
the name’s mick. mick_23. seems i’m not number one anymore. people think they know me. idiots. my turn now. need to show what’s real.
mick spricht.
(denn: das unaufgeregte ist’s, das einen begeistert, das subtile, das zufällige. irgendwann werden das die viralmarketing-vollpfosten auch noch kapieren. (fürchte ich.))
[ frank l. | 2009-10-31 | 20:13 | # ]
„die leute verwechseln mathematik immer mit rechnen.“ — alexander kluge und hans magnus enzensberger fabulieren fünf minuten über mathematik und so. vor allem über „und so“. (und gerade die abschweifungen sind ja das, was .. aber wem sag‘ ich das. symptom, quasi, für das, was enzensberger am ende beschreibt — daß eine am anfang stehende wissenschaft immer meint, sie könne alles erklären, und die beiden halten sich vermutlich immer noch für eine am anfang stehende wissenschaft. ohne diese naivität ginge es wahrscheinlich nicht.)
[ frank l. | 2009-10-29 | 18:17 | # ]
wichtig ist, daß man ehrenhaft bleibt. daß man sich wiedererkennt, wenn man in den spiegel sieht, auch beim blinzeln, vor allem beim blinzeln. wichtig ist, daß man schnee mag, und herbst, und hitze und natur, ganz genau so wie musik und longdrinks und städte. wichtig ist, daß man das siezen schätzt, und daß man andere menschen im singular anspricht, außerhalb von hier. hier drinnen sollte man beides vermeiden. wichtig ist, sein abtrainiertes bauchgefühl wieder zu kultivieren, hinsichtlich sozialer interaktion, gesundheit und medien. wichtig sind texte und inspiration, wichtig sind aber auch schokolade und vinyl.
wichtig wird sein, sich nicht zu vergessen, und sich nicht zuviel abzuschauen, sondern mehr aus sich heraus zu agieren. affekt ist wichtig und empathie, indirekte rede und seltene satzzeichen. regen und nebel sind mindestens so wichtig wie licht und privatheit. und würde nicht nur als konjunktiv. wichtigsein generell ist eher unwichtig, wichtigsein speziell schon eher. ein fester und auch so gemeinter händedruck aber ist sehr wichtig, knutschen ist es, und numerierte listen sind es, und fußwege und umarmungen und das symbolische in äußerungen und handlungen, und nicht-ausschließlichkeit und sehnsucht.
(besonders wichtig, schließlich: aus kitschphrasen bestehende blogtexte nicht zu wichtig zu nehmen.)
[ frank l. | 2009-10-26 | 15:03 | # ]
es müssen zur gesellschaftlichen umwälzung keineswegs die köpfe rollen. es verändern sich mitunter die gesten und redeweisen, die balance zwischen nähe und ferne, der sex und die liebe, kurzum: das soziale bindegewebe, die ordnung der affekte.
adam soboczynski über sog. „soziale“ netzwerke: höfische gesellschaft 2.0. (via)
[ frank l. | 2009-10-24 | 13:57 | # ]
tagespost. „erträge aus den weiteren überschussquellen sterblichkeit und kosten kommen ihnen allerdings in form des schlussüberschusses weiterhin zugute.“, teilt mir eine versicherung diesmal schriftlich mit, und wenn man so einen satz noch am eigenen briefkasten stehend liest und dabei nicht in manisches kichern verfällt, ist irgendwas falsch geschaltet im hirn, davon bin ich überzeugt.
[ frank l. | 2009-10-22 | 12:22 | # ]
donnerstag. heute schon vier mal mit kevin telefoniert. seinen nachnamen kenne ich nicht, und kevin meldet sich bei der hierzulande unter einer frankfurter festnetznummer geschalteten sony-hotline aus –vermutlich– einem beneluxland, denn er möchte frank immer erstmal mit ck schreiben, wenn ich ihm meine mailadresse buchstabiere. kevin spricht in einem lustigen mix aus englisch und deutsch mit mir, mit deutlich französischem einschlag, über ein qualitativ nicht weiter bemerkenswertes bluetooth-headset, jedenfalls male ich mir das so aus anhand des klangs unserer telefonleitung und der mehrfachen „wie bitte?“-rückfragen, — genau wie ich mir kevin anhand unserer unterhaltung und seinem sprachstil ausmale als mitte-hipster mit schal von american apparel und fünftagebart und engen jeans, der auch genau weiß, daß leute wie ich ahnen, daß er keinen bock darauf hat, callcenter-agent zu sein, der aber andererseits auch genau weiß, daß leute wie ich wissen, daß unsere telefonate wahrscheinlich von seinen chefs unterschiedlichster hierarchiestufen live mitgehört werden, die kundenzufriedenheit und so, you know.
