würde ich eines tages nicht mehr am straßenverkehr teilnehmen, so vermißte ich vermutlich am meisten den höflich verstörten „ey!?“-blick der fußgänger beim überqueren einer grünbeampelten straße in dem moment, in dem rechtsabbiegende autos für sie bremsen. kaum anderswo im öffentlichen raum sind überheblichkeit und unsicherheit, angst und rechthaben, ego und aggression in einem kurzen augenblick so sehr an einem punkt versammelt.

[ frank l. | 2009-01-28 | 17:13 | # ]

sie erzählt, sie lebe in einer „offenen beziehung“. ihr einstudiertes lächeln dabei verrät, daß sie nur glaubt, den zustand zu meinen, aber eigentlich vom ausgang spricht. in jeder geste vermittelt sich unsicherheit, und gleichzeitig auch das bewußtsein darüber und die vorstellung dessen, was für sie „erwachsensein“ bedeuten muß: das überspielen, das zusammenreißen, daß nichtgehenlassen. die imitation von rollen. die wiedergabe von posen. sie kann mit komplimenten genauso schlecht umgehen wie mit erwartungen, sie kann ungeübtes nicht einordnen. wenn sie mit echtheit konfrontiert wird, verwandelt sie sich zu einer übersprungshandlung. und als sie mich auf einen drink einlädt, überreicht sie mir das glas zusammen mit der pfandmarke.

[ frank l. | 2009-01-27 | 13:14 | # ]

dienstagskind

es ist aber doch so: man besitzt ja nichts außer der eigenen biographie.

die traurigkeit und der mißmut, die schwere und die unzufriedenheit, all das begründet sich doch darin, daß man in kategorien (chronologisch, hierarchisch, substantiell, ..) zu denken gelernt hat und sich das eigene leben eben nicht in diese kategorien schieben läßt — also, es läßt sich natürlich, aber es bleibt immer etwas übrig, für das man dann keine verwendung hat. und man mißversteht dieses übrige etwas, nämlich als makel anstatt als einen anfang, als versehen anstatt als einen anlaß. man müßte innehalten in solchen augenblicken und sich die erkenntnis zugestehen, daß jene kategorien kein fundament sind, sondern höchstens tradition. und mit dem, was man für reserve und überschuß gehalten hatte, neu anfangen.

[ frank l. | 2009-01-25 | 11:42 | # ]

neues hobby

vertreibt kassenschlangenlangeweile: vom vorgänger in supermarkt-einkaufswagen liegengelassene quittungszettel durchlesen und psychogramm dazu ausdenken. (gestern aber hobbypsychologisch kapituliert vor der mischung wodka, balisto, tampons & men’s health.)

[ frank l. | 2009-01-25 | 10:52 | # ]

formatierchen

sehnsucht nach einem horoskop, nach irgendeiner anweisung, über die ich mich wenigstens aufregen kann oder gegen die ich argumentieren könnte oder meinetwegen auch akzeptieren, je nachdem ob sie mir in den kram paßt. wobei ich ja schon immer mal wissen wollte, was dieser „kram“ überhaupt sein soll. ~~

dieses kindische grinsen im kopp, auf die warnhinweis-frage des apothekers, ob mir denn auch bewußt wäre, daß das von mir gewünschte hustenmittel „die reaktionsfähigkeit beeinflußt“. daß einem sofort die antwort „na klar, eben deswegen möchte ich es ja haben“ einfällt und dazu so ein alfred-e.-neumann-gesicht, aber laut aussprechen tut man’s ja doch nicht, sondern „ja, ist mir bekannt“, lächeln, zahlen, wiedersehen, oder wahrscheinlich nicht wiedersehen, die nächste packung kauf‘ ich ja sowieso in der nächsten apotheke. ~~

überhaupt, apotheken, seit wann gibt’s eigentlich so viele von denen und wie /halten/ die sich alle, und zwei sekunden später denkt man über die bekloppheit des wortes „halten“ nach, und eine weitere sekunde danach über die eigene art zu denken und wieso man jetzt von apotheken auf den eigenartigen einsatz von wörtern gekommen ist und jetzt schon wieder /darüber/ grübelt und wie man da wohl einen blogtext draus machen könnte und huch die ampel war ja rot. ~~

