last night i dreamt that somebody loved me

der neue morrissey, das ist vielleicht die beste nachricht, hat sich weder verraten noch neu erfunden - aber er hat sich ein paar anzüge gekauft und eine maschinenpistole, und er trägt beides, als wären es schon immer die respektfordernden insignien der mißverstandenen gewesen, die symbole seines familienwappens. morrisseys posen, die schon immer der stilsichere ausdruck einer haltung waren, sie haben sich kaum verändert; aber heute stehen sie ihm besser als je zuvor.
(…)
das ende dieser jugend aber - es mündete weder in den selbstmord noch in die lächerlichkeit, und man weiß gar nicht genau, wofür man dankbarer sein muß. es ist ein segen, daß morrissey sein selbstmitleid mittlerweile ein wenig sparsamer dosiert; daß sich aber seine verzweiflung in einen gesunden zynismus verwandelt hat und seine unsicherheit in souveränität: das bedeutet viel, viel mehr. es beinhaltet ein versprechen, das in der geschichte des pop noch nie so deutlich formuliert worden ist: das leben wird besser, wenn man älter wird.
(…)
ja, es sind vor allem männer, die ihn lieben, die zu ihm auf die bühne steigen, die ihn anfassen wollen, als könnte seine berührung ihre einsamkeit heilen - aber es waren heterosexuelle männer. denn es war nie der haß auf die frauen, den morrissey vermittelte, sondern die enttäuschung über all die regeln und codes, die man beherrschen muß, um lieben zu dürfen, über die albernen rituale des kennenlernens, die spiele und die rollen und die masken.

der papst der einsamkeit. am 18.5. erscheint "you are the quarry" von morrissey.

[ach, und: da liest man einen artikel bei spiegel online, wundert sich über die qualität, denkt schon vorsichtig darüber nach, wie man es vor sich selbst rechtfertigen könnte, vielleicht doch mal wieder zu spiegel.de zu linken - und wird mit dem unteren absatz ".. mit freundlicher genehmigung der frankfurter allgemeinen sonntagszeitung" und "die von der 'fas' gepflegte alte rechtschreibung haben wir beibehalten" geradezu versöhnt mit der welt, und das schlechte gewissen legt sich grinsend schlafen.]

gestern im icq

"aber ich geh' dann mal schlafen .."
"wie, schon müde?"
"nein, aber ich träum' doch so gern."

und wie bekomm' ich jetzt das glücksselige lächeln wieder aus meinem gesicht?

g.p.e.

waren dann übrigens doch keine 40 stunden ohne schlaf. nette menschen, die man mehroderweniger zufällig in london trifft und die einem einen luftmatratzenplatz anbieten, haben der rechnung den plan durch den strich gemacht.

jedenfalls: london. neu diesmal der flug ab erfurt. sicherheitscheck wie bei einem usa-flug, inklusive gürtel- und stiefel-entledigung, das publikum dann erwartungsgemäß dämliche landeier, die "mal die engländer gucken gehen" wollen. in der wartehalle erste hans-werner-olm-déjà-vues bei der beobachteten landung des fliegers ("das isser! erna! das isser!! jaaa!"). understatement-lächeln der ryanair-dame zu mir rüber, gleich gefühlt wie ein business-vielflieger. wie man doch gleich anders wirkt, wenn der gesunde menschenverstand schnurrt.

in stansted erste abenteuer mit der britischen bahn. 19-uhr-zug cancelled, 1930-uhr-zug cancelled. 1950 uhr ersatzzug, alle menschenmassen rein, durchsage "bitte alle wieder raus, war'n fehler". so macht reisen spaß. 20 uhr dann erlösung in form einer bimmelbahn. während der fahrt nach central london auf einmal die erkenntnis, daß ich nach der wartezeit auch locker für den halben preis mit dem bus hätte fahren können. war bestimmt ein perfider plan von ryanair - stecken doch alle unter einer decke. nächstes abenteuer gleich nach dem konzert dann die londoner u-bahn zwischen mitternacht und 1 uhr. weltstadt, millionenstadt london. immerhin haben die langen nächtlichen spaziergänge bei nieselregen dann zur kommunikation beigetragen. kommt man ja sonst nicht dazu.

frühstück bei starbucks, dann -wie letztes jahr schon- der erfolglose versuch, eine angebrochene travel card zu verschenken ("just take it, i don't need it anymore." - "no, thanks." - als würde man den leuten drogen anbieten. wer erzieht die engländer denn so schräg? "nehmen sie keine tickets von fremden an!"? wirklich auffällig. hat noch nie geklappt. und wenn ich's noch offensiver versucht hätte, wäre ich wohl wirklich von der security abtransportiert worden.), zugfahrt nach stansted, rest harmlos.

gott, das verkommt hier wirklich noch zum tagebuch. grauenhaft.

abt. songtextzitate aus wie üblich fragwürdigem anlaß

"ich komme nur in der nacht, wenn mein mut mit zähnen knirscht / räche ich diesen tag, der das innere beherrscht / doch die blitze im kopf sind noch lange keine tat / und die kämpfe im traum, sind nur ausdruck und kein schlag."

[lyrics: goethe. glaub' ich.]
[klingt aber besser in der version von barbara morgenstern.]