wir spielen also beide mit, sind höflich und scherzen miteinander, denn eigentlich klingt kevin ja auch ganz cool, und man gibt ja auch dem pizzafahrer immer trinkgeld, denn man redet sich ein, daß der am wenigsten etwas für lieferzeiten und lauwarme pizza kann. so funktioniert idealismus 2009. und obwohl wir also schon zum vierten mal miteinander telefonieren, denn herr sony ist kurz davor, mir „die bestellbestätigungsmail zu faxen“ (denn die crm-software von herrn sony scheint auf kunden wie mich nicht vorbereitet gewesen zu sein), verspricht mir kevin jetzt („isch promise ihnen ..“), sich „öchstpersöhnlisch“ um meine bestellbestätigung zu kümmern, und wenige minuten später liegt ebenjene mail in meiner inbox. ich bin aufgeregt und kevin ist mein held des tages. go, kevin.
(„liebes tagebuch“, ja, das war eine drohung.)
[ frank l. | 2009-10-21 | 13:41 | # ]
montag. versehentlich werbefernsehen geguckt, natürlich dabei verzweifelt. „zufriedenheitsgarantie“, ein wort mit ähnlicher anmutung wie „literaturbeilage“, falling-down-gefühl sofort beim hören. kein mensch mit rückgrat in der seele möchte 99 cent (plus porto) (per überweisung) (nach vorlage einer kassenquittung) für einen joghurt zurückerstattet bekommen im tausch gegen einen bestätigten adreß-datensatz inklusive zielgruppenscoringwert, oder wie diese werbearschlöcher das auch immer nennen. jeder mensch mit rückgrat in der seele weiß, wie dreckig ein 99cent-joghurt schmecken muß, bei dem noch genug im etat übrigbleibt für eine zufriedenheitsgarantiekampagne. (zufriedenheitsgarantien sind nämlich vielmehr das, was man beispielsweise im unweit gelegenen asia-supermarkt bekommt, wo das neben der kasse beworbene gebäck seltsam aussieht und man die kassierin deswegen nach den schriftzeichen auf der packung und dem inhalt und dem geschmack fragt, und sie in halsbrecherischem deutsch vielleicht nicht direkt weiterhilft, aber durch lächeln und körperhaltung und freundlichkeit ganz allgemein das gefühl vermittelt, daß einem das zeug schmecken wird. und sie muß es noch nicht mal erwähnen, trotzdem weiß man, daß man schlimmstenfalls mindestens sein geld zurückbekäme, es aber so weit sowieso nie kommt, denn das zeug schmeckt eben. und immer, wenn dann wieder dieser begriff im dödelfernsehen fällt, möchte man den rückkanal öffnen und unidanoneprocterlevergamblekraft anbrüllen, daß das andere /echt/ besser können mit dem garantieren von zufriedenheit. aber ich glaube fast, die wissen das ja schon.)
dienstag. zuviel tageslicht. noch nicht mal vormittag, und schon denke ich über borniertheit nach, also die gefahr, in die ich laufe, wenn ich hier so weitermache mit der artikulation ausschließlich schlechter laune. eigentlich wollte ich meine cholerikerkarriere doch erst mit 45 starten. es wird einem aber auch echt viel zu vieles viel zu einfach gemacht.
mittwoch. ich glaube, man sollte weniger feilen und mehr raushauen. überall. das schlimme an skype-smileys übrigens ist ja die gleichschaltung der animation. also nichts gegen lächeln an sich, aber wenn da erstmal zehn solcher viecher in einem fenster stehen und alle penetrant simultan die schnute ziehen, fühlt sich das an wie eine schlechte stephen-king-verfilmung. daß da keiner aus der reihe tanzt. synchronizität verwirrt mir das denken.
[ frank l. | 2009-10-21 | 00:45 | # ]