und gegen halb drei dann fragt, nein, konfrontiert er mich damit, daß es in meinen texten doch sicher um ein mädchen ginge, in letzter zeit. „es geht /immer/ um ein mädchen“, antworte ich, komme mir dabei schrecklich altklug vor und als würde ich nur einen bestimmten stil kopieren, schiebe es aber im affekt auf die kombination aus schmerzmittel und gin tonic und die fürchterliche party, bei der wird gerade surviveln. und affekt ist immer gut, das hatte ich mir kürzlich zurechtgelegt. affekt trägt etwas schönes in sich, affekt ist eine übersprungshandlung mit vornamen, affekt ist die indie-variante von spontaneität. wo doch spontaneität selbst schon so ein grauenhafter und geradezu spießiger begriff geworden ist. affekt ist der charme des moments.
„it’s easier to see patterns if they’re not ours“, und mit den notwendigen anteilen selbstbetrug und schizophrenie, die man so braucht zum überleben in den nächten, versteht man dann plötzlich auch den grund für diese eleganz, die man im affekt sieht: man trifft ihn einfach viel zu selten an. nur noch bei sich selbst, und da langweilt er, weil er nur gedeutet, aber nicht interpretiert werden kann, denn /so/ schizophren ist man eben doch noch nicht. aber bei all den anderen menschen: der kalkulierte affekt, die selbstbeherrschung, der macht eine party zu einer schlechten. und nicht der dj.
(tbc)
[ frank l. | 2008-02-23 | 17:10 | # ]
vielleicht ja doch nicht die gleichzeitigkeit, sondern die unentschlossenheit. jedes „aber“ und jedes „obwohl“, die keine resultate von unzufriedenheit sondern höchstens symptome für überforderung auf einer ziemlich abgehobenen luxussorgen-ebene sind: klar, denn wir haben einfach zuviel zeit, um über uns nachzudenken. intra, nicht inter.
vagantin gegen den magen, also, nein, für den magen natürlich, aber das ist ja genauso wie mit aspirin für kopfschmerzen oder shampoo für schuppen, oder meinetwegen die sache mit dem umweltschutz vs lärmschutz, wer schützt hier wen und wieso läßt das sodbrennen eigentlich nicht mehr nach? und diese begriffsambivalenz finden wir dann in uns wieder. wenn wir die idiotie in einer sache erkennen, uns aber trotzdem idiotisch verhalten. mit dem kopf nochmal gegen die wand rennen, weil’s beim ersten mal noch nicht weh genug getan hat. und wenn wir auf dem heimweg, morgens beim sonnenaufgang, uns die träne wegdrücken, weil wir uns so fühlen als gehörten wir nicht „nach hause“, nie.
und währenddessen hören wir marlene dietrich und charles aznavour und kommen uns oberflächlich ironisch vor, denn wir schreiben texte im plural statt singular. und wir würden nie zugeben, wie sehr wir uns brauchen. inter, nicht intra.
[ frank l. | 2008-02-18 | 03:44 | # ]
(bin eigentlich ich das noch, der hier schreibt?)
[ frank l. | 2008-02-17 | 19:35 | # ]
was aber eben auch nie geht, denkt man, ist das mit der gleichzeitigkeit. man redet sich nur die höhere wechselfrequenz schön, macht aus digitaler hoher auflösung eine analog-emulation. aber im prinzip lüftet und heizt man nämlich nur abwechselnd, und daß man sauerstoff /und/ wärme am liebsten gleichzeitig möchte, ist nicht tragisch, aber doch wieder so bezeichnend, für alles. in einem winter wie diesem aber, und sei er auch noch so halb-herzig mit wunderkerzen ins dunkle gemalt, in so einem winter also, wo man das fenster zum balkon weit aufreißen und dabei gleichzeitig die heizung auf idiotischheiß stellen möchte, wird einem dann aber plötzlich bewußt, daß sie funktionieren könnte, die gleichzeitigkeit. es kostet ein halbes vermögen /und/ man kommt sich bekloppt dabei vor, im wohnzimmer mit kapuzenpulli und stoffhandschuhen zu sitzen, beim tippen. aber man hört ja schließlich auch diese musik, die nicht /mal/ traurig und /mal/ fröhlich ist, sondern eben /immer/ melancholisch, also beides gleichzeitig. lächeln und flennen.
vielleicht ja doch einfach mal mehr in stereo empfinden.
(immer, alles!)
[ frank l. | 2008-02-17 | 01:14 | # ]
alles funktioniert immer dann am besten, wenn es keine rolle spielt. ganz wichtig ist also, daß du dinge mit folgen so nebensächlich wie möglich abschließt. bei wichtigen mails der klick auf den „send“-knopf; bei wichtigen kurznachrichten (also: bei kurznachrichten an als wichtig definierte menschen) ebenso; bei mit bedeutung aufgeladen gewählten telefonnummern der druck auf die grüne-hörer-taste; aber auch — die abgabe einer abschlußarbeit, die formulierung eines blogtexts oder das abnehmen (die abnahme?) eines post-op-verbands: all das muß wie nebenbei geschehen, ohne fanfaren und ohne wahrnehmungssprung, sondern mehr wie ein hineingleiten und eine konsequente unabsichtlichkeit. wie etwas, von dem man notiz nimmt, ohne es zu beeinflussen.
denn sonst wirst du größen– oder wahnsinnig (je nachdem ob die folge positiv oder negativ ist) und bildest dir, zumindest in diesem jeweiligen detail, eine bedeutung ein, die du nicht hast, nicht haben kannst und schon gar nicht haben solltest. (das verschicken der akribisch getippten kurznachricht muß ohne hinzusehen in der manteltasche geschehen, im affekt, während des erlebens einer geeigneten situation. bewerbungen oder liebesbriefe (was ja fast das gleiche ist) müssen per normalbrief verschickt werden und nicht per einschreiben-rückschein. delikatessen müssen zufällig erworben werden, nicht nach mehrstündigem beratungsgespräch.) — und immer: dingen weniger bedeutung zumessen. mehr tanzen, weniger marschieren. the trick is to not realize when you’re dancing.
