(lower your eyelids to die with the sun)

alles funktioniert immer dann am besten, wenn es keine rolle spielt. ganz wichtig ist also, daß du dinge mit folgen so nebensächlich wie möglich abschließt. bei wichtigen mails der klick auf den "send"-knopf; bei wichtigen kurznachrichten (also: bei kurznachrichten an als wichtig definierte menschen) ebenso; bei mit bedeutung aufgeladen gewählten telefonnummern der druck auf die grüne-hörer-taste; aber auch – die abgabe einer abschlußarbeit, die formulierung eines blogtexts oder das abnehmen (die abnahme?) eines post-op-verbands: all das muß wie nebenbei geschehen, ohne fanfaren und ohne wahrnehmungssprung, sondern mehr wie ein hineingleiten und eine konsequente unabsichtlichkeit. wie etwas, von dem man notiz nimmt, ohne es zu beeinflussen.
denn sonst wirst du größen- oder wahnsinnig (je nachdem ob die folge positiv oder negativ ist) und bildest dir, zumindest in diesem jeweiligen detail, eine bedeutung ein, die du nicht hast, nicht haben kannst und schon gar nicht haben solltest. (das verschicken der akribisch getippten kurznachricht muß ohne hinzusehen in der manteltasche geschehen, im affekt, während des erlebens einer geeigneten situation. bewerbungen oder liebesbriefe (was ja fast das gleiche ist) müssen per normalbrief verschickt werden und nicht per einschreiben-rückschein. delikatessen müssen zufällig erworben werden, nicht nach mehrstündigem beratungsgespräch.) – und immer: dingen weniger bedeutung zumessen. mehr tanzen, weniger marschieren. the trick is to not realize when you're dancing.

[ frank l. | 2008-02-16 | 05:51 | # ]

teil 5: man sagt nicht mehr "ich liebe dich"

die differenz "zwischen erkenntnis des untergangs und dem untergang" als solchen, also der raum, der da entsteht – meist zeitlich – und sich ungefähr so anfühlt wie genau dieses /ungefähr/ wirkt, nämlich schwammig und potentiell /verloren/, spätestens im rückblick, diese differenz also ist genau das, was verunsichert. nicht der untergang, nicht die kapitul- oder resign-ation, nicht die "katastrophe in permanenz" und nicht der initiale sturz oder das stolpern. und schon gar nicht auch der untergang, der ist berechenbar. sondern die umgekehrte sehnsucht, also: der sog, der wahn, die manie, das sich-ausliefern (nicht: das ausgeliefertsein!).

das sind dann jene momente, in denen auf perfide weise das gefühl der progressivität auftritt. die ahnung des späteren zustands, die einen zieht: immer schön mittelbar bleiben, klar. sonst wären wir ja nicht hier. und dann spürt man diese eigenartige verbundenheit mit denen, die das verstehen – weil man sich selten vorkommt. und wahrscheinlich ist genau das, /nur/ das, der grund für chemistry, für wellenlängen und kompatibilität: eine ahnung eines vergleichbaren fühlens. bei aller tragik.

all diese menschen formen einen geheimbund, von dem sie selbst nur teile kennen. aber sie wissen um ihre seltenheit, um ihre erlesenheit, die sie sich zwar nicht ausgesucht haben und die sie letzten endes nicht glücklich macht, wie bei zellengenossen vielleicht oder soldaten oder krankenhausinsassen mit einer neuen, seltenen, aber tödlichen krankheit, die ihnen kurz vor schluß letzte berühmtheit bringt, – aber die sie verbindet. und diese verbindung, die pure existenz dieser verbundenheit mit einigen anderen, bringt sie jeden tag auf's neue zum aufstehen. das ist der einzige anlaß.

("der glaube an die sehnsucht" nämlich, sagt das abenteuerliche herz.)

