die updates wurden installiert.

man "denkt (und ist) wagemutig, indem man sich überfordert", hab’ ich (vermutlich auch bei monika rinck, wo sonst) gelesen. und wenn die geschichten im kopf nicht mehr überfordern, sondern angemessen sind und klar, all die gedanken an encounters und kontrollverlust und an das was sein kann und sollte, an sonntage (nur sonntage), und an nähe (statt allem) und körper (statt kopf) und an nahbarkeit und intimacy (nicht: intimität, denn wenigstens sprachlich braucht’s dann eben mittelbarkeit, in a way), prollformuliert also an sex&sau und verlangen&benutzen, aktiv wie passiv, an hingabe und aufgabe, an das ganze potential, an das was kommt, aus dem heraus, was war:

(so under the brine, so vacant and kind, so out of our minds, we were so vacant)

.. dann ist das alles so logisch intensiv, und geht ja nicht mehr weg. wagemutiger sein, sich überfordern, vielleicht so, nämlich: aus dem teenieromantik-ding (lyrisch wie kognitiv, das ganze geblogge und getexte und gedenke und zuckrige) in etwas greifbareres verwandeln. aus der ironie einen guten zynismus machen: die unmachbarkeit neu denken, kühnheit trainieren, unerschrockener sein, vermessener und abenteuerlustiger. dinge meinen statt sagen, weil sie aus dem gleichen anlass heraus kommen, den gleichen ursprung haben wie die geschichten und fantasien, die dadurch ja nicht an bedeutung verlieren. im gegenteil.

starten sie den computer jetzt neu, um die installation der updates abzuschließen.

[ frank l. | 2016-12-14 | 13:02 | # ]

knüller ist auch nur ein komparativ

der wille und drang, spuren zu hinterlassen – als artefakt in einen (anderen) kontext zu rutschen, für eine erregung fremder synapsen zu sorgen, anfang einer kettenreaktion sein zu wollen, ganz egal welchen ausmaßes – dieses "teil von etwas neuem sein wollen" als grundlegender antrieb, als geradezu dem leben (und: leben, als verb) angemessener trieb, dieser aspekt von selbst-erhaltung über etwas vergängliches hinaus, oder überhaupt alle spuren, andeutungen, wegweiser, richtungen, zerfaserungen, verkettungen, die man so aufbaut und deren teil man ist und die teil von einem sind und eben auch teil von allen, allem anderen, das durch spuren entstehende GEFLECHT, die dabei mitschwingende originalität, die verflechtung, ..

– (hier gern mal kurz luft holen und das hirn entwirren, weil noch immer kein prädikat auftauchte) –

dieser wunsch, spuren zu hinterlassen, völlig egal ob es knutschflecke sind oder testamente, ob es aufgeplatzt-blutende lippen oder einzelne haare an kopfkissen sind, ob seifenblasen nach dem verplatzen eben doch noch da sind und im boden versickern, dadurch aber ja nicht nie dagewesen sind – spuren also, die man un- & -terbewusst der welt aufdrückt:

herz statt haken

(holzmarkt)

die (ah, endlich, ein prädikat ..) ERKENNT man dann plötzlich nicht nur an sich selbst (dort ja offensichtlich), sondern auch bei anderen wieder. und sei’s der rabe, der hasengleich über die straße hüpft und damit zum individuellen "meme" des tages wird, seien’s die sprayherzen für eine bessere welt, die hundescheisse am schuh oder die pfützen, durch die man mit "huii!"-geräusch braust, saust, düst, seien es die erinnerungen an nacht+nebel oder an nähe+nahbarkeit, an gleichklang und wollen und an glühwein+glühkörper:

das ist dann nämlich der ganze abfuck, der einem gelassenheit, geradezu latente zufriedenheit, oder wenigstens und immerhin lässigkeit ins herz pusht, massiv und arg und fest und überraschend und intensiv. der feedback-loop, der einen zu einem anderen menschen macht. in so herbsts wie diesem gerade.

klammerauf:

there's nothing true and nothing's real
but i remember one clear feel
warm beneath your gentle company
while i lay dying upon some bed
i hope that you remember this
the only one i want to see is you

klammerzu.

