u+266e, zum mitnehmen, bitte.

"du hast mir gefehlt" schreibt k., mein kopf ergänzt "ich mir auch", verkneift sich aber sowohl kalauer als auch lüge laut zu artikulieren, spätestens als ihm auffällt, dass das eine eben auch das andere ist.

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was man durchschaut, ist ja immer nur das fremde: je entfernter desto schärfer, floskelnebel ahoi. es ist was dran, dass man verdummt, je näher man rangeht an dinge – die frage nach einem beweis jedoch muss abschlägig beschieden werden, prost – weitsicht & stolz stehen da so im weg herum. als ob der unbeeinflussbare teil des lebens nicht schon zynisch genug wäre. bukowski lacht mich aus.

(das drama, das manchmal fast hilft – die eskalation, das kathartische, das brüllen statt schreien und der affekt statt wille – ist romantisch geworden und führt nur noch zu schlaflosigkeit anstatt zu erkenntnis. aber wenigstens das.)

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"du mir auch", ergänzt der kopf dann irgendwann nachts, als es sich nicht mehr lohnt zu kokettieren, aber auch nicht mehr zu antworten. als ob offenheit jemals was gebracht hätte, bei diesen bewerbungsgesprächen um nähe und all die anderen tragisch zwischenmenschlichen notwendigkeiten. "du fehlst mir" schreibt der schlaflose kopf dann tatsächlich, noch später nachts. und schläft morgens irgendwann doch ein, beim nachdenken über semantische subtexte. viel zu nah dran.

[ frank l. | 2015-12-08 | 00:40 | # ]

(list)

"bist du verknallt?"

"nicht so, wie du den begriff verstehst, nein."

n. zog die linke augenbraue hoch und mir fiel das unnütze halbwissen ein, dass ein großteil derer, die überhaupt eine einzelne augenbraue getrennt von der anderen bewegen können, das ausschließlich mit der linken tun. oder können. in dieser unnützen halbsekunde machte mich so eine erkenntnis auf eine vollkommen irre art glücklich und zufrieden: dass ich die bewegung ihrer augenbraue wahrnahm und schätzte, und dass ich dabei vielleicht sogar lächelte.

"hmm. was ist dann los?"

schnaps. dann:

"manchmal denke ich darüber nach, wie granular klein man einen moment machen muss in der betrachtung, bis er sich loslöst von stimmung und meinung und kontext. bis er als solches .. objektiv wird, meine ich. also: eine sache, die ja aus einzelnen stückchen zusammengesetzt ist, aus so einer melange von absichten und bewegungen und zeitpunkten und farben und teilen und wellen und blicken und kram, die dann "etwas" ausmachen in der gesamtheit – wo doch ein einzelnes muskelzucken überhaupt nichts dafür kann, dass es teil eines miesen ganzes ist. ich meine: auf welche detail-ebene, wie tief muss man etwas runterbrechen beim betrachten, um subjektivität da raus-zubekommen? wie sehr im detail muss ich etwas analysieren, um meinem kopf die möglichkeit zur wertung zu entziehen, dem kontext den boden unter den füßen wegzu.."

"okay, du bist verknallt."

sie senkte die augenbraue wieder und mir fiel auf, dass ich sie mochte. rhythmisches rumdenken.

[ frank l. | 2015-11-21 | 13:31 | # ]

sleep/archive

schlaflos in duattle, dachte p., über das siezen war man ja eigentlich mittlerweile auch weg, aber der kalauer erschien ihm nicht mal selbst ausreichend originell, um deswegen die mundwinkel zu verziehen. er rückte sich die kopfhörer zurecht und begann runde 5 um den block, um seinen, und konnte sich nicht recht entscheiden, ob er diesmal auf die musik achten sollte, die situativen unterschiede zur vorrunde herausfinden oder schritte zählen. wie bei allen monotonen tätigkeiten ermüdete ihn nichts davon: mit der erzwungenen leere kamen die gedanken, mindestens jene über die leere und die nichtgedanken, und spätestens jetzt zuckten seine mundwinkel dann doch.

