wahlempfehlung

fangt wieder an nachzudenken. verabscheut arschlöcher, immer und überall. und hört auf damit, euch um irgendwas zu kümmern, das euch echt nichts angeht. seid hilfsbereit und nett, und setzt auf gesunden menschenverstand und bauchgefühl im umgang mit anderen menschen. seid skeptisch gegenüber heilsversprechen, am besten generell gegenüber versprechen. seid neugierig und interessiert, und findet fortschritt gut, technischen wie auch geistigen. schafft religion ab, hütet euch vor papierkram und verwaltung und ordnungsämtern. stellt werte und wertvorstellungen anderer in frage, entwickelt eure eigenen. tut keine dinge, die scheiße sind. weigert euch, für dumm gehalten zu werden, außer ihr seid es. setzt euch für andere ein, bietet hilfe an, wenn's geht, und versucht nicht andauernd erwartungen und erwartungshaltungen zu genügen. werdet lässiger und radikaler, werdet entspannter und bestimmter. werdet libertär. macht am 22. september meinetwegen ein kreuzchen bei den piraten oder eben nirgendwo, aber geht nicht davon aus, dass sich damit, dadurch und danach etwas ändert.

[ frank l. | 2013-08-27 | 20:39 | # ]

durchbrennen ("mamihlapinatapai")

der permanente subtext macht mich fertig (- aber, klar, die grundlegendsten prozesse von allen sind ja meistens die, die für hohe cpu-auslastung verantwortlich sind). das eingebundensein in bedeutungen, wenn wir uns sehen, und in andere wenn wir uns nicht sehen. none of our secrets are physical, sagt kevin barnes. also: diese momente der gewissheit, in einem moment in deinen gedanken zu sein, und dein wissen darüber, und umgekehrt – das narrative verliert so sehr an wichtigkeit, angesichts dieser runtergeschraubten /granularität/ bis zum augenblick, bis zum moment, zum zucken einer einzelnen synapse. ze bits and ze bytes of atemberaubung. "den nächsten gang einlegen musst du jetzt aber", sage ich immer dann, wenn meine rechte hand gerade auf deinem bein liegt, und wäre ich nicht so sehr mit wahrnehmen beschäftigt in diesem moment und mit sehnsucht in allen anderen, würde ich über die doppeldeutigkeit schmunzeln.

[ frank l. | 2013-08-26 | 00:09 | # ]

verhalten (adj.)

es ist eine riesige torkelei, sage ich dann meistens, wenn du mich nach der gratwanderung fragst, die mir zu präzise bezeichnet vorkommt – eine torkelei zwischen dem sub-, kon- und every other text there is, zwischen all diesem meta jedenfalls einerseits, und zwischen der wahrnehmung und dem gespür anderer-. oder doch ein taumeln?, sagst du, und ich lächle kurz und stimme zu, bleibe im kopf aber bei torkeln, schließlich muss da eine absichts- und anlasslosigkeit mitschwingen. torkeln also. was denn eigentlich, fragst du, wir, sage ich, das mit- und zu- und in- und wegen-einander, und du seufzt kurz mit diesem blick (als ob blicke seufzen könnten, aber for the sake of unexaktheit und torkelei können sie es), diesem blick, der süffisant (allein das wort schon!) unernst schon eine torkelei für sich ist, und ich möchte charmant sagen, würge aber nur ein "aha?" hinaus. dann liegen plötzlich meine finger in deinem nacken, in deinen haaren, an dir, an uns, und wir torkeln weiter, zerrissen und sehnsüchtig, und wir denken, endlich, ist das gut.

[ frank l. | 2013-05-05 | 20:01 | # ]

begleiterscheinung (plus eins)

es gibt keine erklärung, weil es keine absicht gibt – soweit ist man dann schon mal mit der erkenntnis, im april, wenn es wieder frühlingt seit januar und die draußenkälte in drinnendrinks aufgewogen wird und der herzschlag bei kontakt immer noch in baumhaushöhe klettert. da saßen wir schließlich in jenem alter, das zur selbstwahrnehmung heute gehört hätte, auch schon – passt. mir fallen analogien und metaphern ein, aber keine schemata, keine lösungen, noch nicht mal ordentliche probleme, nur situation und moment und wahrnehmung – und wenn /der/ groschen fällt, also die vollständige loslösung passiert von dem wahn, es müsse ein ziel da sein, ein ergebnis: dann!

"zusammen sind wir feuer" schreibt eine andere über andere, meint damit aber vermutlich trotzdem uns.

(schalt' das navi ab, wir werden schon unfallfrei irgendwo ankommen.)

