weg ist das ziel

was vermutlich falsch ist: die annahme, man würde letzte momente mehr schätzen, hätte man in jenem augenblick schon gewußt, daß es ein letztes mal ist bzw. war.

was vermutlich eigentlich ist: wenn du es weißt, lädst du den letzten moment mit erwartung auf und strengst dich so sehr an, bedeutung und emotion reinzupacken, dinge behalten zu wollen und details abzuspeichern, daß du dabei das eigentliche wahrnehmen vergisst und dich später nur noch an das bohei erinnerst, das du drumherum inszeniert hast.

was vermutlich richtig ist: drauf geschissen. du wunderst dich später höchstens noch, woran (und woran nicht) du dich erinnerst, — respektive lernst das, woran du dich nur noch erinnerst, eben zu schätzen. das reicht vollkommen und ist angemessener den eigentlich wichtigen momenten gegenüber.

was vermutlich gilt: all das nicht nur für beziehungen, sondern auch für tode, schulabschlüsse, umzüge, abschiede, festplattencrashs oder letzte zigaretten.

wie man das vermutlich kürzer sagen könnte: lass' laufen & und wirf endlich die kamera weg.

[ frank l. | 2012-08-25 | 11:44 | # ]

hier ist wo wir leuchten

ich erinnere mich an an den abend mit diesem halben absturz, an dem es schon viel zu spät war. mit der wackligen laune am anfang und der selbstverordneten spontaneität im mittelteil. mit der plötzlichen emoscheiße und dem splitternden glas und dem plötzlichen füreinanderwichtigsein, — nicht kitschig füreinander, sondern der jeweils andere zum zweck des einen, zur anwesenheit, zur vervollständigung. mit dem plötzlichen einanderbenötigen, mit dem affektknutschen und dem /stillsein/ und dem ungelenken umgang damit, mit dem weißwein und den eigenartig verständnisbeherrschenden blicken. ich erinnere mich an die wortlosigkeit, die so angebracht war, und den nieselregen und das geburtstagsgeschenk und an facebook-"withs". an taxi, tor, treppe. an den sound des vormittags und an das aufwachen am nachmittag erinnere ich mich. an die farbe des shirts, an die katzen, und an jede einzelne berührung. alles andere war unwichtig und wurde vergessen, aus gerechtigkeit.

[ frank l. | 2012-08-23 | 21:04 | # ]

this:


(– wolfgang herrndorf, in plüschgewittern)

[ frank l. | 2012-08-22 | 17:30 | # ]

von ahnungsforschung

"einmal her und zurück, bitte". die entfernung zwischen uns ist meistens nur ein paar millimeter weit, je nachdem wie breit das chatfenster gerade ist oder wie tief wir gerade in uns versunken sind (each other –vs– ourselves: pick one) und wie spät und wie selbstlos. wenn sie doch nur so wäre, wie sie glaubt zu sein, denke ich und vergleiche dabei mein eigenes innen mit dem außen.

"naja, zum einschlafen, blaues licht, das pulsiert so" sagt sie, und ich antworte "ah, ja" und denke egoistische assoziationen über schlafen und atmen und rhythmus. an ihrem augenwinkel hängt eine wimper, und weil ich alles außer meta verlernt habe, lächle ich und sage nichts dazu, als ich mich nicht traue sie zu berühren. und sie auch nicht. wenn wir ruhig sind, aber das sind wir selten, denn wir haben die köpfe permanent voller text und lärm und bedeutung, — wenn wir aber/also ruhig sind, dann können wir uns hören sehen, wie wir die köpfe mit text und lärm und bedeutung füllen, manisch, als würde uns die stille angst machen. in diesen momenten sind wir verliebt, aber das verrate ich ihr nicht.

es sind einzelne blicke oder momente oder einbildungen, an die ich denke und die mich weitermachen lassen. je unspezifischer, desto ärger (also: je unabsichtlicher, desto ehrlicher). "ich kann nicht aus meiner haut" schreibe ich, und "this won't change", weiß aber natürlich, dass das gelogen ist, wenn ich meinen oberarm betrachte. aber das verrate ich mir nicht. sie schläft dann meistens schon, und am nächsten morgen geht alles von vorn los.

