunterricht, da hatte ich eh meine traditionelle 5er-zensur und somit lohnte sich der streß eh nicht – aber das ist eine andere geschichte).

im gegensatz zu meinem partner in crime, der solcherlei einträge anscheinend gewöhnt war, wußte ich jedenfalls nicht, wie ich mit dieser peinlichen angelegenheit umgehen sollte. genaugenommen weiß ich bis heute nicht, wie ich schlußendlich damit umgegangen bin, diese geschichte hat nämlich keine richtige pointe. sorry. irgendwann war wahrscheinlich gras über die sache gewachsen, aber doch immerhin nur so viel, daß ich jetzt noch 14 jahre danach genauestens den wortlaut des eintrags, das aussehen des klassenzimmers, alle kleinfurzigen details irgendwo abrufen kann. und manchmal, wenn ich z.b. wieder eine episode von frasier sehe, fällt mir schlagartig alles wieder ein.

"lachmann und davies wegen pyrotechnischer aktivitäten."

… stand da, in der spalte "besondere vorkommnisse" (o.s.ä.), wo die einträge immer nach dem muster "[name] wegen [hat scheiße gebaut]" formuliert wurden, ungeachtet jeglicher grammatikalischer hindernisse.

doch, spaß gemacht hat's wirklich – und wenigstens das ist mir irgendwann dann doch noch bewußt geworden.

blah.

 

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