last night, when we were young
love was a star, a song unsung
life was so new, so real so right
ages ago last night
zwotausendacht also (denn sobald man „zwo“ statt „zwei“ sagt, klingt das ein bißchen wie „potzblitz“ oder sogar „potztausend“, und das hat charme, redet man sich ein) wurde dann ja doch das seltsamste jahr des jahres. irgendwann mal in einer fachpublikation (also wahrscheinlich in titanic, brandeins oder yps) ein paar gedanken über die bedeutung des begriffs „tragik“ gelesen, nämlich: den unterschied zwischen beabsichtigtem (positiven) und tatsächlichem (negativen) ausgang einer handlung, die diskrepanz also zwischen guter absicht und unglücklicher tatsache — und so gesehen ist dieser ganze mist, den man so in seinem kopf mit sich herumschleppt, all die jahre, natürlich ein tragischer. jedenfalls wenn man den menschen, also sich, ein gewisses streben nach glück unterstellt (und das meinetwegen auch rekursiv ironisch, also wieder in vollem bewußtsein darüber, daß es das streben ist und nicht das glück, das man erreichen möchte, aber über solche dinge möchte sich zu weihnachten (bitte in großbuchstaben denken) im detail dann doch keine gedanken mehr machen).
aber: genau so besehen war dann 2008 selbst ja auch kein wirklich tragisches, denn es war das erste jahr seit vielen, in dem man anfing, sich mit sich zu arrangieren, sich vielleicht auch ein wenig zu verstehen: jenes streben als streben zu erkennen, die utopie als utopie, und die zielkorrektur nicht mehr als selbsttäuschung sondern als notwendigkeit. und wo man keinen bock mehr hatte, hinter jedes „man“ ein „(also ich)“ — oder umgekehrt — zu schreiben. denn jeder wußte, was gemeint ist.
dream baby dream
zweitausendacht war ruhig, und als man endlich das streben nach unruhe erkannt hatte als mittel zum zweck, als man die erfüllung gefunden hatte im zwischenstadium, im nebel, im morgengrauen, im „longing for“, da funktionierte dann auch das mit der musik wieder anders als im verkackten 2007, wo alles noch einem ganz genauen zweck dienen mußte. obwohl man gleichzeitig das gefühl hat, daß man sich wiederholt. nicht mit den worten, aber mit den empfindungen und äußerungen, daß man viel kryptischer einerseits geworden ist, aber viel konkreter auch sich selbst gegenüber, meinetwegen sogar ehrlicher, nach innen. scary, wenn das alles auf einmal so einfach geht. bruce springsteen covert suicide und macht damit den song des jahres, noch ganz kurz vor schluß, der so sehr auf stimmung, stadt, wahrnehmung, situation und seele paßt, wie es sonst nur bands mit gesamtwerk schaffen. und daß gerade springsteen das mal machen würde, das wundert einen dann schon noch irgendwie, aber dem leben darf ja auch mal ein bißchen zynismus zugestanden werden. sowieso super: wie sich aufmerksamkeit verschiebt, wenn dinge passieren. nicht auf die dinge, sondern im umfeld: wie man plötzlich anders sieht, hört, achtet, hüpft, atmet, aufgrund einer formulierung, einer äußerung, eines menschen, eines songs. und daß man diese verschiebung dann bloß nicht mit „verstehen“ (oder verständnis) verwechselt.
ich kann mit kollektiv– und konsens-stimmungen (geburtstage, trauer, castingshows, etc.) immer noch nur auf einer eher analytischen ebene begegnen. das liegt am selbstschutz, den ich mir un(ter)bewußt aufgebaut hätte, hat mir kürzlich jemand erklärt, und ich fand, das klang plausibel. ich bin softer geworden, gleichgültiger, oder eher: lässiger. nicht in sachen coolness classic, aber in sachen unverkrampftheit, und ich langweile mich damit schon wieder selbst (und die sieben leser, die ich hier noch habe, wahrscheinlich seit februar). aber wenn es nur wenige dinge waren, die man wirklich gelernt hat im jahr nullacht, wenn man sich wirklich irgendwie progressiv vorkommen möchte, dann doch deswegen: weil einen, geht man unverkrampfter durch das leben, nichts mehr umhaut. manche müssen wohl erst dreiunddreißig werden, um das zu erkennen.
singin‘ hallelujah with the fear in your heart
das schönste licht des jahres war der frequenzzähler des plattenspielers im dunklen wohnzimmer. ich habe im november den besten kaffee der stadt entdeckt, war im april in taiwan, bin immer noch verknallt in den anblick des fernsehturms in der morgendämmerung. ich habe mittlerweile eine handvoll so guter bekannter, daß ich schon fast von freunden sprechen würde. ich tanze manchmal, wenn ich alleine bin oder betrunken. und ich erfinde neue wörter, wenn ich der meinung bin, daß es keine auf eine situation passenden gibt. ich habe gelernt, gerade linien mit einem stift zu ziehen, indem ich dabei nicht auf die zu zeichnende linie sehe, sondern nur den zielpunkt im auge behalte — und ich habe mich minutenlang kaputtgelacht, als mir die kitschige bedeutung davon klar wurde. ich kann die frage „was hörst du so für musik?“ noch weniger konkret beantworten als 2007, lächle aber noch breiter als damals, wenn mir diese frage gestellt wird.
ich erkenne mich kaum noch wieder. das muß diesem jahr auch erstmal ein anderes nachmachen.
tomorrow is another day
2009 kann kommen, ich wär‘ jetzt soweit.