[ frank l. | 2016-12-12 | 14:55 | # ]

irritationen von dir

und das, was badiou die "konstruktion" von liebe nennt – also nicht (und im gegensatz zu) der erfahrung oder wahrnehmung, denn letztere sind ja "kontaminiert" mit assoziationen, und liebe ist da bei ihm eher ein "gründungsakt", weil "zwei subjekte in ihrer verschiedenheit auf die gleiche welt schauen" (man kann beim lesen spüren, wie das licht angeht, übrigens) – diese konstruktion also, ganz im dienste der erzählbarkeit ("meinten sie 'prosaische verdichtung'?"), ist eben der punkt, der nicht nur zeitlicher, sondern auch inhaltlicher anlass ist für herbst und kopf und für neuköllner nächte und spätiweißwein und blicke, wo’s ja nicht mal um liebe geht sondern um so eine art empathie der welt gegenüber. dass man sich nicht nur passiert ist, sondern passiert, und den füllfederhalter reaktiviert und die finger warm bleiben, aus gründen, und dass man sich für wagemutig hält, dass die "ideologiefreie" (zitat irgendwer) version von rockmyworld entsteht. erregungskurven. wenn man die augenhöhe akzeptiert und verstanden hat zwischen sich und nichtsich, wenn die überforderung zur forderung wird, wenn das ereignis kein zeitpunkt ist, sondern ein geschehen, eine irritation, ein anlass: dann, alles.

[ frank l. | 2016-12-06 | 14:53 | # ]

just us, against the world (remix)

panik kommt nicht durch herzrasen oder atemnot oder zittern, panik kommt durch das unerwartete unbekannte, setze ich an, im kopf, und verfeinere sowieso schon beim reden jedes mal diese steile these, mittels artikulation: das herzrasen wird zwar nicht geringer dadurch, dass man es zum elften mal durchlebt, aber die aussicht auf hinterher ist es wohl, die eventuell die welt repariert. das wissen um vermutliches überleben. man kennt den rennenden hasen irgendwann, denke ich, man wird lässiger im umgang mit der empfindungsentropie.

und dass das (also: alles) im positiven eben auch so tickt, ach was, alles: ich, und du, vor allem du, denn ich erkläre ja die welt, die kaputte. also dass alles eben im guten genau so ist, ekelhaft romantisch ist die welt kaputt, nämlich: nicht die hormonwallung selbst haut einen um, nicht die schmetterlinge im arsch und der stock im bauch, nicht das teenie-ding als solches, sondern der überraschungseffekt. die plötzlichkeit. die erste ableitung der stimmung, denke ich, das achterbahneske des gefühls, und komme mir total kluk vor, mit k, formuliere das aber alles selbstverständlich nicht so, sondern mache meinen job, den ich durch die kaputtheit der welt bekommen habe: reparieren. her mit den flammen, wenn’s echt nur daran hängt, wer braucht denn schon so eine hand? freestyle gegen panik, und: mit hilftjanix in wahn & sinn.

i am not afraid of nothing else,
all the wrong things i can do
follow me when i'm without you.

[ frank l. | 2016-11-16 | 10:08 | # ]

i could sleep for thousand years

(schall und wahn, ich fleh’ euch heute an, in euer angesicht: bitte verlasst mich nicht)

die band kriegt mich, als erstes, von der abartigen lautstärke und dem kontext und der stadt und dem tag mal abgesehen und von "vorel" als opener, die band KRIEGT mich an mindestens zwei stellen: dann, als der rhythmus ganz kurz stolpert, als an den stellen mit den sozusagenbreaks (in a way) der takt, die pause, vielleicht ein vierundsechzigstel länger ist als erwartet, als das innehalten passiert, die störung. als die ruhe vor dem wiederlosbrettern kein exaktes timing, also natürlich schon ein exakt geplantes, aber kein exakt ins restschema passendes timing verpasst bekommt. die band kriegt mich mit dieser haltung, also mit der verwendung eines solchen timings, das völlig irritiert. und dass irritation von irre kommt, ist ja so offensichtlich wie kunst von kannstmichmal.