beim googeln der exakten definitionen von sarkamus und ironie verlief er sich, also: er blieb stehen, dachte kurz über den begriff verlaufen nach, vergaß dabei wieder die diesmal zurückgelegte schrittmenge und wunderte sich kurz (also: schon nicht mehr) bereits beim vorletzten track des albums angekommen zu sein und fast alle vorherigen nicht wahrgenommen zu haben. was jetzt noch zum durchmachenwollen fehlte, waren eigentlich nur gut gemeinte & zwecklose ratschläge. für runde 6 nahm er sich also vor, die hände in den taschen zu lassen, und die ironie im wording.

the night was dark, they usually are. hart langweilig.

[ frank l. | 2015-11-18 | 02:59 | # ]

fürzehnter

hinter der hirnrinde ein verschwommenes bild davon, wie wir aus einer spelunke raus und die straße entlangstolpern, wie wir uns sehnen nach einander und wie sich unsere haut anfühlt, jeweils und gegenseitig. pelzig und hypnotisch, mit säuseln im ohr und zittern im kopf – "ich glaube, ich würde dich jetzt gern küssen", affekt ahoi, überhaupt halt: mehr affekt. ein nebliges bild von abwechslung und kitzeligkeit, sprache als chiffre und regen als kontext. in den herznahen furchen wirbelt und summt es panisch, weil wir das mit dem puls nicht mehr kennen, der fremdnebel flüstert "i missed you", und wir erschrecken und halten uns ein bißchen fester vor lauter verwirrung, für den rest der nacht und eigentlich noch viel länger. das klappehalten federt so angenehm. überhaupt halt: halten, ey.

[ frank l. | 2015-11-13 | 16:33 | # ]

warm graves, 2015-03-03, kantine am berghain

"one day ships will come" haben sie gebrüllt vor ein paar abenden auf der eigentlich zu niedrigen bühne, an dieser einen guten perfekten angemessenen stelle MITTENdrin, und es war neblig und toll nicht einfach nur auf die sowieso bekannte und immer wieder neu aufgelegte art wie ein konzert eben "toll" ist, sondern es war TOLL in großbuchstaben, schließlich war im nebel dieser lilafarbene schimmer zu erkennen und auf der leinwand hat sich ein mond gedreht, also ein bild von einem mond, also irgendetwas das vielleicht mal ein mond hätte gewesen sein können, jedenfalls: die jungs haben gebrüllt an den stellen, an denen auf der platte irgendwo ganz entfernt so ein chor durch den eingebildeten nebel durchsakralisiert. und es hat gepasst, zu allem.

neukölln schneit, im märz, und das pärchen gegenüber, das noch nicht sehr lang dort wohnt, übt tanzschritte, während ich die platte immer noch und immer wieder und immer weiter höre, mit den brüllenden chören und den sakralen monden im hintergrund, in kopf und wohnung, während ich durch den schnee den tanzschritten zugucke und über den fünften stock nachdenke und über die ships, die da vielleicht mal comen werden. (zuversicht und so. wenn wir schon von nebel reden.)

[ frank l. | 2015-03-06 | 22:16 | # ]

aus bruch

chlorhexamednasenduschen als erkältungsausräucherungsstrategie, aszendent ibuprofenglückskekse, nebenbei flug-, hotel- und zukunftsbuchung als astreine übersprungshandlung: ein mittwoch, wie er im ebook steht. währenddessen ziehen tagsübersachen und erwachsenseidinge vorbei wie gschichtn ausm paulanergarten. beim wachliegen nachts im bett schließt die grübelpräzision dann den vierten höllenkreis, den des kopfs, denn schließlich (.. aufzeichnung ab hier unleserlich). "weniger präzision", sagt der therapeut, und vielleicht fängt man damit ja mal am besten im sozialen an.

[ frank l. | 2015-01-07 | 20:43 | # ]

 

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