[ frank l. | 2008-12-25 | 01:45 | # ]
aber es geht ja auch gar nicht darum, um das /verstehen/. ging es noch nie. weder im deutschunterricht noch in der privaten lektüre, weder in blogs noch im richtigen leben, weder im ausland noch im inland. sondern es geht vielmehr und /immer/ um die anwendung, um die interpretation, die adaption des aufgenommenen. die transformation, das einpassen des gelesenen/gehörten in die eigene situation. livejournal’s what you make it.
(als ob man’s nicht wüßte.)
[ frank l. | 2008-04-29 | 05:58 | # ]
vielleicht sollte man aber auch im langweiligen leben daheim öfter mal luxusrisiken eingehen wie hier: dinge essen, von denen man den namen nicht kennt, und die dann entweder erstaunlich gut, erstaunlich langweilig, erstaunlich ekelerregend oder eben erstaunlich erstaunlich schmecken. genau wie man auch leute aus indien, frankreich, taiwan, australien, kolumbien und österreich kennenlernt im persönlichen austausch und im rahmen der konferenz, — genauso lernt man auch den umgang mit den chopsticks, die kommunikation im restaurant, die no-tipping-gepflogenheiten: ganz nebenbei, ganz subtil, also so, wie es am einfachsten ist. und dinner-varianten, die man sich dann vornimmt auch in berlin mal auszuprobieren. 10-gang-menüs mit lustigen seegurkensuppen und erbsen-dessert. und auch immer wieder erfrischungstüchlein, schlimmstenfalls die von hello kitty.
aber vor allem die lokalen spezialitäten, an die man sich beim frühstücksbuffet im hotel immer noch nicht so ganz rantraut
(„hast du schon von den spinnenbeinen probiert?“ — „nein, ich wollte erstmal von dem glibberobst versuchen.“), das legendäre „stinky tofu“ (das zugegebenermaßen schlimm riecht, aber eben auch nur harmlos tofuesk schmeckt), das dunkelgelbe zeug mit dem frosch-cartoon auf dem dazugehörigen schild, von dem keiner so genau weiß, wie er die zusammensetzung beschreiben soll. oder die kandierten tomaten mit schwarzem irgendwas, neben den blutwurstartig aussehenden frittierstäbchen. und der milchige tee mit schwarzen flummi-bröckchen drin. und vor der ankunft nimmt man sich noch die klassischen reiseführer-tips zu herzen (nur dort essen gehen, wo auch einheimische sind; nur dort essen gehen, wo es nicht /zu/ sauber ist; ...), aber nach zwei tagen spätestens wirft man all das über den haufen, weil man selbst erstaunt ist, was der eigene magen so alles verträgt. ohne tabletten, ohne gewöhnung, ohne brechreiz, weil und wenn man nicht großartig darüber nachdenkt, wie das viech vor der zubereitung mal aussah. vegetarier-sein kann man dann ja auch wieder zu hause.
eigentlich wird nächste woche das schwierigste sein, back home, nicht noch mehr zum klugscheißer zu werden als man es sowieso schon ist: nicht im asiatischen restaurant andauernd anmerken zu wollen, daß es in taipeh viel leckerer und abenteuerlicher war. zieh‘ dich schonmal warm an, monsieur vuong.
[ frank l. | 2008-04-29 | 05:43 | # ]
uns haut nichts um.
wir lächeln auch nach durchgemachten nächten, egal ob wir feiern oder flennen waren. wir verdrängen unsere probleme zwar nicht, aber wir kehren sie unter den teppich, der diesen privaten anstrich hat, und wer uns durchschauen will, den blocken wir so freundlich ab wie es nur irgendwie geht. das gesicht zu verlieren ist schließlich fast so schlimm wie jemand anderen sein gesicht verlieren zu lassen. die phase zwischen den zuständen, die man immer erst im nachhinein als solche zu identifizieren in der lage ist, — an die gewöhnen wir uns, und dieses bewußtsein prügeln wir auch in unsere kontexte hinein. die außenwirkung wird schon folgen. denn nähe ist mode, oder zumindest schlechter einfluß. das haben wir irgendwo mal gelesen und seitdem ist es dogma und mantra. wenn dinge nicht glatt laufen, dann definieren wir „glatt“ einfach um, nicht nur zwischenmenschlich. man steckt eben drin, und interpretation (oder wenigstens identifikation und deutung) funktioniert schließlich nur von außen. aber von außen lassen wir uns nichts sagen, jedenfalls nicht dauerhaft und nicht so, daß wir es umsetzen würden. und wir akzeptieren und tolerieren, stetig, und reden uns ein, daß keine alternativen dazu existieren.