(überall wo ich nie bin in dieser doch recht schönen stadt, überall wo ich nie bin und niemand mich gesehen hat, schaute ich mich um und ich war allein – und völlig ohne grund war ich glücklich es zu sein)

die welt kriegt mich, danach, auf der heimfahrt wieder per timing, als noch auf der a14 westwärts der flieger ("meinten sie 'die maschine'?") eine gefühlte mittlere ewigkeit genau über mir im landeanflug auf den leipziger flughafen schwebt, als the eye of time bei "mass" gerade so klingen, als wären sie aus dem soundtrack zu the fountain rausgekrochen, als würde das kronos quartet auf meinem beifahrersitz dafür sorgen, dass ich flennen muss, beim fahren, im regen, trotz, wegen müdigkeit, weil die choreographie so passt, weil alles ineinandergreift und die selbstwahrnehmung nicht wie IN einem, sondern WIE ein film abläuft, schizophren gerade, gleichzeitig abstrakt und empathisch, und relativ zu einem selbst diese boeing-tralala-kiste genau obendrüber so ganz minimal schneller, über mich hinweg, dass ich mir am ende nicht mehr sicher bin wer gerade meine maschine lenkt und wer den flieger gecastet hat in diese szene hinein, in diesen moment. (bei the fountain wäre es die stelle mit dem baum, am ende, bei mir am schkeuditzer kreuz ist’s das sehr knappe geradenichtganzverpassen der abfahrt zur a9.)

(mein ruin ist mein bereich, denn ich bin nicht einer von euch)

und dann kriegt mich der kopf, endlich. mit dem "russian circles"-tinnitus und dem "the eye of time"-bauch, also voller konzentration auf herz und allesandere, also wirklich ALLES andere – mit entropie-metaphern, mit bandbreiten und irritation/überraschung und informationsdichte, die die ganze (liebevoll gemeinter fachausdruck voraus) herzscheiße da so mitbringt, im herbst, wie immer im herbst, der mein frühling ist, herzherbst, herbstherz. wo wir’s gerade von timing hatten, der kopf und ich, wir beide. wo wir’s gerade von irre hatten, das herz und die weichen knie, wir drei. wo wir telefoniert haben, wir. of all the things. von der perfidizität des gegenseitigen timings seit damals, von temporären (logisch) buden, von herbst (logisch), von affekt und wein und möglichkeiten und davon, dass du gerade lächelst beim lesen, und du auch, und ich, der jemand anders ist. wie immer. am rasthof köckern den obligatorischen mccafékaffee eingepackt, weiter durch den regen, zu dir, trotz timing, lass abhauen, türmen, irre, irritiert, herzplatt-hubschrauber. (plot twist: wenn man die garderobenmarkennummern der letzten wochen aufaddiert, kommt der fastfünfzehnte oktober 2015 raus, und der fastfünfzehnte oktober 2016 halt auch. mathematisch mutig vielleicht, ja – aber das mit dem timing war ja schon immer so eine sache, wenn man erst mal verknallt ist.)

(alles gehört dir, eine welt aus papier; alles explodiert, kein wille triumphiert)

[ frank l. | 2016-11-08 | 13:11 | # ]

create christ, sailor boy ̷̨ͣͩ͂́͌̂ͬ̎͗̿ͩͬ̂ͦ̐ͭ͆̀̚̚͢҉̜̟͍̼

5htp statt kopf – nah dran am citalopramwattebausch, gewöhnung ist alles, es fängt am regen. logfiles und sent-ordner als archive der selbstwahrnehmung wie so ein traumtagebuch: je verschwommener und wegger desto weicher. luzidität dank icd-10 gewissermaßen – je präziser die abstraktion, desto stulliger die rechtfertigung ("meinten sie echt fertigung?" – "nee, google, ich meinte nostalgiekitsch."), und wie es bleibt, ist es nicht, bekanntlich. oh, the irony.

