ein kurzer absatz über vinyl, wortwahl, originalität und beethoven.

im rahmen eines meiner lieblingsformate vorhin auf arte seit langem mal wieder die formulierung "fünfundvierz(i)ger" gehört, als bezeichnung für eine single (oder, neudeutsch bzw. mittlerweile üblicher, "seven-inch").

[ in meinem alter meint man mit einer "singleseite" ja wirklich noch eher etwas schwarz-rund-flach-berilltes mit loch in der mitte, keine webseite für einsame herzen. "generation mediendivergenz", schreit der popliterat aus der küche. ]

sofort verzückt gewesen ob des offenbar angelernten schmäh' (oder zumindest dem, was ich für einen solchen halte), daraufhin die eigene schrulligkeit vermißt. plan für demnächst: originelleraler werden. (erste amtshandlung: beethovens "musik zu einem ritterballett" als klingelton auf's telefon schubsen. ohrwurm seit der günter-gaus-abschiedssendung bei news & stories am sonntag. auch so 'n original, der.)

[ frank l. | 2005-02-02 | 04:43 | # ]

gigposters

kaffee machen, kekse besorgen, gemütliche sitzposition einnehmen, portishead-artige hintergrundmusik dazu, – und dann auf zu gigposters.com – "dedicated to the artists, designers and musicians who create amazing gig posters to advertise shows and events" – sich danach vornehmen, gelegentlich mal eine kunstsammlung aufzubauen (abteilung "man sollte doch eigentlich").

(suchbegriffe für hinreichend beeindruckende startpunkte zum weitertreibenlassen: weezer, radiohead, interpol, the shins, misfits, print mafia, lucy and dave, todd slater. und millionen weitere.)

(via)

[ frank l. | 2005-02-01 | 17:29 | # ]

die innere stimme ist stille

kürzlich irgendwo aufgeschnappt, daß "person" angeblich von "per sonale" kommt – "durch den klang".
was man damit so alles herausinterpretieren, hineinlegen, bedeutungsinfizieren oder gedankenschweifen könnte – das exponiert in gegenden, von denen aus die initialthese überprüfen zu wollen ich mir regelrecht höhenangst einreden muß, wenn ich nicht innerhalb von sekunden zwischen debilität und wahn herumoszillieren will ("und zwar mit welcher frequenz?").

[ frank l. | 2005-02-01 | 05:55 | # ]

kultureller unschuldsverlust. teufelnochmal.

nach rund 20 jahren plötzlich erst auf die röckdöts als solche im motörhead-logo aufmerksam gemacht werden (überall anderswo das phänomen längst als solches zur kenntnis genommen, nur motörhead eben schon immer mit echtem "öh" ausgesprochen) fühlt sich ungefähr vergleichbar schräg an wie das lesen "richtiger" lyrics nach jahrelangem mitsingen der ursprünglich und ausschließlich als kind herausgehörten variante.

kommt "verklärung" etwa gar nicht von "klar"?

(via)

[ frank l. | 2005-02-01 | 04:14 | # ]

"username tab passwort tab tab space shift-tab sp ..

"username tab passwort tab tab space shift-tab space n"
"könntest du mir das bitte noch auf mauserisch übersetzen?"

[ frank l. | 2005-02-01 | 04:06 | # ]

der holzklotz und ich

ich muß so ungefähr vier jahre alt gewesen sein, als mich meine eltern eines abends mit der mir damals noch nicht als solche bekannten kulturtechnik des dramatisierens, in diesem fall mit der aussicht auf eine noch zu benennende "tolle überraschung", einige niedere arbeiten erledigen ließen (zimmer aufräumen, beim abendessen ausnahmsweise mal brav sein, dergleichen eben), bevor sie mich mit dem anblick eines ziemlich großen schwarzen holzklotzes im obergeschoß unseres damaligen häuschens enttäuschten. der schwarze holzklotz hatte monochromfarbene tasten und drei pedale (gas, kupplung, bremse?), und meine eltern entschärften meinen ratlosen blick mit der erklärung, daß dies ein sogenannter "flügel" sei (meine hoffnung auf gas, kupplung und bremse verflogen in diesem moment recht schnell), auf dem sie mich ab sofort die kunst des "musizierens" zu erlernen gedachten ließen, nachdem ihnen irgendjemand aus meinem damaligen näheren bekanntenkreis (der eher unidirektional orientiert war – ich weiß bis heute nicht, wer mich verpfiffen hat) glaubhaft versichert hatte, daß "das kind sehr musikalisch" sei.

im alter von vier jahren hat man noch kein so ausgeprägtes faible für rattenschwanzartige sätze mit albernen wortkonstruktionen und verschwurbelt mittelmäßig originellen formulierungen, also sagte ich "aha!" in einem ton, den loriot dabei ganz sicher für die verwendung in einem späteren sketch bei mir abgeschaut hatte – ich war jedenfalls nach der erwartung auf schokolade, ein ferngesteuertes auto oder einen fußball (gern auch einen ferngesteuerten fußball aus schokolade) doch einigermaßen enttäuscht. das ding konnte geräusche machen, wenn man auf die tasten drückte, gut. wenn ich mich so hinsetzte, daß ich auf gas, kupplung und bremse treten konnte, sah ich allerdings die tasten nicht mehr, und überhaupt schien dieses monstrum nicht annähernd so sexy auf mich zu wirken wie die aussicht meiner eltern auf einen weltbekannten pianisten als sohn. ich ging zu bett, nachdem ich mit belanglosen versprechen ("morgen kaufen wir dir das neue yps!") bestochen wurde und hielt das thema -mehroderweniger- für erledigt.