(xkcd/433)

[ frank l. | 2012-08-11 | 00:24 | # ]

with or out you / tod und zumutungen

ich weiß schon längst selbst nicht mehr, wovon und woher und worüber und wozu ich schreibe; ich weiß nicht mehr, wo die energie herkommt und die beharrlichkeit und die stetigkeit dieser gefühle, die sich dann immergleich ins fastidentische format herausartikulieren und hier landen, als würden sie abgesetzt werden, aber dann eben doch direkt und immer wieder nachwachsen. ich weiß nicht mehr, um wen es alles geht, außer um mich, und ich weiß nicht mehr, wer hier schreibt, ich bin's nur manchmal. die kryptik überfordert mich, ich muß mir spuren und hinweise geben, um mich an mich zu erinnern und an dich und uns. ich verstehe mich am nächsten tag genausowenig wie ihr und vor allem du, ich verstehe mich am nächsten tag genausowenig wie euch und vor allem dich, und ich verstehe mich sowieso eher selten mit mir. // die taktik aber ist: abstrakt werden, dem meta-sinn auf der spur einfach noch viel nebliger und bildhafter werden, unkonkreter, fluffiger und wattiger, — bis der turm kippt, bis das innen nach außen umklappt, respektive umgekehrt, bis das alles aus sich heraus abkackt und explodiert. in kontext diffundieren, verdünnen, abstrakt as fuck bis zur auflösung, kopf d60. exakt dann werd' ich mich erwischt haben und vollständig verstehen und verstanden haben und es wird hell und laut und unfassbar gut und tragisch und glitzernd und emotional und deutlich und offensichtlich und KLAR, und dann wird das das völlig logisch naheliegende, ganz pragmatische ende sein von allem. // aber weil ich neugierig bin und sehnsuchtsvoll, weil ich ein schisser bin und emotional, weil ich verkopft bin und gespannt, weil ich noch überhaupt gar nichts verstehe von mir und weil mir mein kopf im weg und auf dem weg steht und liegt, weil es musik gibt und wahrnehmungen und vermissen und spannung und begeisterungsfähigkeit und drama und herz und schnaps — wird das hier vermutlich noch eine weile so weitergehen, bevor es mal knallt. it's THAT easy. ~~

(phantomherz.) ~~

in asien sah ich oft, wie essen in restaurant-schaufenstern präsentiert wurde, nämlich auf einem angerichteten teller einlackiert, modellhaft, wie spielzeug, bunt, vielleicht auch gar nie echtes lebensmittel gewesend sondern von vornherein nur imitat, jedenfalls mit einer haltbarkeits-optik versehen, die ich nur anfangs verstörend fand. "das ist nicht echt" sagte meine begleitung irgendwann beiläufig, und "das hoffte ich" antwortete ich damals, aber insgeheim sehne ich eher die möglichkeit eines solchen imprägnierens und anhaltens herbei, auch in anderen kontexten, vor allem in der wahrnehmung und gegenüber menschen und mir selbst. ~~

"es genügt manchmal schon zu wissen, dass es so etwas gibt", sagte sie, und ich war anderer meinung und nickte. ~~

[ frank l. | 2012-08-09 | 00:00 | # ]

love will tear us apart, vermutlich

und irgendwie war es dann doch vergleichbar. wie einerseits im berghain letzte woche michael gira wieder als (chef der) swans auf der bühne steht und ein donnern erzeugt, überall, akustisch und im hirn aller beteiligten, wie er die intensität als botschaft hat, eine wichtigkeit, ein anliegen, das zwar völlig unkonkret ist in seiner semantik, aber durch so eine AUFDIEFRESSE-syntax umhaut, dass man staunend und bewegungslos dasteht, kurz bevor man in trance — also in gedanken — de 20minuten-kloppern die koppführung überlässt. wie er fast ausschließlich meta ankommt, seine band als instrumente seines kopfs und seiner absicht begreift, und zweieinhalb stunden alle anwesenden so total und absolut abschaltet und abschottet und vollpumpt mit energie und lautstärke und bedeutung und argem.

und wie andererseits dann listener im cassiopeia das gleiche auf einer vollständig anderen ebene, nämlich ausschließlich dieser semantischen, hinbekommen: mit text und mimik und content, auf eine brutal autistisch-anmutende und vor allem manische art: mit brüllen und lächeln, mit freundlicher intensität, mit songs über survival und holes in our hearts, überhaupt natürlich über hearts und glaciers und relatives & relationships. mit andeutungen und mit subtext, mit offenheit und krassheit — und dann also eben auch mit argem, mit vielem, mit heftigem.

weil es eben exakt darum geht in dieser ganzen dramascheiße in den köpfen und in der stadt und in diesem alter zwischen 15 und 90 und in diesen momenten und in diesem uns, auch wenn wir uns weigern, ein uns anzuerkennen und unsere köpfe und unsere herzen und unsere momente: es geht um intensität und drama. we only ever fall in love with those that inspire us, von innen und außen. schnaps und klingelstreiche als hymnen.

(aber es wird noch eine weile und ein paar konzerte dauern, bis wir das so richtig verstanden haben. macht nichts.)