(neither coming nor going / but what is shall be)

aber mal im ernst: warum verzweifeln charaktere in schwarzweißfilmen nicht an der monochromatik ihrer gesamten welt? auf welchem level liegt deren bewusstsein, wie meta ist deren denke? und, im klassischen "werden wir alle nur geträumt"-sinn eines unterstufen-deutschaufsatzes: wieviel objektivität kann da drinstecken, macht man (ich) sich (mich) über wahrnehmung (obacht!) gedanken? wie viel konvention der sorte "ist dein rot das gleiche wie mein rot" wird da nicht mehr hinterfragt, während wir (ihr) brötchen kauft oder streetfighter zockt? wieviel dirk gently steckt in alexander kluge, und wann (endlich) drehen wir (alle) völlig durch?

(eating fire / dreaming marbles)

lob der dialektik: alles ist bewerbung, auch der dialog. und viel mehr ist remix als man (du) vermute(s)t – jeder stirbt für sich, und abgesehen davon gibt’s eben doch einen unterschied zwischen verb und prädikat. das zu verinnerlichen ("meinten sie schlucken?" – "nee, google, ich meinte eher sowas tumoreskes, und hör’ auf mich zu siezen.") ist halt die kunst, und die kommt vom gönnen, hat neulich jemand behauptet, der nicht ich war. wie so viele. damnit.

(and then it shines: we’re all dust, none of this runs eternal)

[ frank l. | 2016-08-11 | 23:03 | # ]

ein kurzer versuch über coolness

all diese zumutungen, denen man sich so ausgesetzt fühlt, – also das persönlichnehmen, das aufsichbeziehen, all diese deutungen mit ursache everyoneelse und zweckziel magen/nerven/herz/kopf bei einem selbst, all das vermeintlich böswillige, was einem per welt so widerfährt, all was man so sozial angetan bekommt:

als würde der fahrer auf der straße vorndran absichtlich und nur genau exakt jetzt und hier so bekloppt agieren; als gäbe es den kurzfristigen bürgeramtstermin nicht mehr nur aufgrund böswilligkeit des mitarbeiters, ach was, des lebens, einem selbst gegenüber; als hätte der kollege schlechte laune nicht wegen der 124 anderen dinge in seinem umfeld; als käme die grippe selbstverständlich nicht zufällig genau am langen wochenende; als schrien die kinder im innenhof genau deswegen und vor allem dafür und dazu, einen mittags nicht schlafen zu lassen; als wäre das konzert abgesagt /zur/ versauung einer abendplanung; als wäre man quasi gezwungen, immer, (..)

.. all diesem zuleidlebenlassen, vermute ich, könnte man mit einer kultivierung des eigenen zynismus (von dem man ja ausreichend hat, in times und sozialkonstrukten like these, ihr wisst schon) begegnen – per umkehr in (und damit transformation zu) GELASSENHEIT gewissermaßen, und das dann nicht nur gegenüber allen anderen (verursachern) -"meinten sie milde?"- sondern vor allem eben auch bei sich selbst, was blutdruck und lebensqualität angeht.

tl;dr: meine güte, jetzt macht euch halt mal locker.

[ frank l. | 2016-05-13 | 09:58 | # ]

hasenbluten

"mit dem kaffee könnse hier nisch!" stupst mich der sonnenbankgorilla an, und ich lächle freundlich und warte ab, ob da noch ein satzprädikat folgt, gucke nach einer gefühlten ewigkeit noch immer nett fragend, hauche ihm ein ".. was denn?" in seinen dreitagebart, bekomme "gehtnisch!" als antwort und kann ihm dabei ansehen, wie er die fitnessstudioanabolika eigentlich gern anders hinausartikulieren würde, ihm aber in der fortbildung beigebracht wurde, wie-man-das-hier-bei-uniqlo-macht, der punkt "freundlichkeit & ansprache", vierpunkteins im secu-briefing gleich nach der dritten zigarettenpause am crashkursnachmittag für alle €400-aushilfen des "store-openings" (schulungsunterlagen auch online abrufbar, login-kennwort "berlinlaunch"). während er mich so anschwitzt, denke ich mir den rest, blödstellen ist ja auch immer unangenehm anmaßend, verlasse den laden, denke beim überqueren der straße über satzbau und semantik nach und darüber, was ich dort eigentlich wollte, weiche ein paar gallery-weekend-idioten und vielen mietrad-touristen aus, drücke dem straßenkreuzer-verkäufer mit dem guten schild (typo fragwürdig, aber perfekter satzbau inklusive prädikat) einen mittelgroßen schein in die hand, ablasshandel für mein gewissen quasi, wanke nach hause mit wildernessking auf den ohren und sehe dann nach, ob es immbilienscout24 eigentlich noch gibt. mitte geht echt ordentlich an die substanz.

