wir wären helden

"manchmal kam ich mir wahnsinnig begabt vor, und einen augenblick später fand ich mich völlig unbegabt; ich glaubte, alles zu verstehen, was es zu verstehen gab, sogar das unbegreifliche, und überhaupt nichts zu verstehen; ich glaubte glänzende aussichten vor mir zu haben und zugleich in tiefster vergeblichkeit zu versinken. manchmal stieg in mir das unbestimmte, aber sehr starke gefühl auf, dass ich irgendeine mission in der welt zu erfüllen hätte; dann wieder fühlte ich mich von meinen eigenen grenzen und mängeln am erdboden festgenagelt. ich hielt mich für einen heiligen; ich hielt mich für einen schweinehund. ich hielt mich für einen trottel; ich hielt mich für ein genie.
[...]
statt dessen gehe ich mit weitausholenden schritten darüber und frage mich, wer ich bin und wo meine natürlichen grenzen liegen und wie ich sie erweitern kann. ich frage mich auch, wozu ich eigentlich hier bin, ob es eine unvermeidliche übergangsphase in meinem leben ist oder eine sackgasse, in der ich aus trägheit gelandet bin. ich schwanke zwischen selbstbewunderung und abscheu vor mir, ich schaffe es nicht, mehr als fünf schritte lang bei derselben meinung zu bleiben, aber es sind weitausholende schritte, und ich brauche für jeden zwei sekunden."

[ andrea decarlo, "uto" ]

 

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