hauschkas ferndorf auf den ohren (ach, wo auch sonst), nebenbei, läßt mich aber eigenartig kalt. muß an sakamoto denken und ernst horn und sogar pollini (ja, /sogar/!) und wie seelenlos diese hauschka-platte jetzt klingt, nicht mal im direkten vergleich mit den göttern, sondern eher wie wenig man dabei doch gerade spürt, und dann erinnert das ding auch noch von den tracknamen an diese schlechte letzte pole-platte mit dem kitsch-schlößchen vornedrauf, fehlt eigentlich nur noch eine dieser bescheuerten „how to listen to this record“-anweisungen im booklet, aber gottseidank nur runtergeladen vorhin, wird direkt wieder gelöscht, wenn ich nach hause komme. und dann suche ich die david-darling-platte, die er mit ketil bjørnstad gemacht hat, und sogar in gedanken achte ich auf das ø statt o und vergesse dabei die seichtigkeit der hauschka-platte. ~~

ob das „spüren bei musik“ nicht auch mal durch ist, abgefrühstückt quasi, obwohl abgefrühstückt ja auch ein begriff ist, der in die gleiche ecke wie „pfiffig“, „schelmisch“ oder „schräg“ gehört, so hat man in „sponti-sprüche“-taschenbüchern der 80er im eichborn-verlag geredet, aber doch nicht 2008 mehr, ganz zu schweigen von 2009. trotzdem: diese ganze sache mit der wahrnehmungsbeschreibung, ob das nicht vielleicht überholt werden müßte, dringend, daß man wieder vom zustandsgeschwurbel zurückkehren sollte zu hard facts und detailliertfiligraner sound-erklärung, ja, vielleicht weniger beschreiben und wieder mehr erklären. was natürlich vollkommener quatsch ist, und wer das gerade gelesen hat und dachte, ich könnte das ernst meinen, der möge bitte direkt das browserfenster (halt, nein, heute sagt man ja „tab“, wie bei spülmittel!) schließen. und wer jetzt denkt, ich meine das genaue gegenteil, der bitte gleich auch. ich weiß doch selbst nicht, was ich meine. aber irgendwas muß da doch mal anders werden bei musikrezensionen, bei der entgegennahme vom musik und der wiedergabe eines eindrucks, finde ich. ~~

das „finde ich“ im letzten absatz ist mir jetzt schon peinlich. jemand sollte mal eine backspace-taste erfinden. ~~

(„backspace“, allein das wort schon.) ~~

„epigraphs“ hieß die platte übrigens von darling und bjornstad, und ich könnte jetzt so tun, als sei mir das noch vorhin auf dem weg eingefallen, aber natürlich tippe ich das alles zu hause und neben mir wohnen mein plattenregale und ich hab‘ einfach nachgesehen, was wiederum nur kokettiererei ist, denn in wahrheit habe ich bei discogs.com nachgeschaut, aber das kann mir keiner nachweisen, auch nicht, ob ich gerade gelogen habe. ~~

ich glaube, ich mag blogs bald wieder. ~~

also meines zumindest. ~~

ich glaube auch, ich weiß jetzt endlich, was der oben erwähnte „kram“ sein muß, in den dinge passen oder eben nicht. aber ich verrat’s noch nicht. ~~

[ frank l. | 2009-01-21 | 18:24 | # ]

(weil’s ja sonst wieder keiner macht: bullshit science.)

[ frank l. | 2009-01-20 | 02:55 | # ]

(bitte die fluchwege freihalten)

was nervt, im netz, übrigens: die hypes, vor allem die kleinen („meinten sie ‚die sau durch’s dorf treiben‘?“). konkret: diese ganze scheiße, für die sich kein mensch wirklich /interessieren/ kann, außer er hat von natur aus keine interessen. ob politiker (und zwar nicht die, die die welt verändern, sondern die anderen, die milchgesichter haben und schlipse tragen und interviews vor kameras geben) bloggen/twittern. meinetwegen hätte koch „weg-gemüßt“ (so eloquent wie die slogans der rotfratzen bei twitter kann ich nicht mal besoffen), aber eine gute absicht war noch nie entschuldigung für schwere formfehler. (es juckt mich in den fingern, im vorigen satz noch ein „bekanntlich“ unterzubringen, aber das wäre evtl. zuviel understatement für die politikschnösel.)

ernst beiseite: reklame bleibt reklame, und auch ein thorsten schäfer-gümbel bekommt im jahr 2009 nicht mehr plötzlich einen coolness-heiligenschein nur weil er weiß, wie man in ein twitter-formularfeld reinschreibt, daß man gerade auf einem mcdonald’s-parkplatz steht (und schon dreimal nicht, wenn man anderswo in der biographie xavier naidoo, grönemeyer, anastasia und phil collins als favourite music angibt). glattgebügelte profillose pr-scheiße, die das netz verdreckt; da können noch so viele sog. premiumblogger im sog. „onlinebeirat der spd“ einen auf sog. lobby machen.

ich brauch‘ ein neues internet, das alte hier ist mir nicht mehr subversiv genug.

[ frank l. | 2009-01-20 | 01:58 | # ]

 

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