schade.

auf welcher rhetorik-schule lernt man eigentlich, daß man, wenn der potentielle kunde nicht auf die werbung anspringt, als letzten kniff nochmal ganz banal in die tiefe kiste mit den floskeln greift und den gesamten text der vorherigen minuten als eine auf bildzeitungsniveau persönlich formulierte frage durchdrückt? nachdem mich die arcor-rothaut ja kürzlich schon bei meinem mittagsschläfchen mit dem unglaublich originellen "oh, sie möchten also kein geld sparen?" störte, hatte ich vor ein paar tagen das vergnügen, mit einem mitarbeiter von jaxx.de zu telefonieren, bei denen ich mich vor jahren wohl mal aus mittlerweile nicht mehr rekonstruierbaren gründen angemeldet hatte. als ich nach mehreren minuten seiner werbung für eine lotto-spielgemeinschaft endlich mal zu wort kam und ihm freundlich, aber bestimmt, sagte, daß ich kein interesse hätte, sprang sein verbalmodul schlagartig auf die gleiche masche um: "schade, sie möchten also kein geld gewinnen?".

innerhalb weniger millisekunden stellte ich mir den durchschnittlichen von der sozialhilfe lebenden aol-user im takko-trainingsanzug vor, dem in genau solch einem moment dinge durch den kopf gehen wie "oh mein gott – ja wenn das so ist?", "huch – geld gewinnen, wieso hat er das nicht gleich gesagt?" oder "halt, stop, legen sie nicht auf, ich hab's doch nicht so gemeint, natürlich will ich geld gewinnen!!" (wobei ich mir noch nicht sicher bin, wie man die mehrfachen ausrufezeichen am telefon rüberbringt, aber sie stehen definitiv am betreffenden satzende, da bin ich mir sicher) – brach in schallendes gelächter aus und mußte leider auflegen, weil antworten wie "für wie blöd halten sie mich eigentlich?" einfach nicht ganz meinem stil entsprechen. [und letzteres finde ich ja schon seit längerem außerordentlich schade.]

 

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