(tbc)

[ frank l. | 2008-02-13 | 03:33 | # ]

sechs sekunden knatschigkeit

es gibt fast nichts schlimmeres als die berlinale-spacken, die derzeit an allen nebentischen der cafés dieser stadt rumhocken. und sich nicht etwa über filme oder kinos unterhalten, sondern über reiseziele und kontakte und airlines und anzugschneider, während ihr akkreditierungs-badge in die suppe baumelt und sie mit vollem mund b-promi-namen natürlich überdeutlich laut aussprechen, damit alle ahnen, daß sich deren prominenz auch auf jene spacken abfärbt, was sie natürlich nicht tut, denn dafür ist schon der café-auftritt viel zu unsubtil und man müßte noch ein paar buchstaben weitergehen in der alphabetischen prominenz, um gleichung zu erreichen. schlimmeres?

na gut, vielleicht noch werber. also zumindest die werber-subkultur, die genauso tickt wie die beschriebenen berlinale-spacken, aber dabei eben noch auf der eigenen schleimspur ausrutscht. wenn sie ihr rolex-imitat plakativ am handgelenk schütteln, beim stehpinkeln das sakko nicht aufknöpfen und nur zum zahlen kurz ins café gehen, weil sie die gesamte restliche zeit draußen auf dem bürgersteig rauchend und proletisierend verbringen, weil sie morgens vor dem spiegel stehend wirklich daran glauben, daß das was gutes wäre, was sie da tun. aber sonst, schlimmeres?

in ordnung, mütter mit kindern natürlich noch. also die sorte, jedenfalls, bei der man merkt, daß sie aus dem kind eine show macht, woraufhin jedem normaldenkendem menschen sofort das kind leid tut. die sorte mütter, die mit freundin (und kind und -erwagen) ins café kommt und sich als erstes beschwert, daß der durchgang zu den hinteren tischen nicht geeignet ist für's tiefergelegte prenzlauer-berg-luxusmodell, und ob man denn bitte die musik mal ein bißchen leiser machen könne und ob die für den kakao verwendete milch denn bitte wenigstens auch von glücklichen bio-kühen käme. und man möchte fragen, wie sie sich denn eine nicht-bio-kuh vorstellen, verkneift es sich aber, weil man sich mit allen monstern und schrecken dieser welt anlegen möchte, aber nicht mit solchen müttern. gibt's schlimmeres?

na gut, vielleicht noch blogger, die sich nicht zu schade sind, diesen stuß aufzuschreiben, und dabei so tun, als würden sie sich aus allem raushalten, dabei haben sie ihre misanthropie nur umbenannt und sich "lakonie (are we)" auf's shirt gestickt.

darauf eine portion bio-pancakes mit tee. frische minze. mir möge jemand eine gabel in die stirn rammen.

[ frank l. | 2008-02-12 | 14:29 | # ]

teil 4: stimmigkeit

mittendrin statt nur dabei. aus der absicht wurde ein mission statement, und du weißt, daß es vielleicht ein kleines bißchen zuviel gin war, wenn sich der abend so anfühlt, als würdest du zwei zentimeter über dem boden schweben. in wirklichkeit streckst du dich nämlich nur, also arbeitest an deiner haltung, was du sowieso viel öfter tun solltest, das resultat sind nämlich neue blickwinkel. clubgeometrie. aber mit dem glas in der hand, nicht auf brusthöhe gehalten und immer ohne strohhalm, denn solche dinge hast du nicht nur gelernt, sondern verinnerlicht, mit dem glas in der hand also gehst du rüber, nein, schreitest du fast in richtung dieses mädchens neben der tanzfläche, das du vor ungefähr 4 sekunden kennengelernt, also von weitem gesehen hast. du praktizierst übertrieb. mit diesem gefühl, als würdest du in der morgendämmerung allein über eine autobahnbrücke laufen und du hättest die richtige musik dabei, denn der dj hier spielt gerade wirklich die richtige musik, sie berührt dich und jenes mädchen, das sieht man ihr an, und im club ist sowieso alles wie morgendämmerung, ab einer gewissen uhrzeit und wenn die ganzen wixer alle erstmal fort sind, die diskutierer und hübschseinwollenden, die weggeher und ausgeher. wenn es angenehm wird und man menschen bemerkt, mit denen man nicht eigenartige trinkrituale praktizieren muß um sich mit ihnen verwandt zu fühlen. sondern weil sie sich von der gleichen musik berührt zeigen. uns, alles!

du, der ich bin, selbstverständlich, leidest unter attributitis und wiederholung, du schreibst deine gedanken wie deine blogtexte und kannst sie mittlerweile fast nicht mehr hören, also lesen, sondern nur noch schreiben, also denken. und als du dann weitere dreieinhalb sekunden später an der stelle angekommen bist, ohne den satz "was soll schon passieren?" laut angedacht zu haben, denn solche dinge hast du nicht nur gelernt, sondern verinnerlicht, nimmt sie dich an der hand und mit auf die tanzfläche, also wenigstens an den rand davon, aber gerade so als wärst nicht du zu ihr hingegangen sondern sie zu dir gekommen, und vielleicht war es ja auch so. und schon wieder läuft underworld.

du vergißt, daß du ich bist, denn solche dinge hast du nicht nur gelernt, sondern verinnerlicht.

