in deckung: reiseberichte voraus // we return to our regular programme of basically nothing much on may, 2nd

wenn die eigene hibbeligkeit stärker ist als das verschreibungspflichtige schlafmittel, mit dessen hilfe man mitten in der nacht eigentlich ausgeruht aufstehen wollte, bevor man den brutto-21-stunden-flug antritt: dann drückt das ungefähr aus, wie noch-nie ich bisher am anderen ende der welt unterwegs war, und wie tollnervös ich wegen des erwarteten bzw. erhofften dorfdepp-gefühls sein werde. aus der eigentlich immer als "große stadt" bezeichneten heimat bin ich in den kommenden 12 tagen nun also mal nicht nur raus, sondern auch noch rein in eine viel größere und mir bisher nullbekanntere metropole asiens. ich werde viel berichten, hier (und dort), glaube ich – oder vielleicht auch gar nicht, aber in beiden extremfällen und jeder denkbaren zwischenstufe gilt eigentlich: es geht mir gut. entweder in dem detail, das ich beschreibe, oder wegen der tatsache, daß ich gar nicht zum schreiben komme. wir werden sehen. zum staunen und wahrnehmen, zum spüren und tun, zum weltverbessern und blickerweitern bin ich jedenfalls dort, in taiwan.

[ frank l. | 2008-04-18 | 21:27 | # ]

i fuck as little as everyone else -- bronco

[ frank l. | 2008-04-11 | 11:22 | # ]

interdiscounterale beziehungen

schnaufend und mit zettelchen/stift-kombination in der hand wackelt sie auf die neben mir stehende und käseregal-einräumende rewe-mitarbeiterin zu. die frage "entschuldigung, arbeiten sie hier?" wird von jener zum glück nicht als vorwurf, sondern eher als naivität bewertet, sie bleibt also freundlich.

ob es hier freie ausbildungsplätze gäbe, fragt die ungefähr 16jährige mit dem hochroten gesicht und dem fragwürdigen haarschnitt (vorne lang, hinten schräg, mit pinken accessoires durchsetzt, deren motive sich als badges auf der jeansjacke teilweise wiederfinden). ihr rucksack hängt kurz vor den kniekehlen, ihr blick oszilliert zwischen den augen der gesprächspartnerin und dem gouda hinter jener. leider nein, keine ausbildungsplätze, und selbst wenn, liefe die vergabe über die rewe-zentrale, sie möge es doch bitte dort mal versuchen, aber (und dieses aber kommt unerwartet laut und mit unerwartet langgezogenem "a"): bei lidl nebenan könnte es klappen, die suchen immer leute und da schickt sie ganz oft welche hin, die dann dort später eine ausbildung machen. sagt sie.

ich bilde mir ein, ein süffisantes grinsen im gesicht der rewe-dame zu bemerken, nach übertriebener beidseitiger bedankung und floskelverabschiedung. so langsam wundert mich echt nichts mehr.

[ frank l. | 2008-04-08 | 19:02 | # ]

scooter, columbiahalle, 20080406, oder: ein versuch über wickedness

es ist ja leider einfach, dinge doof zu finden. verrisse schreiben sich meist wie von selbst, hat man so eine gewisse grundwut im bauch, immer schon im leben, eigentlich muß die dann nur noch hübsch verpackt werden und ein bißchen zynismus hier und ein bißchen distinktion dort drumrum verpackt, fertig ist der oftverlinkte text.

columbiahalle: scooter, tonight leider ist das bei scooter nicht ganz so einfach. /natürlich/ kommt man aus dem anfänglichen lästern über setting und kontext, über publikum und selbstdarstellung erstmal nicht hinaus. ungezählt die "hauptstadtrocker"-jacken; die latent übergewichtigen sekretärinnen mit freundinnen (und friseur-gruppentarif "vogelnest, blondiert"); die aufgeschlossenseinwollenden aber doch nur wegen und mit den kindern hier seienden eltern; die durchen typen und die sonnenbanktussis; und diejenigen, die t-shirts mit lustiggemeinten sprüchen tragen (allen voran "lass uns tanzen oder ficken oder beides", das auch direkt am merchandising-stand verkauft wurde und in beängstigender häufigkeit offenbar vollkommen ironiefrei getragen wurde, selbst von menschen, bei denen sich jegliche der beiden optionen vorzustellen schwierig gestaltet). und die leute, die man – obwohl man sich für konzert-affin hält – noch nie irgendwo gesehen hat, und bei denen man auch das gefühl nicht los wird, daß sie nie irgendwo /sind/.