[ frank l. | 2012-08-07 | 23:37 | # ]

straight, manchmal auch edge

es sind immer freitage. it's the losers who win, und das macht mich doppelt glücklich, aber it's the losers who win, und das macht mich doppelt aggressiv. die herzscheiße steigt zu kopf, samstag kommt sie oben raus oder wird runtergeschluckt, so oder so wird sonntag der kater gepflegt und noch darauf angestoßen, und wenn irgendwer mal nach einer knackigen definition für "tragik" gesucht hat, dann bittesehr, gerne. hat ja doch alles mit potential und differenz zu tun. i won't try to fix you though, denn all die knalls, die wir so haben, sind schließlich das, was aufweckt, also am leben hält trotz anti allem. beating like a hammer. leider unbesieglich. die vollidioten könnten uns nichts mehr anhaben. aber auf freitage verzichten wollen wir ja eben auch nicht.

in diesem sinne: weitermachen.


[ frank l. | 2012-07-28 | 15:38 | # ]

rock to the rock, roll to the roll / einer von uns

if you follow me where i'm going
might take some time but you'd never know

ich habe ausnahmsweise einen fensterplatz an diesem sonntagnachmittag, wo ich ausnahmsweise auf dem weg zurück nach berlin bin, und bin ausnahmsweise so vollkommen neben der spur und neben mir und neben allem, weil ich szenen des letzten abends noch nicht vollständig verstanden habe, weil das hirn noch knabbert und nicht bei der sache ist, sondern bei einem hebräischen tohuwabohu und einem freiburger lippenstift und einem guten song und zwei bildern und einer seifenblase. i won't ever be where we are and where we should be. und direkt beim landeanflug und exakt in dem moment, als erste stadtfetzen erkennbar werden, singen the walkmen "and i sing myself sick about you", und obwohl sie damit vermutlich nicht berlin meinten, ist dieser blick und diese konstellation so /riesig/ in diesem moment, dass ich kurz flenne wegen heimat und drama und mimimimi, und wegen konsequenz und unbesiegbarkeit und euphorie und begeisterung, und wegen des ganzen potentials halt auch, wie immer, wie immer immer. ausnahmsweise.

my gun still shoots and my bird still sings
these tricks are tricks i learned from a king

[ frank l. | 2012-07-01 | 23:19 | # ]

schweiß und tränen

the walkmen haben mit "the rat" den vermutlich besten song aller zeiten geschrieben, las ich neulich irgendwo. wenn man den vermutlich besten song aller zeiten geschrieben — und das auch irgendwann verstanden und geglaubt, quasi verinnerlicht hat, ohne starallüren zu bekommen, sondern wenn man mal /gecheckt/ hat, was einem da passiert ist — dann verzichtet man eben auf glitzer und rumms, auf quatsch und spielchen, bei liveshows.

the walkmen

dann ist man erwachsen und gutangezogen, professionell as fuck, ein kleines bißchen demütig auch gegenüber dem erfolg, und beim spielen energiegeladen bis knapp über anschlag, trotz aller konzentration auf der bühne;

dann lockert man den krawattenknoten ein bißchen und zieht das sakko aus, wenn's zu warm wird;

dann rockt man die neue platte (die das beste album des bisherigen jahres ist, aber das wissen sowieso schon alle im raum, und das wiederum weiß die band, was das publikum auch weiß, deswegen lächelt die band, einfach weil sie so ein cooles publikum hat) .. dann also rockt man die neue platte mal eben so runter, fast als wäre sie angeboren und muttersprache;

dann macht man eben keine show, sondern musik;

dann sieht man die gänsehautpümpelchen auf dem unterarm des kleinen mädchens in der ersten reihe, das mit geschlossenen augen sowieso schon fast jeden song fehlerfrei mitgesungen hatte, beim besten song aller zeiten aber eben auch überrascht wurde von diesem /ergebnis/ der energie im raum — wenn nämlich jeder einzelne "YOU'VE GOT A NERVE TO BE ASKING A FAVOR / YOU'VE GOT A NERVE TO BE CALLING MY NUMBER" vor freude flennend nach vorn BRÜLLT, sich in diesem moment alles auf eine so arg /positive/ art entlädt;

dann geht man nach der zugabe eben nicht nach hinten von der bühne ab, sondern nach vorn durch's publikum hindurch, das sich nach dem heimkommen später alle völlig durchgeschwitzten klamotten vom leib reißen wird, während es den vermutlich besten song aller zeiten summt und sich fühlt, als könnte, sollte, müßte, würde es jetzt alles.

[ frank l. | 2012-06-12 | 00:02 | # ]

fuck you/me/off

no crowdsurfing wir schleppen die erinnerung an unseinander herum wie an hirninnenseiten festgeklebte plakatwände, desktop-wallpaper auf wahrnehmungsebene, alle details lauernd in permanenz. solang wir genug zu denken haben im vordergrund, nehmen wir sie nicht wahr, aber an aufräum-wochenenden und während systemupdates versuchen wir, sie mit lösungsmittel abzukratzen, nur der kleber ist zu hartnäckig und deswegen plakatieren wir lieber obendrüber anstatt anstatt. und grinsen zynisch, wenn uns auffällt, daß es ja doch nur plakatwände sind, von denen wir immer schreiben, wir also doch auch statt kitschhammer mal die spraydose rausholen könnten und den quatsch einfach übermalen. kognitives tipp-ex. immerhin ist's auch schon fast wieder ende juni.