(tbc)

[ frank l. | 2008-02-12 | 00:49 | # ]

little sparkles

die erste band, die mich sieht, ist leander, deren zwei plus zwei jungs mich dabei beobachten, wie ich gerade darüber nachdenke, mit wem man sie außer the notwist noch vergleichen könnte. und wieso mir das schlagzeug so laut vorkommt, und ob "sympathisch-verschlafene version von notwist" überhaupt noch zutrifft, und wieso "four days" mich eigentlich so tief trifft, jedesmal wenn ich diesen song höre. sie sehen mich dabei, wie ich im kopf einen blöden blogtext skizziere und verwerfe. dabei, wie ich lächle, weil ich den auf wacklig getrimmten quarz (oder die simulation dessen, wie das heutzutage wahrscheinlich ist, da ist ja selbst hardware nur noch eine modellvorstellung) dabei ertappe, sich in meine gehörgänge hineinzuschubbern. und die band sieht mich dabei, wie ich über nichtanwesende menschen nachdenke und dabei zufrieden lächle, und sie interpretiert es wahrscheinlich falsch, also offenbar dann doch wieder richtig. leander die jungs sehen mir beim zufriedensein und beim beifall-improvisieren mit der genauso-einhändigen begleitung zu, oder wie ich manchmal doch sogar mein weinglas abstelle, um zweihändig zu applaudieren.

(könnten palestar mich sehen, wären sie zufrieden mit mir, denn ich bin normalerweise ein guter zuschauer. ich werfe böse blicke in richtung der plappernden deppen, ich klatsche an den richtigen stellen ab dem richtigen moment, ich höre zu und ich bin aufgeschlossen. immanu el nur heute gerade mal nicht, denn ich stehe draußen an der frischen luft und tratsche mich frei.)

aber immanu el sehen mich wieder. mit diesem gesicht, das ich trage, wenn ich etwas zum ersten mal erlebe, ohne vorher auch nur zu ahnen, worum es überhaupt geht. mit diesem gesicht, das man drauf hat, wenn man kurz vorher eigentlich gehen wollte, aber vom bekannten, der den eigenen musikgeschmack besser einschätzen kann als man selbst, gottseidank zum bleiben gezwungen wurde. immanu el sehen mich, wie ich staune, weil da fünf jungs aus schweden eine so unglaublich gute version von "postrock" machen, daß ich mehrere songs lang noch nicht mal auf an haaren herbeigezogene bandvergleiche komme. der sänger der band sieht mich, wie ich mir auf die unterlippe beiße, weil ich sonst zu sehr grinsen würde. und er sieht mich, wie ich mich schrittchenweise nach vorn arbeite durch das publikum, immer durch freiwerdende lücken. einer der gitarristen sieht mich, wie ich angestrengt nachdenke, darüber, an wen aus meiner schulzeit er mich eigentlich erinnert. (und er sieht mich auch genau in dem moment, in dem mir rouven einfällt, der von zeit zu zeit immer mal wieder in unserer jahrgangsstufe im gymnasium war, oder vielleicht war er auch nur zu besuch in den pausen und ging gar nicht bei uns zur schule, das wußte keiner so genau, aber es war auch vollkommen egal, denn rouven war meistens irgendwo da und rouven war einer von den guten. zwar von den verschlufften guten, aber das waren und sind nunmal die besten. auch damals gewesen. und der gitarrist sieht mich in diesem moment, in dem mir das klar wird, genau so hätte rouven nämlich gitarre gespielt. und e-cello, und klavier, und was der junge hüpfer da eben noch so alles macht, auf der viel zu kleinen bühne im nbi.) die band sieht mich in dem moment, in dem mir dann doch vergleiche mit gregor samsa und silver mt zion einfallen, aber auch in dem moment, wo ich an sigur ros denke und mir die frage stelle, wieso ich eigentlich noch nie in skandinavien war. und ob die wohl wissen, daß sie auf der bühne stehen wie die breeders (nur eben nicht so klingen). die band sieht mich, wie ich nach jedem song begeistert bin. und die band sieht das funkeln in meinen augen, das teilweise wohl lametta-reflektiertes licht war, aber eben zum teil auch eigenes funkeln. die band sieht mich nach der zugabe am merchandising-stand, immer noch lächelnd, und immer auch ein klein wenig dankbar seiend.