sehr brandenburg also das gefühl, trotz der vereinzelten leute im publikum mit leichten echt-punk-esken andeutungen oder einfach nur angesichts der paar wenigen mit latenter skepsis im blick, auf die dann sofort wieder die eigene welthoffnung projiziert wird ("der ist bestimmt auch nur zufällig da, oder hat wenigstens auch eine gute ausrede!"). der typ mit der "social distortion"-jacke, das kleine mädchen aus dem magnet, der sänger dieser eher unbekannten aber doch eigentlich recht ernstnehmbaren band. mit denen man sich dann doch irgendwie verbunden fühlt, auf einer sehr abstrakten ebene. man kommt einfach nicht so leicht drüber weg, über die sache mit der distinktion, auch wenn man sich für offen und irgendwiedanndoch tolerant hält. und man jedem auch seine musik gönnt, seine szene, seine freizeitgestaltung, selbst den abgefahrensten und extremsten verrücktheiten. man sich nur wundert über die entfernung voneinander, über den kontrast, die differenz zwischen den (sub)kulturen. über die andersartigkeit dieser welt. ungefähr mit diesem blick, wie man immer früher die beim auto-scooter rumhängenden kids gesehen hat, die den ganzen tag nichts anderes machten als dort und cool zu sein: mit der überzeugung, daß die sicher alle auch eine ganz andere sprache sprechen und so völlig anders /funktionieren/ als man selbst.

aber ein konzert gab's dann ja auch noch. ich war ja noch nie live bei "the dome", stelle es mir aber ungefähr so ähnlich vor: viel pyro, viel laser, viel bombast. effekt und kulisse als dramaturgische hauptpfeiler, irgendwo dazwischen eine band als darsteller und mitwirkende. alles knallt und wackelt und ist zugegebenermaßen beeindruckend auf einer – für kaputtmusikalisierte menschen wie mich, die /so etwas/ nicht ohne verkopfung als konzert genießen können, sondern stetig analysieren und einordnen – eher abstrakten ebene. die oben erwähnten neunzig prozent des publikums denken, das wäre techno, was sie da hören, in wahrheit ist es der perfektionierte el-arenal-soundtrack. ein showcase, eine choreographie an stagedesign und prolltriggern, eine inszenierung für ein nach außen heterogen wirkendes aber in ihrem nicht-stil offenbar erstaunlich homogenes publikum. h.p. baxxter ruft "rock'n'roll", wenn zwei gitarren auf der bühne zu sehen sind, und das publikum hält sich für metaller; h.p. baxxter ruft "oggioggioggi" (oder so ähnlich) und das publikum brüllt wunschgemäß "oi oi oi!" zurück. man fragt sich, wer hier für wen da ist.

denn in all dem "dorfdepp reversed"-gefühl, das man so hat, wenn man sich nicht als teil der menge sieht sondern vielleicht eher als den einen geisterfahrer in der masse, wird man auch partout das gefühl nicht los, daß man hier zeuge von etwas ähnlichem wird, was bei einer religion bzw. sekte abläuft: womit wir wieder auch wieder begrifflich bei "the dome" wären. effekthascherei und nebel, fitneßstudiobunnies und dürre baggypants-spacken als bühnentänzer, quiekendes und nie so /richtig/ im takt klatschendes publikum, dazu gefühlte millionen von mobiltelefonkameras – nicht mal auf's bier-holen kann man sich da konzentrieren, und ausnahmsweise liegt das nicht am alter, sondern am durchkalkulierten overkill, der hier gefahren wird und dem man nicht entkommt. scooter covern "walking in memphis" und nur ganz wenige (erkennen es und) grinsen, scooter verwenden eine strophe aus lützenkirchens "drei tage wach" und fast keiner findet das ironisch, scooter covern "marian" von den sisters und das publikum fällt weisungsgemäß ("jetzt mal gothic!") in depri-starre. das irritierende an einem konzert von scooter ist, daß wirklich penibelst alles nichtmusikalische verstärkt wird – der abend besteht fast ausschließlich aus effekten und fassaden, und niemand scheint das zu bemerken, außer den jungs von der band selbstverständlich. denen man /dafür/ wirklich und ehrlich die hand schütteln müßte, auf ein ein paar biere einladen, oder einfach mal ohne mikrofon oder kamera reden nur um den verdacht bestätigt zu sehen: das ist ein job, was die jungs da machen, aber keine musik.