[ frank l. | 2016-04-30 | 17:51 | # ]

library tapes

nilsfrahmiges bei auffem fenster und keksknutschkugelkaffee: stoisch-affektiver perplexitarismus während facebookanzeigenschaltungen und outofbodyahnung, mittendrin im nebel. den charakter eines solchen akkords erfassen, oder besser: den typ, die sorte, die BRAND der stimmung und selbstwahrnehmung verstehen in so einem moment, beim hören, beim erfassen, das könnte eventuell die große kunst (..) der selbstbezüglichkeit sein, um die herum man in (mit!) absätzen wie diesem nur blöde .. genau: eiert. you know, knickknack. jesus died for his own sins, not mine. prostern.

[ frank l. | 2016-03-23 | 16:31 | # ]

max richter / sleep, 2016-03-16, kraftwerk

was bei scooter eben das spektakuläre ist, im ganz eigentümlichen sinne debords (so banal wie beeindruckend, so plump wie toll), ist bei einem achtstündigen konzert von max richter auf eine ähnlich bekloppte art vielleicht der kraftakt-aspekt, das schwerbeschreibliche, das immense: "sleep" in vollständig, aufgeführt im kraftwerk (einem -ach?- ehemaligen kraftwerk!), von mitternacht bis acht uhr morgens, vor jeweils 400 feldbebetteten menschen, die mit schlafsäcken und kuscheldeckchen ausgestattet angerückt waren, live, zu siebt – inklusive max richter und einer sopranistin -, auf nahbarer bühne, in einer werknacht. man kann auf die "wie war’s?"-frage dann nicht einfach so antworten wie bei irgendeinem der paarhundert anderen konzerte, die man jedes jahr erlebt, und man kann nicht einfach eine wahrnehmungsbeschreibung in ein blog knallen und das ganze guten gewissens "rezension" nennen. dafür ist das erlebte zu arg, zu intensiv, zu seltsam und zu verrückt. genau wie scooter kein "konzert" spielt in dem sinne wie jemand, der auf konzerte geht, diesen begriff versteht, genau so wenig war die sleep-nacht (eine von dreien) ein solches konzert.

denn man sitzt anfangs auf den zugewiesenen feldbetten und erwartet ein nettes (wenn auch langes) sinfonisches ambient-konzert, mit jedem nickerchen und mit jedem abschweifen gewissermaßen rutscht man ein paar stücke tiefer in -huch!- genau diesen "schlaf", henne/ei-angelegenheit mal anders, der als empfehlung beim rezipieren schon mitgegeben wurde. aber so-rum wird eben eine möhre draus. will sagen: einem achtstündigen "werk" lässt sich nicht einfach so folgen wie einem dreieinhalbminütigen song, auch nicht wie einem einstündigen "set". die dramaturgie lässt sich nicht mal eben so erfassen wie bei musik, die man kennt. die "partiturlektüre" (oder besser: die kognitive choreographie der nacht, um die dramasemantik noch viel tiefer reinzureiten – also das potential, die chance, die möglichkeit ein solches werk noch nicht einmal zu interpretieren oder gar zu verstehen, sondern nur schon es erst mal aufzunehmen) scheitert.

sleep

graduell ist man immer mehr beeindruckt, zwei bis drei kurznickerchen weiter auf einmal geflasht und entrückt, obwohl-und-weil man permanent abschweift. beim hören, mitdenken, verstehenwollen. beim knistern der heizstrahler, beim bemerken der socken max richters, beim beobachten des eigenen zeitgefühls, bei tee und mitpublikum, angesichts der steadicam-operatoren und der flügel-marke und der bettenordnung und der notizen, die sich max richter während des konzerts in seine eigenen papiernoten kritzelt. all das überfordert und fächert die konzentration auf. sogar die angemessene lautstärke. während man acht stunden lang liegt, sitzt, läuft, positionen wechselt, wach ist, schläft, deliriert und fokussiert. nach sechs stunden erschrickt man aufgrund völlig plumper schönheit der musik, nach weiteren 20 minuten aufgrund der totalen ablenkung durch die interpretation der verschiedenen dynamiken (und: konstellationen) im raum, und irgendwann sind die acht stunden rum und man ist sich kitschig unsicher, wie hoch der traumanteil der letzten nacht gewesen ist.