(vielleicht haben sie mich ja alle auch gar nicht gesehen. aber mir war das egal.)

[ frank l. | 2008-02-11 | 05:21 | # ]

(rotwein, rosi's, reckoner.)

[ frank l. | 2008-02-09 | 05:31 | # ]

teil 3: früher nannten wir es ratzefummel

du merkst dann schon beim aufstehen, daß irgendetwas nicht stimmt. daß du aus versehen in irgendeinem paralleluniversum aufgewacht bist, daß die welt gerade ein bißchen eiert, daß irgendetwas nicht so ist, wie es sein sollte. und dann geht das brodeln los, das grummeln unter der schädeldecke, ungefähr wie einer dieser neunzigtausend-volt-transformatoren auf dem land, neben dem ganze dorfbevölkerungen unerklärliche schlafstörungen bekommen und sich erdstrahlen aus den wurzeln saugen anstatt mal die ohren zu öffnen. du stolperst durch die wohnung, durch deine straße, durch deine umgebung und deine wahrnehmung, und du wartest, weißt aber nicht auf was, vermutest und ahnst zwar stetig, und hoffst bei jeder kleinigkeit – einem bestimmten telefonklingeln, der begegnung mit einer bestimmten jackenfarbe, dem geruch aus der nachbarlichen küche, irgendeinem bestimmten wort oder eben einem /moment/ – darauf, daß sich der knoten löst, daß es kurz clickt und alles wieder in ordnung ist. der septim-moment ohne die folgende oktave, die blue note ohne bezugswert, der wasserkocher mit 97% leistung, bei dem das wasser nur siedet. und du wartest, und nichts passiert. außer der gewöhnung an das warten.

und später am tag fällt dir auf, daß du noch warten wolltest, aber sich der knoten längst gelöst hat, und dir fällt nicht mehr ein, wann und zu welchem anlaß das gewesen sein soll, an dem der sprung in der platte glattgeschmirgelt wurde und die musik endlich weiterlief. du denkst nach über den moment, der die sicht verändert hat, aber kannst ihn nur in unangemessen offenen intervallen eingrenzen. und ärgerst dich dann, nicht weil du den punkt nicht gefunden hast, sondern weil du ihn deswegen nicht reproduzieren können wirst wenn dieses unstimmigkeitsgefühl zum nächsten mal auftritt. aber vielleicht geht es ja eben auch gar nicht darum, die schiefe bahn wieder geradezulenken, vielleicht geht es ja genau /um/ die schiefe bahn, vielleicht ist der zweck des paralleluniversums ja genau dieser unterschied, diese differenz zu dem was sein müßte. diese verschiebung der ansicht. aus der du kreatives potential schlagen könntest, wenn du schon so weit wärst.

(aber nächstes mal dann, logo!)

(und es ist ja auch nicht der distinktionsgewinn, den man sich verspricht, indem man neue dinge ausprobiert, immer wieder. sondern vielleicht das, was bei diederichsen als "ein neuem sex ähnliches versprechen" bezeichnet wird. also vielmehr die /hoffnung auf/ den kontrast. und kontrast ist wichtig. wenn man sich an sich selbst annähert, zu seinem wesen findet, das man schon so lange kennt, benötigt man input in form von jenem neuen sex für die kleinen elektrischen impulse im kopf, sex im sinne von richtigkeit und erfahrung. anders zu sein, neu zu sein, originell zu sein bedeutet eben immer auch ausprobieren, testen, sich ziehen lassen, hingeben. das nichteingespieltsein, die auftretenden fehler und ablenkungen und /störungen/, beim neuen sex, ist das, was einen so fertigmacht und begeistert. weil es antrieb ist und lenkt und beschleunigt, im besten fall, und spaß macht und ablenkt wenigstens noch im fast so guten.)