[ frank l. | 2008-02-16 | 05:51 | # ]
die differenz „zwischen erkenntnis des untergangs und dem untergang“ als solchen, also der raum, der da entsteht — meist zeitlich — und sich ungefähr so anfühlt wie genau dieses /ungefähr/ wirkt, nämlich schwammig und potentiell /verloren/, spätestens im rückblick, diese differenz also ist genau das, was verunsichert. nicht der untergang, nicht die kapitul– oder resign-ation, nicht die „katastrophe in permanenz“ und nicht der initiale sturz oder das stolpern. und schon gar nicht auch der untergang, der ist berechenbar. sondern die umgekehrte sehnsucht, also: der sog, der wahn, die manie, das sich-ausliefern (nicht: das ausgeliefertsein!).
das sind dann jene momente, in denen auf perfide weise das gefühl der progressivität auftritt. die ahnung des späteren zustands, die einen zieht: immer schön mittelbar bleiben, klar. sonst wären wir ja nicht hier. und dann spürt man diese eigenartige verbundenheit mit denen, die das verstehen — weil man sich selten vorkommt. und wahrscheinlich ist genau das, /nur/ das, der grund für chemistry, für wellenlängen und kompatibilität: eine ahnung eines vergleichbaren fühlens. bei aller tragik.
all diese menschen formen einen geheimbund, von dem sie selbst nur teile kennen. aber sie wissen um ihre seltenheit, um ihre erlesenheit, die sie sich zwar nicht ausgesucht haben und die sie letzten endes nicht glücklich macht, wie bei zellengenossen vielleicht oder soldaten oder krankenhausinsassen mit einer neuen, seltenen, aber tödlichen krankheit, die ihnen kurz vor schluß letzte berühmtheit bringt, — aber die sie verbindet. und diese verbindung, die pure existenz dieser verbundenheit mit einigen anderen, bringt sie jeden tag auf’s neue zum aufstehen. das ist der einzige anlaß.
(„der glaube an die sehnsucht“ nämlich, sagt das abenteuerliche herz.)
(tbc)
[ frank l. | 2008-02-13 | 03:33 | # ]
es gibt fast nichts schlimmeres als die berlinale-spacken, die derzeit an allen nebentischen der cafés dieser stadt rumhocken. und sich nicht etwa über filme oder kinos unterhalten, sondern über reiseziele und kontakte und airlines und anzugschneider, während ihr akkreditierungs-badge in die suppe baumelt und sie mit vollem mund b-promi-namen natürlich überdeutlich laut aussprechen, damit alle ahnen, daß sich deren prominenz auch auf jene spacken abfärbt, was sie natürlich nicht tut, denn dafür ist schon der café-auftritt viel zu unsubtil und man müßte noch ein paar buchstaben weitergehen in der alphabetischen prominenz, um gleichung zu erreichen. schlimmeres?
na gut, vielleicht noch werber. also zumindest die werber-subkultur, die genauso tickt wie die beschriebenen berlinale-spacken, aber dabei eben noch auf der eigenen schleimspur ausrutscht. wenn sie ihr rolex-imitat plakativ am handgelenk schütteln, beim stehpinkeln das sakko nicht aufknöpfen und nur zum zahlen kurz ins café gehen, weil sie die gesamte restliche zeit draußen auf dem bürgersteig rauchend und proletisierend verbringen, weil sie morgens vor dem spiegel stehend wirklich daran glauben, daß das was gutes wäre, was sie da tun. aber sonst, schlimmeres?
in ordnung, mütter mit kindern natürlich noch. also die sorte, jedenfalls, bei der man merkt, daß sie aus dem kind eine show macht, woraufhin jedem normaldenkendem menschen sofort das kind leid tut. die sorte mütter, die mit freundin (und kind und –erwagen) ins café kommt und sich als erstes beschwert, daß der durchgang zu den hinteren tischen nicht geeignet ist für’s tiefergelegte prenzlauer-berg-luxusmodell, und ob man denn bitte die musik mal ein bißchen leiser machen könne und ob die für den kakao verwendete milch denn bitte wenigstens auch von glücklichen bio-kühen käme. und man möchte fragen, wie sie sich denn eine nicht-bio-kuh vorstellen, verkneift es sich aber, weil man sich mit allen monstern und schrecken dieser welt anlegen möchte, aber nicht mit solchen müttern. gibt’s schlimmeres?
na gut, vielleicht noch blogger, die sich nicht zu schade sind, diesen stuß aufzuschreiben, und dabei so tun, als würden sie sich aus allem raushalten, dabei haben sie ihre misanthropie nur umbenannt und sich „lakonie (are we)“ auf’s shirt gestickt.
darauf eine portion bio-pancakes mit tee. frische minze. mir möge jemand eine gabel in die stirn rammen.
[ frank l. | 2008-02-12 | 14:29 | # ]