(aber wenn wir schon bei "träumen" sind: hätte ich mir auch nie .. lassen, mal max richter und hp baxxter im gleichen banalwahrnehmungstext zu verwursten.)

beeindruckt vom eigenen scheitern in so vielerlei hinsicht ist man gewissermaßen, bemerkt man dann das alles auf dem heimweg im sonnenlicht. und meta auch noch mehr dadurch, von so zarter musik, von einem dermaßen unaufdringlichen kunstwerk, so durchgeschüttelt worden zu sein, dass man schon weiß, dass aus dem text darüber keine rezension mehr werden kann.

[ frank l. | 2016-03-17 | 13:45 | # ]

solļ

"kaputtness for fucking ever!" steht auf der kaffeetasse, so eine art embrace the hangover gewissermaßen, das pendant zum "durchhaltevermögen & verbrüderung"-ding aus plattenrezensionen, oder eben kurz: die PAROLE!, die mir nach 2016 hin-helfen soll. neben infinite dissolution, jagd & hund und ships will come – absichten statt vorsätze, parolen statt manifeste. kaputtness for fucking ever nämlich: nicht als zweck, sondern als grund-, ausgangs-, initial-zustand. von dem aus alles passieren und gut oder turbulenter oder okayer oder eigenartiger oder origineller werden soll. wenigstens. stagnation ("verwechselt mit gelassenheit") und zweifel ("meinten sie inkonsequenz?") werden ausradiert, nur der nebel kann, muss, bleiben: dichtheit, verdichtung, dichtung, dichtsein als parole. weg ist das ziel. ~~

(wir müssen alles rückwärts gängig machen)

ernst beiseite: was, wenn nicht die nacht zum kräftetanken für den tag gedacht ist, sondern umgekehrt? wenn es nur ein riesiges missverständnis war, den zeitraum "tagsüber" als zweck zu sehen, wenn man also eher mit wachheit und anstrengung bei sonnenlicht die nacht als ziel interpretieren sollte? wenn also alles so bleibend wie’s ist nur andersherum wahrgenommen wird, also versehentlich falsch, kulturell und historisch unhinterfragt, und vom weltgeist (hui buh!) nur umgekehrt gemeint war? wenn man den fokus mal viel mehr auf zerstreuung und wahn und affekt und schlaf und überraschung und originalität und dunkelheit legte, und sich das potential dafür, dazu, mit tagesübers erarbeitete? ein geregeltes seelisches grundeinkommen ab dem aufwachen, und die selbstverwirklichung dann ab der dämmerung? wie fühlte sich das an, wie nähme sich das wahr, schaffte man es, an so einen rhythmus anders heranzugehen? und konjunktive abzuschaffen? ~~

ich warte auf meiner eisbergspitze
am ende der physik
auf novemberhitze
und auf dinge dies nicht gibt
ich warte warte immer weiter
letztendlich auf musik

im stadium kognitiver auflösung jedenfalls, wo grenzen verschwimmen und takte erst zu synkopen und dann unsauber werden, wenn sex im morgengrauen stattfindet und dabei über "..-grauen" nachgedacht wird, über unexklusivität und "controlled usage is not usually fatal and abstinence is not immortality" und über die wortwahl "stattfinden" – in diesem stadium, in diesen phasen, momenten: was, wer artikuliert sich da im eigenen kopf? anmaßend. ungeklärt. ~~

(mittels druck und körperwärme wird aus unserer konfusion eine kernfusion)

(ich durchschaue dich. wie so viele, außer mich. womit wir ja auch wieder beim nebel wären. das bewerbungsgespräch war nur formsache, der kopf macht den strich unter die rechnung, komm her, sei kein irrtum, bleib da, ich will dich studieren, solang noch zeit ist. der schnapslose kater ist vielleicht einer der angenehmsten, aber wenn du fort bist, fehlst du uns.) ~~