(tbc)

[ frank l. | 2008-02-06 | 23:56 | # ]

coffee to go / essen to go tod dem brunch frühstück / mittag / kaffee / abendbrot

[ frank l. | 2008-02-06 | 23:51 | # ]

in wahrhaft

wie gehst du durchs leben, wenn alles bedeutung für dich hat? wenn alles – orte, klänge, menschen, gerüche, uhrzeiten, bilder – aufgeladen ist mit erinnerung, mit spannung, mit geschichte und anekdote, mit bezug und verkettung? wie gehst du durchs leben, wenn du nur noch erinnern und wertschätzen, verabschauen und hassen, reflektieren und abwägen mußt bei allem, was dir begegnet? wie gehst du durchs leben, wenn effekte schlange stehen und augen funkeln und zehen gedrückt werden und alles so sehr /ist/? wie gehst du durchs leben, wenn der tisch kein tisch mehr ist, sondern eine vierseitige geschichte?

(wie gehe ich durchs leben, wenn alles in kontexte eingebunden ist? wenn kontexte in konstrukten liegen, wenn konstrukte in ebenen schwimmen, wenn ebenen gestapelt und gequetscht um mich herum präsent sind? – so ähnlich, vergleichbar, nehme ich an.)

aber deine hände waren kühl.

[ frank l. | 2008-02-06 | 04:41 | # ]

ein interview, mit mir. haha.

nee, ernsthaft. dort drüben, bei liz. (und das bin übrigens nicht ich, auf dem bild. das ist mein .. also .. will sagen: ich bin sein evil twin. genau.)

"i had finally realized every rock star's dream – hating being famous."

[ frank l. | 2008-02-04 | 00:29 | # ]

der inszenierung eine routine: wenn du nicht aufpaßt, näherst du dich nämlich wieder dir an – je länger man eine sache betreibt, desto ähnlicher wird man sich schließlich. ausnahmesituationen ebben eher langsam ab, aber die persönlichkeit (per sonare!) bleibt als grundton, und kommt irgendwann doch wieder durch. dann ist deine manie keine mehr, auch wenn du es gern so hättest, an ihre stelle sind dann kalkül und pragmatismus getreten. nicht unbedingt die schlechtesten eigenschaften um zu überleben, nicht unbedingt die besten aber, um etwas zu spüren. du willst nicht zu dir finden, aber du weißt nicht, was du sonst suchen solltest. reaktion gibt es eigentlich nicht, nur muster. und wenn all die symptome im detail erst einmal unerträglich geworden sind, ist es sowieso zu spät, dann ist der anlaß zum affekt verschwunden. (2006)

dem moment einen namen: und man möchte ja doch über jedes foto mit sich, über jede erinnerung an sich, über jeden text von sich aus der zeit von ganz zurück zum anfang bis heute minus ungefähr 12 monate "das war nicht ich!" drüberschreiben. das war ein anderer, der das verfaßte, damals, ich jedenfalls nicht, ganz sicher nicht. man hat sich doch verändert. und das ideal wäre, man sollte sich remixen können, andauernd, seine alten ichs, und je nach situation den passenden mix präsentieren, die perfekte komposition, die zum moment paßt und zur zielgruppe und zum zustand und zum abstand. die damaligen ausdrucksformen nicht verleugnen, aber ins richtige licht stellen. sich eine bildunterschrift geben können.

dem inne ein halten: diese substanz, die in asiatischen tütennudelsuppennudeln enthalten ist, die dafür sorgt, daß die nudeln unter energiezufuhr ziemlich schnell ein bißchen weich werden, aber dann ab einem bestimmten punkt nicht mehr weicher, also diese substanz, die den aldentegrad definiert und dafür sorgt, daß trotz zulangkochen innerhalb eines gewissen rahmens die nüdelchen nicht unnötig dollschlabbrig werden, diese substanz, die also dafür sorgt, daß die dinger weichabernichtzuweich werden (ungefähr so wie die friseurfloskel kurzabernichtzukurz) – ob ich davon wohl bitte ein klein wenig für meinen momentanen herzkasper haben könnte? biete geschmacksverstärker im tausch.