[ frank l. | 2013-04-17 | 18:29 | # ]

die umstände.

reflek/tier

nachtträume von unverwundbarkeit und nacktheit, von nervosität und schwarz. tagträume von genau dem gleichen. das erste gesetz der psychodynamik: auch auf kalten füßen kann man stehen, wenn's wenigstens am brustkorb warm ist. irgendwas wird sich dann schon an- oder ausgleichen. das schlimme ist: es funktioniert immer. wieder. ~~

these are the days, setzt du an, und noch bevor du "of" hauchst, ergänze ich "lass' den scheiß". überreflektiertes gequatsche hab' ich selbst schon genug in meinem kopf, das macht mittelfristig auch nur traurig (und der große trick, dem man so oft auf den leim geht, ist ja eben dieses mittelfristige, das sich so gut tarnt – als wären nähe und ferne bedeutender, als wäre das /sofort/ und das /ewig/ irgendwie wichtiger als das /bald/) – und traurig ist doch das, was wir nur kennen, aber nicht können. und diesen letzten teil denke ich mir nur, weil er altklug klingt, ich mir also alt vorkomme als ich ihn zulasse. ohne komma. ~~

[ frank l. | 2013-04-01 | 19:34 | # ]

heiserkeit

es gibt keine wiederholungen – es gibt sich ähnelnde schemata, es gibt abschriften und auflagen, es gibt remixe. für exakte wiederholungen aber fehlt's an konstellation und setting, an rahmen und an /moment/ – so einer, also so ein moment, buddy, lässt sich eben nicht wiederholen, sage ich, und staune über das eingeflochtene "buddy", als würde ich väterlich klingen müssen, ohne es zu wollen. jedenfalls: ich bin ja (ja?) kein stoff für einen roman, ich bin kein wälzer, ich bin immer eine /version/ eines –allerhöchstens- kolumnentexts. ich bin meine eigene glosse, ghostgewritten und durchtrieben und unbedingt, aber eben ein serial. ich bin eine eintreffende vorhersage, eine inszenierung, aber kein abbild, noch nicht mal ein analoges. buddy. exaktheit my ass, und was zählt ist ja eigentlich nur, manchmal, also immer: "wow" & we could be heroes.

[ frank l. | 2013-03-27 | 21:55 | # ]

ich versteh' das doch in einer woche schon selbst alles nicht mehr.

das wahnsinnig, das ich werde, ist meist eine version von muskelkater. kein defekt, sondern: eine nichtgewöhnung, eine außergewöhnlichkeit – und selbst kaputtness kommt ja immer auch auf die perspektive an, auf die absicht und die wertvorstellung. alltag und abhärtung dann: die faserrisse verheilen lassen und wieder aufreißen. dem gewebe, der verflechtung, der konstellation (..) beibringen, wie es/sie zu funktionieren hat. habitation als euphemismus für adaption, schlimmer wäre schließlich nur noch gesichtsverlust. ~~

wir machen klingelstreiche und trinken wein, manchmal auch andersrum. bei berührungen sind wir behutsam, bei nichtberührungen voll mit sehnsucht. wir entwerfen metaphern und schreiben texte, die alle das gleiche aussagen, und wir fühlen uns wie meta-teenager dabei. die sprache, die wir in kurznachrichten einsetzen, ist nicht geheim, sondern privat, und wenn uns jemand darauf anspricht, streiten wir ab. wir sagen wir, wenn wir ich meinen, oder ich uns. ~~

die "toxische manie" (rinck, sinngemäß), die in so einem offenen diskurs, streit geradezu, mit dem bauchgefühl und diesem ganzen ratio-dreck ist – diese manie also, die einen packt, die man zuerst rationalisiert und dann instrumentalisiert (na das wäre doch gelacht, freund kontrollverlust, wa?), die ist eben so selten und notwendig wie jede andere form von argheit auch. in watte gepackt, gemeinsam mit dem bewußtsein, in watte gepackt zu sein, läßt die kratzer und spuren und dellen und schäden und die ganze abgefucktheit und verrücktheit und gestörtheit, zerstörtheit quasi, vermissen, die ja losgeworden werden wollte, oder meinetwegen /sollte/, sei's drum. das wissen darüber, die logik dahinter, daß die greatest love story ever told eben doch besser von woody allen als von shakespeare stammt: das ist zwar noch keine manie, aber, ja, close enough. ~~

[ frank l. | 2013-03-11 | 23:33 | # ]

u+266e

"eine mischung aus panik und kitsch" (zit. monika rinck) wühlt sich quer durch meinen kopf und hinterläßt wünsche und rhythmus, wortspiele und andeutungen: auf dem heimweg, der auch /immer/ eine metapher ist, selbst wenn er mal keine sein sollte. rausch ist absatz, also paragraph, nicht verkauf – und wegen des unterschieds, wegen der ungewöhnlichkeit, mögen wir uns auf einmal so sehr darin, und fast nur dann. die bezüge nach draußen sind das, was uns so flasht, immer kurz vor den heimwegen, und innerhalb des rauschs finden wir nicht statt. nähe passiert nur im unterschied. –

(rausch mit zeitlichem potential, also wegen der seltenheit des auftretens, aber eben auch mit inhaltlichem, also der ungewöhnlichkeit; ein doppelt artikulierter /moment/ gewissermaßen)

– später im taxi, das auch /immer/ eine andere metapher ist, selbst wenn es mal keine sein sollte: versionen, formulierungen, ausarbeitungen, kontraste. du behauptest, du magst das, und ich nicke und lächle schon wieder, als ich endlich vergessen habe, ob ich eigentlich allein auf dieser rückbank sitze oder zu zweit, und wer heute eigentlich gewonnen hat. du kannst nicht aus meiner haut.

