.. geht es dann darum, zu erwägen, ob sinnlosigkeitsgefühle und betrübnis nicht allenfalls verstanden werden könnten als durchaus angemessene, intaktheitssehnsucht offenbarende reaktionsgebärden gegen eine wirklichkeit, die über weite strecken so beschaffen ist, daß einer, der sich in ihr nicht traurig fühlt, sein trauerdefizit betrauern müßte.

(– markus werner, froschnacht)

[ frank l. | 2009-02-18 | 11:34 | # ]

atom

ich lief hinter dem ostbahnhof auf und ab und fragte mich dabei, ob hin und her nicht die zutreffendere beschreibung wäre, und auch, ob "treffender" anstatt "zutreffender" nicht das treffendere wort im vorherigen satzteil wäre. die menschen hatten ihre mäntel zugeknöpft und hörten keine musik während ihrer hast vom einen zum anderen punkt, und meist war einer dieser punkte ein auto und der andere ein bahnhofszugang mit automatiktür, die nicht mehr surrte, sondern nur noch schepperte, wenn man ihr überhaupt noch die chance gab zu agieren. atom performance at berghain 01/2009 wenn ich verharrte, hatte ich das gefühl, als würde ich mich zur schau stellen und angreifbar machen, also täuschte ich innerlichkeit vor beim laufen und gucken und gelauntsein, denn ich wollte niemanden stören, damit auch niemand mich störte. der moment war aufgeladen mit gegenseitiger respektvoller ignoranz, und während ich so beim schreiten darüber nachdachte, ob ich wirklich schritt oder vielleicht doch nur lief, da dachte ich, ..: wenn ich mir was wünschen dürfte – und hatte dabei die stimme von marlene dietrich im kopf, als hätte ich den moment ganz kitschig für ein blogposting inszeniert – wenn ich mir also was wünschen dürfte, es wäre ein anhaltender zwischenzustand. dämmerung, herbst, unentschlossenheit, eine welt voller vielleichts und ungelöster (aber lösbarer) rätsel. graustufen, durch die kühnheit und wagnis und mut und chance erst entstehen können. ich starrte auf ein plakat, auf dem ein hund abgebildet war, dessen sorte ich nicht zuordnen konnte, dessen gesichtsausdruck aber penetrantst auf niedlich manipuliert war, und fragte mich (denn es war niemand anderes zur hand, den ich hätte fragen können), ob man als kind nicht viel mehr dieser dinge durchschaute auf einer ganz natürlichen ebene. ob man nicht die fähigkeit zum verstehen in sich hat, aber verlernt bekommt. der nebel und das tageslicht stimmten mir zu, und das kind, das an der hand seiner erwachsenen bezugsperson am hundeplakat vorbeigezogen wurde und mich ansah, dieses kind auch ein bißchen, glaube ich.

[ frank l. | 2009-02-02 | 17:44 | # ]

morning thickness

neuentdeckung eines meta-sinnes, dem der wahrnehmung nämlich, ganz grundlegend (nicht: grund-sätzlich!). und sogar, vor allen: die notwendigkeit und angebrachtheit eines deutlicheren, schärferen wahrnehmens, ein achten (eine achtung) des spürens. den tastsinn auch auf emotionales ausdehnen, berühren lernen, berühren lassen lernen. musik aufnehmen (nicht: to record, aber: to soak up) anstatt nur zu hören. eigenartige sache, diese plötzlichkeit (gerade so, als bräuchte es bestimmte anlässe, umstände, personen, um berührungen wieder schätzen zu lernen – man hatte ja immer eine ahnung und ein ideal, wie so etwas ablaufen müßte und mit welchem zweck, hatte all das aber gut eingepackt im utopie-bereich versteckt gehabt, wo auch all die anderen möglichkeiten eingepackt rumlagen).

[ frank l. | 2009-02-02 | 04:52 | # ]

dave / der anfang vom ende.

[ frank l. | 2009-02-01 | 20:35 | # ]

 

// !