[ frank l. | 2008-02-03 | 03:01 | # ]

ob das ein fußbad wäre, fragt sie mich.

nein, nur ein luftbefeuchter, antworte ich, aber stelle mir vor, was wäre, wenn ich doch eine fußbadmaschine besäße. wenn ich jemand wäre, der seine füße badet, baden müßte, baden wollte. ob ich vielleicht so ein wellness-fuzzi wäre, der sich freitagabends zur bestellten pizza mal etwas gutes tun will und das fußbad anwirft, und die kleinen perlen vibrieren niedlich in dem lauwarm-bis-warmem wasser, in das ich vorher noch wucherteures salz reinkippen mußte, das es nur in einem bestimmten sanitätsfachgeschäft am kudamm auf bestellung gibt, aber man gönnt sich ja schließlich so selten was, außer bei starbucks vielleicht. und die kleinen perlen vibrieren also in dem gerät, das so beruhigend knattert auf dem boden und dabei ein paar hundert watt verbraucht, aber schließlich läuft das ding ja nur eine halbe stunde lang, und die sache mit dem gönnen, und überhaupt. an den sohlen kitzelt es, ungefähr so, als würde einen da jemand kitzeln, und ich bekomme langsam dieses dämlich-sabbernde lächeln im gesicht, das die leute aus der fußbad-werbung auch immer drauf haben, und ich denke an die ostsee, letztes jahr, abends kurz vor der dämmerung, das rumlaufen am strand, das die füße mindestens genausogut massiert hat, aber wo soll man hier in mitte schon die ostsee herbekommen an so einem freitagabend mit pizza und günther jauch. und dann lächle ich latent debil noch ein bißchen weiter, nehme die füße später wieder aus dem plastikeimer heraus und tropfe mir ein bißchen salzwasser auf den teppichboden beim abtrocknen der schrumpligen haut, weil das telefon klingelt und ich schnell ins nebenzimmer muß. denn als jemand, der fußbäder nimmt, rechnet man nicht mit anrufen an freitagabenden.

war dann aber nur verwählt.

[ frank l. | 2008-02-02 | 03:04 | # ]

teil 2: die tragik der geste

und draußen, die welt. man sieht menschen, die sich nicht mehr freuen, sondern in dem einen moment, in dem sie analytisch zu dem schluß kommen, freude wäre angebracht, eine reaktion nachspielen. man sieht menschen, die gelernte gesten abspulen. man sieht menschen, die körperhaltung, artikulation und zerebralrhythmus kopieren von dem, was sie im fernsehen sehen, bei anderen menschen, die körperhaltung, artikulation und zerebralrhythmus auch nur kopiert haben. man sieht menschen, deren verhalten seicht wirkt, ungefähr so, als wüßten sie, was von ihnen erwartet wird, und würden sich bemühen, diese erwartung zu erfüllen, und gleichzeitig noch darauf hinzuweisen, daß sie erwartungen erfüllen können, aber nicht subtil genug, um wirklich sophisticated zu sein. menschen in steten bewerbungssituationen. man sieht menschen, die nicht nur auf ihr äußeres achten, sondern auf ihre rolle, in einzelnen fetzen zusammengeklaut aus dem, was sie für weiterentwicklung halten, was aber doch nur tragik ist, die differenz zwischen der eigentlich guten absicht und dem erbärmlichen ergebnis nämlich.

und drinnen, der kopf. der szenisch denkt, und reflektiert und wahrnimmt und verarbeitet und konstruktiv tickt. der situationen von außen betrachtet, sich über sich selbst gedanken macht. dem zitate einfallen, der gefühle in kamerafahrten und musik ausdrückt und eingedrückt bekommt. der kopf, der szenen vergleicht und auf mehreren ebenen gleichzeitig dinge versteht. überhaupt: der kopf, der versteht. der wie ein motor funktioniert, zwar manchmal stottert, aber eben doch immer läuft, vor allem im schlaf, besonders im schlaf, denn da passiert die kreativität, die dann bei nacht ausgelebt wird. da fühlt man sich echt, oder doch jedenfalls nicht fake, mit diesem kopf, denn es ist der eigene. und der kopf empfindet und spürt und leidet und atmet und spricht in direkter verbindung mit dem herzen, und daher kommt dieses gefühl des ideals. ungefähr so, als hörte man musik auf dieser persönlichen ebene, wie sie einen begeistert und man merkt, daß sie schalter umlegt und synapsen verbindet. die vollkommene und reine unmittelbarkeit.

und dazwischen, was? die grummelnde frage, wie sehr sich diese beiden dinge unterscheiden, ob sie das überhaupt können, ob sie das denn sollten, oder ob es eben doch nur zwei facetten der prinzipiell gleichen sache sind.

(tbc)

[ frank l. | 2008-02-01 | 02:54 | # ]

 

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