die folgenden jahre verbrachte ich mit dem verschleiß verschiedener klavierlehrerinnen und klavierlehrer. zu anfang die jugendliebe gute bekannte meines papis (kurzer sprachtheoretischer exkurs: dieser begriff steht hier aus dramaturgischen gründen – heute nenne ich ihn nicht mehr so), die mich für stillsitzen und manchmal auch geschichtenerzählen zwischen der klimperei belohnte, indem sie mir eine frühe form moderner rabattmarkensysteme beibrachte. für jede "tolle sache" bzw. erfüllte hausaufgabe bekam ich ein klebe-blümchen in mein notizheft, und nach fünf solcher punkte gab's zur belohnung ein silberfarbenes obendrauf. kaufen konnte ich mir davon nichts, auch die beabsichtigte motivationswirkung einer aufgeklebten papierblume entgeht mir bis heute. aber ich war ja nicht dort, um über bonussysteme zu diskutieren, sondern um klavier zu spielen.

offenbar tat ich das recht gut, wenn auch ungern. meine eltern machten mir meine pianistenkarriere mit für mein damaliges alter erstaunlichen argumenten schmackhaft ("weißt du eigentlich, was uns dein unterricht jeden monat kostet?", oder, für mich auch damals schon überzeugender, "mädels stehen auf jungs, die klavierspielen können, das wirst du schon noch merken!"), und als ich ungefähr viertel vor acht alt war, wechselte ich von der kreisklasse in die regionalliga – vorbei war die zeit der papierblümchen, ab sofort wurde ich von einem profi unterrichtet. was für meine eltern primär einen anderen tarif bedeutete, für mich eher eine art lästiger diziplinerwartung seitens meiner zielgruppe. ich wurde mit czerny, haydn und bach gequält, übte eigentlich nur, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden ließ, kostete meine eltern ein mittelkleines vermögen an geld und zeit, und trieb meinen klavierlehrer nicht selten zur verzweiflung. trotzdem machte ich angeblich weitere fortschritte. was auch die tatsache bestätigte, daß die mädchen in meinem (für einen ca. 10–11jährigen zwar noch recht kleinen, aber ausgewählten) bekanntenkreis durchaus zu beeindrucken waren, wenn man "für elise", ein schubert-impromptu oder eine chopin-etüde klimpern konnte. die pubertät sollte zwar noch eine weile auf sich warten lassen, aber ich mußte zugeben, daß mir das bei all dem streß doch gefiel.

daß ich – nach einem weiteren providerlehrerwechsel – mich mit ca. 15 dann doch dafür entschied, die sache sein zu lassen, lag weniger daran, daß ich ziemlich gut war. eigentlich auch nicht daran, daß ich nie den arsch hochbekam und nie üben wollte. auch an die gaspedale kam ich mittlerweile ja in ganz normaler sitzposition beim spielen ran. sogar die tatsache, daß ich bei konzerten öffentlichen vorspielereien manchmal regelrecht narrenfreiheit hatte und nicht, wie viele meiner mitgefangenen, in lackaffenklamotten auftreten mußte, hätte eher für ein weitermachen gesprochen. und die wirkung auf meine mitschülerinnen und andere mädels .. – ja, mit 15 war das in der tat eines der argumente, die mich doch etwas länger beschäftigten.

vor einigen monaten, zu besuch bei meinen eltern, am immer noch unverändert vorhandenen und regelmäßg gestimmten flügel klimpernd und mittlerweile auch zugebend, daß das aufhören damals ein fehler war, fiel es mir immerhin wie schuppen von den fingern, was mich vor 14 jahren so genervt hatte: kaum hatte ich ein paar melodien aus den längst vergessen geglaubten gegenden meiner hinteren hirnrinde abgerufen ("manche chopin-etüden sind wie fahrradfahren." – die motorik ist weg, die finger lahmen und man verspielt sich andauernd, aber man "kann" es eben noch), standen meine eltern mit leuchtenden augen vor mir und redeten wirre dinge, die begriffe wie "wieder anfangen", "supertoll" oder "hach" bzw. "seufz" beinhalteten. damals wie heute kam ich nicht mit komplimenten klar. immer wieder gesagt zu bekommen, wie toll ich das alles konnte, ließ den reiz für mich verlieren. kein druck, kein ansporn. dostojewski war mir damals noch kein begriff, aber "der held, der mit seiner persönlichkeit den schmutz verdeckte" – das traf es wohl ziemlich gut.

notenausschnitt

die letzten stücke, die ich damals noch gelernt hatte und so spielen konnte, daß ich sie zu meinem "repertoire" gezählt hätte, waren die chopin-etüden opus 25 nr. 1 und 2 – das stück, das ich in all den jahren am liebsten gespielt hatte, ist das oben in form seiner anfangstakte abgebildete (- wer weiß, was es ist, darf's für sich behalten). wenn ich das nächste mal wieder in meiner heimat bin, werde ich diese drei sicher üben – hinter akustisch dicht verschlossenen türen, und nur sofern ganz sicher kein publikum in hör-nähe ist, versteht sich. würde mir eben, fürchte ich, doch schnell wieder den spaß verderben, wenn's jemand toll fände.

[ frank l. | 2005-02-01 | 04:03 | # ]

 

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