[ frank l. | 2016-01-04 | 17:06 | # ]

2014 ende der tagesschau,
2015 brennpunkt,
2016 umschalten.

der späti-mann wünscht mir gegen 23 uhr ein "gesundes neujahr", ich halte das für originell (oder: verhört) genug um kurz zu stutzen, finde die formulierung aber -so oder so- auf relativ charmante art netter und cooler als das komplette restliche durchritualisierte floskelgewitter, das sich innerverwandtschaftlich jeden erstenersten per "FROHESNEUESJAHR!"-telefonterror abspielt. grinse beim bezahlen und fange auf dem heimweg im kopf an diesen absatz zu schreiben.

"wir bleiben dumm und klein und sprachlos / (...) krallen uns weiter fest am tellerrand, schau'n denen dahinter weiter zu / wir machen schulden, sammeln herzen / unsere selbstzweifel lassen das zu."

(überhaupt: grinsen. als würde 2016 sich bis an die zähne bewaffnen, oder an das, was meteorologische zeitabschnitte eben so haben anstatt "zähnen" – als würde sich das jahr also mit ironie und lässigkeit ausstatten, gestützt durch zeitzonendifferenzen und cheers!-ballons, also durch unterschiede und potential, wie immer, und durch unerwartet gute kurznachmitternächtliche silvesterkomplimente ("hast du etwa wieder ’nen böller persönlich genommen?"). grinsen wegen der selbstsicherheit aus trotz gewissermaßen, aus fuck2015 gespeist: wenn die lageenergie mehroderweniger null ist, muss die innere ja gegen platzhirsch gehen. physik-kitsch halt. differenzen sind ja auch nur spannungen. meta-grinsen. banal-gewördet: je kacker die 15, desto hoppsa die 16.)

"brennt alles nieder / fickt das system /
aber lasst mich erstmal schlafen gehen"

knapp vier stunden nach jahresbeginn altersmilder zynismus im umgang mit anstrengenden erklärbären, knapp 24 stunden nach jahresbeginn den kater im bauch und die selbstzweifel am arsch im umgang mit mir selbst. mit ego ins neue jahr also, respektive ins neujahr, also eigentlich nur ins wochenende, wie praktisch – "was hat dich eigentlich hierher verschlagen, du passt doch eigentlich gar nicht hier rein!?" – nimm das, bleigießen!

[ frank l. | 2016-01-01 | 23:56 | # ]

u+266e, zum mitnehmen, bitte.

"du hast mir gefehlt" schreibt k., mein kopf ergänzt "ich mir auch", verkneift sich aber sowohl kalauer als auch lüge laut zu artikulieren, spätestens als ihm auffällt, dass das eine eben auch das andere ist.

~

was man durchschaut, ist ja immer nur das fremde: je entfernter desto schärfer, floskelnebel ahoi. es ist was dran, dass man verdummt, je näher man rangeht an dinge – die frage nach einem beweis jedoch muss abschlägig beschieden werden, prost – weitsicht & stolz stehen da so im weg herum. als ob der unbeeinflussbare teil des lebens nicht schon zynisch genug wäre. bukowski lacht mich aus.

(das drama, das manchmal fast hilft – die eskalation, das kathartische, das brüllen statt schreien und der affekt statt wille – ist romantisch geworden und führt nur noch zu schlaflosigkeit anstatt zu erkenntnis. aber wenigstens das.)

~

"du mir auch", ergänzt der kopf dann irgendwann nachts, als es sich nicht mehr lohnt zu kokettieren, aber auch nicht mehr zu antworten. als ob offenheit jemals was gebracht hätte, bei diesen bewerbungsgesprächen um nähe und all die anderen tragisch zwischenmenschlichen notwendigkeiten. "du fehlst mir" schreibt der schlaflose kopf dann tatsächlich, noch später nachts. und schläft morgens irgendwann doch ein, beim nachdenken über semantische subtexte. viel zu nah dran.

[ frank l. | 2015-12-08 | 00:40 | # ]