[ frank l. | 2012-05-20 | 13:09 | # ]

sing garden (same old, same old)

we only have what we remember, aber ich mach' mir nichts aus besitz und das macht den schnapsgeschmack angenehmer. die schmerzen werden ins hirn tätowiert, nach ein paar tagen ist ihre wahrnehmung weggeblendet, fortgeblasen, ersoffen, aber die wunde ist ornament geworden. in den wenigen rationalen minuten finden wir das zum kotzen, ich besonders, aber die rationalen minuten trainieren wir uns, ich mir, auch noch ab, mit wein gegen schnaps und musik gegen menschen und freunden gegen erinnerungen. der exzess als notwendigkeit, als clumsy way of navigating in all dem nebel und mittelmaß, dem sich unterworfen wurde in einer schwachen minute im herbst.

"if only we could hold this forever
the breath, the breath, the flood line rising
we'll scramble just to dam up the river
but knowing full well we won't be staying dry
"
(– the paper chase, "this is a rape (the flood)")

[ frank l. | 2012-05-01 | 00:46 | # ]

imprägnation

es ist freitagabend gegen 21 uhr und der typ in der kassenschlange vor mir trägt kurze und beigefarbene (aber vermutlich anders genanntwerdenwollende) hosen, die über dem knie aufhören, dazu schuhe, die ebenso vermutlich flipflops genannt werden möchten. während ich u.a. dosentomaten auf's förderband lege, teilt er mir mit, daß "die dosentomaten von 'ja!' in einem test viel besser abgeschnitten" hätten. er guckt mich mittelinteressant an, ich denke nach über die situation, den zweck seiner mitteilung, meine laune, über dosentomaten und dosentomatentests, über discounter und supermärkte und eigenmarken, über flirtwilligkeit in supermärkten, über aggressionspotential, über tragik und über außenwirkung und über hochgestellte polohemdkragen, und kann mich nach eine gefühlten halben sekunde immerhin zu einem "mmmhm, aha" hinreißen lassen. kurzhose quittiert das mit einem "ja, doch, find' ich total spannend!" und wartet offenbar weiter auf einsetzende kommunikation. ich bin überfordert, nicht direkt von ihm oder von der dosentomatenfeststellung, am meisten von der szene in ihrer gesamtheit, im universalen zusammenhang. ich gucke durch ihn hindurch und lege meine dosentomaten vom band zurück zu den schokoriegeln. er hält die klappe und ich werde mich später fragen, wen von uns beiden die restschlange wohl für nebenderspuriger gehalten hat.

der kassenazubi weckt mich:
"möchten sie treuepunkte?"
"nope."
"fussballbilder?"
"nein danke."
"bargeld abheben?"
"auch nicht."
"soll ich meine klappe halten?"
"haben sie interesse an einem girokonto?"
"an einem was bitte?"

ich bezahle bar, gehe, und kaufe mir auf dem heimweg im italienischen feinkostladen die teuersten dosentomaten, die ich finde.

[ frank l. | 2012-04-29 | 17:49 | # ]

du bist nicht gemeint

i.
you and me against the world / .. bis es was dunkleres gibt.

ii.
mehr bauch, sage ich mir dann, denn es ist zuviel kopf, aber doch immerhin kein herz. ich habe geträumt, wir wären jemand anders. ich möchte wissen, wie du küsst. nicht, wie du bist, das weiß ich schon.

iii.
manchmal vergeht zu viel zeit beim einordnen und kategorisieren einer situation, zwischen uns, zwischen mir, um alles herum. da ist dann plötzlich /bewußtsein/ und reflexion, wo sie einen synapsenschlag zuvor noch nicht waren, und wir geraten vierzehn meta-ebenen weiter nach draußen und verlieren uns ohne einander. beim abdenken — das sich gewalttätig anfühlt, selbstermahnend, notbremsig — ist der zeitpunkt verpaßt, den wir für glaubwürdigkeit reserviert hatten, uns selbst gegenüber, und nichtinszenierung, dem anderen gegenüber. es gab auch gute momente, sagt das logfile.

iv.
you're my pride and joy etcetera.

v.
endlich passiert mal wieder was.

"dieser herbst war nur ein fallender soldat,
der frühling eine blühende wunde.
"
(– gzk, "der tödliche schlag")

[ frank l. | 2012-04-29 | 15:03 | # ]