imprägnation

es ist freitagabend gegen 21 uhr und der typ in der kassenschlange vor mir trägt kurze und beigefarbene (aber vermutlich anders genanntwerdenwollende) hosen, die über dem knie aufhören, dazu schuhe, die ebenso vermutlich flipflops genannt werden möchten. während ich u.a. dosentomaten auf's förderband lege, teilt er mir mit, daß "die dosentomaten von 'ja!' in einem test viel besser abgeschnitten" hätten. er guckt mich mittelinteressant an, ich denke nach über die situation, den zweck seiner mitteilung, meine laune, über dosentomaten und dosentomatentests, über discounter und supermärkte und eigenmarken, über flirtwilligkeit in supermärkten, über aggressionspotential, über tragik und über außenwirkung und über hochgestellte polohemdkragen, und kann mich nach eine gefühlten halben sekunde immerhin zu einem "mmmhm, aha" hinreißen lassen. kurzhose quittiert das mit einem "ja, doch, find' ich total spannend!" und wartet offenbar weiter auf einsetzende kommunikation. ich bin überfordert, nicht direkt von ihm oder von der dosentomatenfeststellung, am meisten von der szene in ihrer gesamtheit, im universalen zusammenhang. ich gucke durch ihn hindurch und lege meine dosentomaten vom band zurück zu den schokoriegeln. er hält die klappe und ich werde mich später fragen, wen von uns beiden die restschlange wohl für nebenderspuriger gehalten hat.

der kassenazubi weckt mich:
"möchten sie treuepunkte?"
"nope."
"fussballbilder?"
"nein danke."
"bargeld abheben?"
"auch nicht."
"soll ich meine klappe halten?"
"haben sie interesse an einem girokonto?"
"an einem was bitte?"

ich bezahle bar, gehe, und kaufe mir auf dem heimweg im italienischen feinkostladen die teuersten dosentomaten, die ich finde.

[ frank l. | 2012-04-29 | 17:49 | # ]

du bist nicht gemeint

i.
you and me against the world / .. bis es was dunkleres gibt.

ii.
mehr bauch, sage ich mir dann, denn es ist zuviel kopf, aber doch immerhin kein herz. ich habe geträumt, wir wären jemand anders. ich möchte wissen, wie du küsst. nicht, wie du bist, das weiß ich schon.

iii.
manchmal vergeht zu viel zeit beim einordnen und kategorisieren einer situation, zwischen uns, zwischen mir, um alles herum. da ist dann plötzlich /bewußtsein/ und reflexion, wo sie einen synapsenschlag zuvor noch nicht waren, und wir geraten vierzehn meta-ebenen weiter nach draußen und verlieren uns ohne einander. beim abdenken – das sich gewalttätig anfühlt, selbstermahnend, notbremsig – ist der zeitpunkt verpaßt, den wir für glaubwürdigkeit reserviert hatten, uns selbst gegenüber, und nichtinszenierung, dem anderen gegenüber. es gab auch gute momente, sagt das logfile.

iv.
you're my pride and joy etcetera.

v.
endlich passiert mal wieder was.

"dieser herbst war nur ein fallender soldat,
der frühling eine blühende wunde.
"
(– gzk, "der tödliche schlag")

[ frank l. | 2012-04-29 | 15:03 | # ]

"77 ways to say no"

irgendwann ist ihm die genugtuung abhanden gekommen. er reißt sich wimpern heraus und brüllt ihnen wünsche entgegen. eine nacht, ein rausch – während gleichgültigem regen, und neben taxis, die sich berlin antun, liegt der stolz so herum, auf dem heimweg. der kopf stört nur. er lernt es wieder, das mit dem heulen (dann hat er wenigstens auch eine erklärung für die rausgezupften wimpern). von treue/tragik und kampfnamen. the closest he ever got.

[ frank l. | 2012-04-22 | 05:53 | # ]

hinternherzen

die gästeliste freut sich, mich zu sehen. das mädchen mit den warmen augen ist meine pluseins, und wir sind uns an diesem abend noch nicht bewusst, was das bedeutet. wir trinken wein und sehen uns an, während die supportband dinge tut, dort vorn, und die seltsamkeit verschwindet zwischen uns. wir versuchen uns zu inszenieren und sind eine einzige übersprungshandlung. so süß.

sie guckt am intensivsten bei unsicherheit und selbstzweifel. auch so eine gemeinsamkeit. und daß wir es beide nicht zugeben wollen, oder werden. die menschen um uns herum sind nicht da, oder nur als projektionsfläche und übersprungstaktik vorhanden. der talk ist small, das strahlen ein erlösendes und die euphorie kommt von herzen, wie heute so vieles. es ist egal, wer damit angefangen hat.

mir wird schwindlig, als ich mir bewusst werde. wein hilft, und die pluszwei auch, beide lenken uns ab. von each other und ourselves. später schnaps. i'll follow you into the dark, aber am ende ist morgengrauen, und wir halten uns im arm und wissen nicht weiter und reden nichts mehr. "sie ist wie du", sagt c. am nächsten tag, und spätestens jetzt habe ich vergessen, wer wessen pluseins war, oder sein wird.

"und wenn uns doch am ende gar nichts bleibt /
flüstern wir: wir könn' verdammt gut dramatisch sein
"
(– ahzumjot)

[ frank l. | 2012-04-01 | 23:32 | # ]

 

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