das schlimme ist aber, daß man's eigentlich gar nicht so doof fand. klar, ein "konzert" ist was anderes, laut der eigenen musikalischen sozialisation und erwartungshaltung müßte dazu doch wenigstens ein kleines bißchen kreativität bzw. idee versteckt sein, und die veranstaltung sollte vielleicht auch selbst den anspruch haben, ein konzert sein zu wollen. den hat ein scooter-abend wahrscheinlich nicht. aber mit einer gewissen distanz betrachtet, immer auch guy debord im hinterkopf und das eigene latente distinktionsbedürfnis wahrnehmend aber nicht allzusehr auslebend (höflichkeit, ey!), .. – doch, dann ist sowas schonmal ganz interessant.

reicht jetzt dann aber auch wieder für ein paar jahre mit dem kirmesgedudel.

(naja, gut – dj bobo vielleicht nochmal irgendwann,
falls sich die gelegenheit ergibt.)

[ frank l. | 2008-04-08 | 02:32 | # ]

widdewiddewie sie mir gefällt

nämlich, und ich wollte schon immer mal einen text mit "nämlich" beginnen, nämlich die /handlungsresonanz/ ist es, die für vieles von dem verantwortlich ist, was wir für fügung halten oder mit mittelbarkeit tarnen. der kleine anstoß, der dazu führt, daß das mobile vielleicht nicht ganz perpetuum wird, aber sich doch wenigstens eine ganze weile am leben erhält und sich zu anfang erstmal selbst be-ding-t: kopfleuchte / headlamp im positiven wie negativen sinn. das kompliment wird zum positiven feedback, das zu einem lächeln führt, das eine andere körperhaltung bewirkt, die einen erfolg herbei-ahnt, der dann zum highlight wird. oder auch die unregelmäßigkeit, die zum stolpern wird, woraus eine irritation entsteht und man aus der fassung gerät und in den ärger hinein – alles eine frage des takts, des rhythmus, des dirigierens. im einen fall forciert, im anderen möglichst vermieden, je nachdem was gewünscht wird; aber doch immer eine frage von resonanz, diese interaktion zwischen welt und ego, zwischen atmosphäre und gefühl, zwischen außen und innen. denn wenn man auf einer schaukel sitzt, muß man sich ja nicht im meßbaren sinn jeweils schwerer oder leichter /machen/, sondern nur sein gewicht zum richtigen zeitpunkt in die richtige richtung verlagern: alles nur eine frage des takts, des rhythmus, des dirigierens.

[es gibt ja nur zwei beachtenswerte punkte, möchte man resonanz (besser: feedback, oder: rückkopplung) erreichen: das (anlaßlose) anfeuern des systems einerseits, und das offensein für und auswerten des resultats andererseits, oder besser: es zu ermöglichen, daß jenes resultat sofort wieder neuer input wird. ersteres können kontrollfreaks per definition, nur an letzterem muß gearbeitet werden. es ist so einfach.]

[ frank l. | 2008-04-02 | 06:39 | # ]

herzmuskelzerrung

und man hat ja auch immer eine entschuldigung für sich selbst parat. meistens die, daß man ja nur vor irgend etwas wegläuft, weglaufen muß, daß man problemen aus dem weg geht, daß man situationen navigiert. daß man prioritäten setzt, die richtigen, die tragischen, aber daß das eben alles nicht so einfach sei mit der selbstbestimmung, denn der wind kommt von hinten und drückt einen eben immer in eine richtung. komm küssen! nicht zwangsläufig in die richtige, aber was will man machen. es gibt fehler, die macht man eben nur drei mal im leben. dann prokrastiniert man aber irgendwann einfach so rum und googelt sich gründe und anlässe dafür zusammen, anstatt sich selbst mit angemessenem abstand zu beobachten (das gefüge zu erkennen!) und zu interpretieren: und wenn man dann inmitten der postostertouristen am hackeschen markt steht und sich noch wundert, wo denn die aggressivität bleibt und wieso die eigene laune zur zeit eigentlich so vollkommen unbeeindruckt von solchem streß ist, .. – dann ahnt man den fehler, nämlich daß es doch überhaupt kein davonlaufen und reagieren ist, sondern vielmehr ein ankämpfen-gegen und ein voranprügeln. der wind kommt dann von vorn, und man muß sich einfach nur in die richtige richtung drehen, um das zu spüren. dann tränen zwar die augen und man muß vielleicht sogar mal die jacke zumachen anstatt sein hohlkreuz zu kultivieren, aber aus dem davonrennen ist ein nach-vorne-tapsen geworden. und demnächst vielleicht sogar mal ein ausgewachsenes durchschlagen oder sogar ein zweckstolpern. mehr geht selten. aber das ist ja schon so viel mehr als bislang.

