"c-a-f-f-e-e, trink' nicht so vi-hiel ka-ha-fee!"

ja, zu meiner zeit mußte man diesen dreck noch im schulchor singen, und ich hab' schon damals die innere logik dieser lyrics nicht so ganz verstanden. mal abgesehen von der sache mit dem muselmann – was soll so schlimm daran sein, wenn einem kaffee nunmal gut schmeckt? anyway. mein erstes mal. kaffee, meine ich. solchen dingen geht ja bekanntlich oft eine phase der total-ablehnung voraus ("iiich? niieemals!"), so auch in meinem fall. diese ekelhafte brühe fand ich im zarten alter von acht oder neun jahren (?) schon vom geruch her fast so abstoßend wie rosenkohl, so daß ich beschloß, für den rest meines lebens doch lieber beim kakao zu bleiben. aber das war, wie gesagt, zu einer zeit bzw in einem alter, in dem man sich auch nicht vorstellen konnte, daß so etwas wie "sex" wirklich spaß machen sollte (okay, daran zweifle ich heute auch manchmal noch), daß man zum geldverdienen "arbeiten" muß (ja, gut, auch ein blödes beispiel – bitte ruhe auf den hinteren plätzen), oder daß es leute geben sollte, die rosenkohl ohne brechreiz runterbekämen (na also, geht doch).

anlaß zur überwindung des ekels gegenüber diesem dunklen gesöff bot sich in form einer aktiven coolness-demonstration im freundeskreis. schwimm-unterricht, mittwochs, in der innenstadt – danach gemeinsames rituelles nach-hause-fahren mit der s-bahn, quer durch die fußgängerzone. irgendwann schlug einer vor, doch noch "einen kaffee trinken" zu gehen. gut, das waren nun mehrere tabubrüche auf einmal – ich überlegte krampfhaft, ob man unseren haufen ca. 11jähriger chaoten mit karierten holzfällerhemden und meist noch nassen haaren überhaupt in einen dieser exklusiven "café-clubs" hineinlassen würde oder ob ich (natürlich nur ich) vom türsteher ausgefiltert werden würde, ob ich mein taschengeld überhaupt für so etwas ausgeben dürfte, was meine eltern zu dieser angelegenheit meinten und vor allem "wieso das denn?". letzteres sagte ich aus versehen laut und erntete mitleidiges grinsen. die negativen punkte bei den klassenkameraden mußten ausgeglichen werden, und so verschlug es uns ins "gizeh" – tagsüber café im erdgeschoß, nachts disco im keller, mit einer großen glaspyramide dazwischen.

beim eintreten fiel mir nicht sofort das riesige bhagwan-plakat an der hinteren wand auf, nein, es dauerte fast drei sekunden. ich sah mich in den klauen einer sekte und schrieb den rest meines lebens in freiheit schonmal ab, während sich die anderen einfach an einen tisch setzten. ich überlegte mir noch, wie ich unsere unschuldigen seelen aus den klauen dieser unmenschen retten konnte (ja, damals war ich noch im religionsunterricht!), als auch schon ein mädel unsere bestellung aufnehmen wollte. "einen cappuccino, bitte." – "für mich auch." – "ebenfalls." – "ääähhh .." – der mit dem "äääähh" war natürlich ich, also stammelte ich im affekt auch was von "kaffeeccino" und ließ mich auf das abenteuer ein.

to make a long story short – der cappuccino schmeckt klasse, ohne kaffee könnte ich heute nicht mehr leben, mcdonald's verdient grob überschlagen rund 80 euro monatlich am latte-macchiato-verkauf nur durch mich alleine, und daß ich das alles den oshos von damals zu verdanken habe, ist wahrscheinlich eher weit hergeholt, aber durchaus nicht negativ gemeint. das gizeh wurde zu unserem "stammcafé" immer nach dem schwimmunterricht (wenn ich schon im sport versagte, wollte ich wenigstens danach cool sein), und das einzige sektenmäßige in dem laden dürften über all die jahre hinweg die spielautomaten an der wand gewesen sein.

[die sachen mit dem rosenkohl und dem sex haben sich bis heute übrigens so gut wie erledigt, und das mit dem arbeiten werd' ich auch noch irgendwann kapieren.]

 

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