allzu weit entfernt sind wir also nicht einmal voneinander. until we’re back home, dann trennen uns wieder welten. aber auch das ist ja eigentlich nichts neues.
[ frank l. | 2008-04-27 | 07:33 | # ]
bei geschätzten 22 grad außentemperatur und angenehmem wind kurz nach sonnenuntergang auf der terrasse des asus-headquarters in taipeh/taiwan einem auf midi-saxophon gespielten creative-commons-konzert zuhören und dabei obst essen, dessen namen man nicht weiß.
(file under „zu lang zum twittern“.)
[ frank l. | 2008-04-26 | 13:33 | # ]
trotzdem aber dann das gefühl, als könne man all die eindrücke und empfindungen eben doch nur oberflächlich beschreiben. vielleicht nicht gerade im reiseführer-stil, wo nur die sogenannten sehenswürdigkeiten (auch so ein eigenartig-kaputter begriff, der mal dringend durch einen schickeren neologismus abgelöst gehört) inklusive eintrittspreisen und stadtplankoordinaten aufgelistet und beschrieben werden, — aber eben doch nur in form von anekdoten und beispielchen. die dann zusammengenommen ein bild ergeben, das im idealfall ein gefühl für die zu beschreibende gegend erzeugt, aber in wirklichkeit eben nur an der oberfläche dessen kratzt, wie es wirklich ist. man kapituliert ein bißchen vor der mittelbarkeit, wie üblich.
man könnte sich etwas zusammenbasteln aus der tatsache, daß hier überdurchschnittlich viele jungs brillen tragen. daß die uhren, die in der tankam university die zeitzonen der wichtigsten städte zeigen sollen, alle stehengeblieben sind bis auf die eine mit der lokalen uhrzeit. daß taxifahrer betelnüsse kauen und auf ihrem im taxi eingebauten fernseher telenovelas gucken. während der fahrt.
daß fast überall klassisch gemeinte musik läuft, vom fahrstuhl bis zum coffeeshop, gern auch in einer gema-pendant-freien xylophon-version. daß es vollkommen selbstverständlich ist, daß buffet-überreste nicht weggeworfen, sondern in doggybags aufgeteilt mit nach hause genommen werden. daß trotz merklichen werbe-overkills im öffentlichen raum fast nirgendwo coke und pepsi nerven. daß die flure im hotel every few minutes auf den desired smell gebracht werden, mit einem sanften zischen aus dem festinstallierten robo-raumspray-zerstäuber. daß die bedienung im restaurant stolz erzählt, auch schonmal in deutschland gewesen zu sein, aber erst ihren mann fragen gehen muß um herauszufinden, in welcher stadt genau. und der weiß es dann auch nicht. daß es hier praktisch nie zu unfällen kommt, wahrscheinlich gerade wegen und nicht trotz der unverkrampften fahrweise.
all das in verbindung mit der mittlerweile oft genug beschriebenen herzlichkeit und smoovität, die einen durchschnittlichen mitteleuropäer eben doch immer noch erstaunt, wenn er hier unterwegs ist; all das in verbindung mit den niedrigen preisen, den dimensionen der stadt, der (politischen/internationalen) rolle des landes; — all das ergibt leider noch immer nicht das bild, das man bereits dann bekommt, wenn man gerade mal ein paar tage in taipeh unterwegs ist.
[ frank l. | 2008-04-26 | 08:52 | # ]
was aber eben auch beeindruckt, wenn sich die ganzen anderen dinge erstmal gesetzt haben und aus dem staunen das stellenweise wundern geworden ist: daß es einem gar nicht so eng vorkommt. auf der insel leben 23 millionen menschen, die fläche ist zwar so groß wie baden-württemberg, aber zwei drittel davon bestehen aus dschungeln und bergen im landesinneren.
eigentlich erwartet man also ein füßetreten und um-menschen-herumschlängeln, aber das gibt es nur ansatzweise in der rush hour auf den hauptstraßen, und kaum betritt man die kleineren seitenstraßen oder die engen hinterhofgassen, wirkt alles schon wieder wie ausgestorben und ruhig. die gegensätze sind wohl größer, auch innerhalb der stadt, der signal-rausch-abstand höher. wenn man bereits um mitternacht aus einem kleinen keller-café kommt, weil dieses schließen muß aufgrund von anwohnerbeschwerden, kann man auf der straße zum ersten mal /hören/, wie taipeh klingt, wenn /es/ klingt, und nicht seine menschen und sein verkehr und seine betriebsamkeit. und auch wenn es niemandem aufzufallen scheint in so einem moment, zumindest keinem der gastgeber und der an taipeh gewöhnten, so ist das doch auch wieder eine jener wahrnehmungen, bei denen man erstaunt ist und lächelt und mit der neugelernten sicht auf diesen teil der welt erstmal seine erwartungshaltung konditionieren muß: damit diese mal nicht mehr ganz so herrisch auftritt, in zukunft. (aber das gilt ja eh in allen lebenslagen und nicht nur beim reisen.)
[ frank l. | 2008-04-24 | 08:51 | # ]