[ frank l. | 2008-03-26 | 17:29 | # ]

"dies muss das wetter für krieg sein."

[ frank l. | 2008-03-22 | 14:09 | # ]

(".. daß der grund der welt ein geistiger ist.")

denn alles funktioniert nämlich folgendermaßen: man muß das /gefüge/ erkennen, dann wird es ganz einfach. der blick auf's ganze, der einem etwas ermöglicht, was ein kleines bißchen so wie objektivität wirkt, also wenigstens aber doch distanz und diese gefühl der möglichkeit einer interpretation – die notwendige portion abstraktion gewissermaßen. die hilft manchmal. die großkotzigkeit des lebens enttarnen und /angemessen/ einsortieren, was wahrgenommen wird. die signale nicht mehr als signale deuten sondern nur noch als indizien. das system verstehen, nicht nur eine der relationen daraus, und dann: dingen nicht mehr auf den grund gehen wollen, sondern nur noch ahnungen bestätigt sehen. dem ghostwriter zugucken und lächelnd nicken.

(ungefähr so, als würde man eine gute dokumentation im fernsehen sehen über ein thema, in dem man sich schon auskennt. die einzige hürde besteht darin zu akzeptieren, daß man sich in und mit der welt – mit den interaktionen und beziehungen und bedeutungen und ausprägungen und inszenierungen und ebenen und .. – eben schon genau so gut auskennt, wenn man dinge erlebt, und situationen und menschen. und dann /alles/ genau /so/ auch rezipieren sollte. anstatt zu scheitern, andauernd.)

vorhin ging's los.

[ frank l. | 2008-03-22 | 04:27 | # ]

die stadt hatte uns gepiesackt, damals, als wir dort waren, aber uns waren andere dinge wichtiger. es fiel schnee, kurz nachdem wir ankamen, und das ist in dieser stadt ungewöhnlich, sagte der gastgeber, aber wir nahmen es persönlich und lächelten. wir bezogen unser sofa, und als wir dann die wohnung verließen um zum konzert zu gehen, wußten wir nicht mehr, wo wir sind, sondern nur noch, wo wir hin wollten. die stadt biß und kratzte, aber wir nahmen das nicht wahr, das aussaugen der kräfte und die kälte und die unmenschliche größe. und all die menschen, die überhaupt nicht mehr /teil/ der stadt waren, die aber von ihr benutzt wurden, um an unsere energie zu kommen. wir gingen zu diesem konzert und waren genausowenig teil dieses abends, denn wir waren fixiert auf uns, und die stadt bot die umgebung dafür, die richtige szene, denn wir waren außer uns selbst und natürlich außer unserer heimat. ich war wegen dir hier, aber nicht für dich, und du wegen mir, aber nicht für mich, und als wir wieder zu uns kamen waren wir auf dem weg zu unserem sofa, auf das wir uns beide quetschten, denn die luftmatratze war unbequem und die stadt war kalt. das sofa war noch unbequemer, denn es war für etwas weniger als eine person gedacht, aber draußen schneite es schließlich und wir hatten kein kaminfeuer.

am nächsten morgen waren wir naßgeschwitzt und hatten das konzert schon vergessen, aber auch uns, und auf dem heimweg hielten wir kurz vor der autobahn noch an, damit ich frühstücken konnte und du mir dabei zusehen. wir redeten über die stadt und die kälte und andere menschen. alles außer uns. wir fühlten uns wie gerädert, aber wir wollten es uns nicht anmerken lassen, denn eigentlich wollten wir einen guten eindruck hinterlassen, und nicht zuletzt imponierte uns das ja auch: diese souveränität und kühlheit, diese subtil angemerkte überlegenheit. nicht nur beim ungewöhnlichen winter in der stadt, auch an uns. als wir wieder zu hause ankamen, du bei dir und ich bei mir, waren wir nicht schlauer als vorher, aber es hatte sich gut angefühlt. und ich weiß noch immer, wonach das sofa roch, und worüber wir auf der heimfahrt nicht redeten, als die musik lief.