[ frank l. | 2013-03-03 | 23:05 | # ]

intra & inter

woran wir eventuell kapitulieren: daß dinge kein ende haben, zwar auch keinen anfang, aber eben vor allem kein ende – daß wir immer nur einen auszug mitbekommen dieses streams der ereignisse, daß wir uns den beginn und das ende selbst festlegen, weil wir darauf trainiert sind, weil die erwartung so läuft und weil uns endlichkeit vertrauter erscheint als ausschnitte eines ganzen.

das "always" macht uns angst, und manchmal wird uns genau das bewußt und wir verfluchen die erkenntnis, die klarheit, und uns natürlich, in allen konstellationen. i fell for you, "29 years before i met you", sage ich dir dann über einen kitschigen blogtext oder eine karte oder eine andeutung, also über eine beiläufigkeit, die diesem stream und der enttäuschung und dem verständnis gerecht werden soll, dafür aber nie ausreichend ist. dann wechseln wir das thema.

woran wir kapitulieren: an der unangemessenheit unserer gefühle, vermutlich.

[ frank l. | 2013-02-24 | 14:05 | # ]

simon says

wir schreiben geschichten, nur nicht auf. (geschenkt: daß der autor nur medium ist, /durch/ das die dinge artikuliert werden – geschenkt deswegen, weil es viel zu nah an schicksalsgesteuertem esoquatsch der sorte "die welt spricht durch mich" oder "ich geh' mal eben thomas bernhard channeln" vorbeischrammt.) sondern vielmehr: die geschichten und konstellationen, das /drama/ und die emotionalität, der puls – das passiert ja alles ganz automatisch, und man nimmt es wahr, meinetwegen auch nur unterbewußt, aber – dieses geflecht an handlung, das uns verbindet und verknotet, so daß wir eigentlich banden und gangs gründen müßten und vor bewußtsein und überforderung eigentlich wie gelähmt und vor /fülle/ eigentlich aus dem staunen nicht mehr herauskommen sollten, dieses geflecht an handlung also, exakt das ist die geschichte, und nicht der text darüber, das script dazu oder das buch zum kopfkino.

[ frank l. | 2013-02-10 | 21:50 | # ]

krib

was wir in erwägung ziehen sollen: ein mashup aus lee hazlewood und gisbert zu knyphausen. ~~

in meinen textchen ginge es nur um so liebeskram, hörte ich neulich, und ich war in diesem moment nicht schlagfertig genug, um mit der mir liebsten und vermutlich von woody allen stammenden (oder wenigstens dort aufgeschnappten) theorie zu entgegnen, daß liebe und/oder tod schließlich der anlaß und antrieb von /allem/ auf der welt sind und ich mich mit dem tod doch schon lang genug auseinandergesetzt habe, dann ist doch jetzt nach außen wenigstens auch mal der liebeskram dran, egal wie ernst und akut und kitschig und profan und verkopft und ironisch dann im jeweiligen fall eben auch immer. (außerdem, daß ich konjunktive anstrengend finde.) ~~

auf dem heimweg, der nicht nach hause führte, fiel uns zum ersten mal auf, wie ähnlich wir tickten, was bäume und rhythmus angeht. (..) ~~

[ frank l. | 2013-02-04 | 20:33 | # ]

sonntagrhythmus

("es sind nur 120 stufen", sage ich zu dir, und nach der vierzigsten kommt es mir vor, als wären es schon 100, oder noch 200, und nach 600 schritten sind wir dann angekommen und erinnern uns wieder ans atmen, wir drei, die unangenehme stille und du und ich. wir sind uns nicht mehr ganz sicher, wie lang wir uns eigentlich schon kennen, in situationen wie dieser, haben uns aber irgendwann gemeinsam darauf geeignigt, daß es uns egal sein sollte und nichts ändert. die vollidioten können uns schon längst nichts mehr anhaben und die guten mittlerweile auch nicht mehr, wir haben die sprunghaftigkeit abgelegt und sind ratlos resonant, so fanden wir uns immer am besten. für sex sind wir zu betrunken und für schlaf zu müde. "vielleicht ist ja auch gar nicht die empfindlichkeit, sondern nur die aufmerksamkeit erhöht?" vermutest du laut, aber ich habe vergessen, worauf das eine antwort sein sollte. (..))

[ frank l. | 2013-02-03 | 00:20 | # ]

entente (rot)

"sie ist die erste seit langem, auf die ich mal wieder neugierig bin," sagt er, und ich denke nach über die letzte, auf die ich neugierig war, und mir fällt auf, daß mit der fähigkeit, menschen und situationen und konstellationen zu durchschauen, offenbar ein nachlassen der neugierde einhergeht (der volksmund brüllt aus dem off "schlau fickt schlecht!", aber der volksmund hat mundgeruch) – also, erkenntnis des jahrhunderts, daß verstehen vielleicht doch kein allheilmittel ist. maybe deswegen der drang zum schnaps, in situationen. fuck, schon wieder was verstanden.

[ frank l. | 2013-01-15 | 00:44 | # ]