[ frank l. | 2008-03-03 | 02:17 | # ]

teil 6: we know where you sleep

und gegen halb drei dann fragt, nein, konfrontiert er mich damit, daß es in meinen texten doch sicher um ein mädchen ginge, in letzter zeit. "es geht /immer/ um ein mädchen", antworte ich, komme mir dabei schrecklich altklug vor und als würde ich nur einen bestimmten stil kopieren, schiebe es aber im affekt auf die kombination aus schmerzmittel und gin tonic und die fürchterliche party, bei der wird gerade surviveln. und affekt ist immer gut, das hatte ich mir kürzlich zurechtgelegt. affekt trägt etwas schönes in sich, affekt ist eine übersprungshandlung mit vornamen, affekt ist die indie-variante von spontaneität. wo doch spontaneität selbst schon so ein grauenhafter und geradezu spießiger begriff geworden ist. affekt ist der charme des moments.

"it's easier to see patterns if they're not ours", und mit den notwendigen anteilen selbstbetrug und schizophrenie, die man so braucht zum überleben in den nächten, versteht man dann plötzlich auch den grund für diese eleganz, die man im affekt sieht: man trifft ihn einfach viel zu selten an. nur noch bei sich selbst, und da langweilt er, weil er nur gedeutet, aber nicht interpretiert werden kann, denn /so/ schizophren ist man eben doch noch nicht. aber bei all den anderen menschen: der kalkulierte affekt, die selbstbeherrschung, der macht eine party zu einer schlechten. und nicht der dj.

(tbc)

[ frank l. | 2008-02-23 | 17:10 | # ]

wenn ich mir was wünschen dürfte

vielleicht ja doch nicht die gleichzeitigkeit, sondern die unentschlossenheit. jedes "aber" und jedes "obwohl", die keine resultate von unzufriedenheit sondern höchstens symptome für überforderung auf einer ziemlich abgehobenen luxussorgen-ebene sind: klar, denn wir haben einfach zuviel zeit, um über uns nachzudenken. intra, nicht inter.

berliner verlag, außenansicht, bei nacht vagantin gegen den magen, also, nein, für den magen natürlich, aber das ist ja genauso wie mit aspirin für kopfschmerzen oder shampoo für schuppen, oder meinetwegen die sache mit dem umweltschutz vs lärmschutz, wer schützt hier wen und wieso läßt das sodbrennen eigentlich nicht mehr nach? und diese begriffsambivalenz finden wir dann in uns wieder. wenn wir die idiotie in einer sache erkennen, uns aber trotzdem idiotisch verhalten. mit dem kopf nochmal gegen die wand rennen, weil's beim ersten mal noch nicht weh genug getan hat. und wenn wir auf dem heimweg, morgens beim sonnenaufgang, uns die träne wegdrücken, weil wir uns so fühlen als gehörten wir nicht "nach hause", nie.

und währenddessen hören wir marlene dietrich und charles aznavour und kommen uns oberflächlich ironisch vor, denn wir schreiben texte im plural statt singular. und wir würden nie zugeben, wie sehr wir uns brauchen. inter, nicht intra.

[ frank l. | 2008-02-18 | 03:44 | # ]

(bin eigentlich ich das noch, der hier schreibt?)

[ frank l. | 2008-02-17 | 19:35 | # ]

was aber eben auch nie geht, denkt man, ist das mit der gleichzeitigkeit. man redet sich nur die höhere wechselfrequenz schön, macht aus digitaler hoher auflösung eine analog-emulation. aber im prinzip lüftet und heizt man nämlich nur abwechselnd, und daß man sauerstoff /und/ wärme am liebsten gleichzeitig möchte, ist nicht tragisch, aber doch wieder so bezeichnend, für alles. in einem winter wie diesem aber, und sei er auch noch so halb-herzig mit wunderkerzen ins dunkle gemalt, in so einem winter also, wo man das fenster zum balkon weit aufreißen und dabei gleichzeitig die heizung auf idiotischheiß stellen möchte, wird einem dann aber plötzlich bewußt, daß sie funktionieren könnte, die gleichzeitigkeit. es kostet ein halbes vermögen /und/ man kommt sich bekloppt dabei vor, im wohnzimmer mit kapuzenpulli und stoffhandschuhen zu sitzen, beim tippen. aber man hört ja schließlich auch diese musik, die nicht /mal/ traurig und /mal/ fröhlich ist, sondern eben /immer/ melancholisch, also beides gleichzeitig. lächeln und flennen.

vielleicht ja doch einfach mal mehr in stereo empfinden.

(immer, alles!)

[ frank l. | 2008-02-17 | 01:14 | # ]

 

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