klopstock!

"die bindung an den anderen wäre also auch eine /bindung des selbst/ — verhinderung seiner unendlichen entwicklung. keine andere entscheidung im leben der freien menschen hat diese tragweite, diese furchtbare konsequenz. allem lässt sich der charakter des provisorischen verleihen, des vorübergehenden, der etappe: der stadt, in der man lebt, dem beruf, in dem man arbeitet, der qualität der eigenen arbeit. nur die liebe beansprucht, vollendung zu sein, also endpunkt. den menschen will es scheinen, als müssten sie sich für einen ort entscheiden bis zu ihrem tod; als müssten sie sich mit dem erreichten für immer begnügen. jeder andere erscheint ihnen als schreckliche beschränkung."

(– sven hillenkamp, das ende der liebe)

was ein ganz und gar fürchterliches, also tolles, buch ist, aber knapp über unlesbar, weil auf rund 300 seiten immer und immer wieder die plattwalzung einer im grunde einzigen these stattfindet, unlesbar, weil es eine /wahnschrift/ ist, unlesbar, weil es wie ein manifest klingt, ein viel zu langes manifest, unlesbar, weil man es stellenweise nicht erträgt, weil es so wahr und so einleuchtend und so nah und so klar und so traurig ist, aber das dann eben auch zehn, zwanzig, fünfzig mal nacheinander mit sich nur in nuancen unterscheidender argumentation, wenn überhaupt, unlesbar, weil man das /anliegen/ spürt in jeder einzelnen zeile, und weil es /trotzdem/ komprimiert wirkt, als dürfe nichts davon fehlen, als wäre es nicht komprimierbar, nichts redundant, als wäre jedes satzzeichen ein echtes anliegen, unlesbar also wegen dieser diskrepanz vielleicht, unlesbar, weil es so tragisch ist. fürchterlich & großartig.

[ frank l. | 2011-08-25 | 00:27 | # ]

the national

(sending "anyone's ghost")

w. kratzte sich regelmäßig die augen aus, und überhaupt war kratzen eher eine fingerübung für ihn. er konnte die nacht gestalten, und wenn er aufwachte, wurde ihm regelmäßig schlecht davon. sein linker daumen zitterte permanent und die vor wochen zerdrückte motte klebte noch immer in staubresten an der rauhfaser. nichts half, und das lag daran, daß er nicht wußte wogegen. in der liste seiner facebook-"freunde" waren drei verzeichnet, die nicht mehr existierten. die einschläge kamen näher und er dachte viel nach über den unterschied zwischen kapitulation und resignation, mit einer affinität zu letzterer, denn die hatte so viel von der abgefuckten egalness, die ihm sympathisch erschien. love & death, hatte er mal bei woody allen gelernt (denn wichtige dinge für's leben lernt man bei woody allen oder unter alkoholeinfluss oder von freunden oder während extremsituationen, jedenfalls nicht "im internet" oder in "der schule") — love & death also sind die antriebskräfte von allem anderen. und mit der erinnerung an diese erkenntnis kam er über die gelbgeflaggten runden.

(receiving "think you can wait")

[ frank l. | 2011-08-21 | 22:42 | # ]

"mein block" –vs– "mein lor"

lebensweltlich orientierte räume (lor) in berlin.

(aber hätte man sich — wenn man sich schon die mühe macht, wahrgenommene strukturen (meinten sie "psychogeografische einheiten"?) der stadt als solche abzubilden (meinten sie "zu kartografieren"?) –, also, hätte man sich dann nicht einen sexieren (meinten sie "griffigeren"?) namen dafür einfallen lassen können?)

(via)

[ frank l. | 2011-08-21 | 10:05 | # ]

we want our film to be beautiful, not realistic

"oder vielleicht, mal was ganz neues, soll ich es doch lieber lassen, alles?
makes you wonder. denn things could be different, but they're not! haha!
"

no matter where we are // we're always touching by underground wires
(the past is a grotesque animal)

[ frank l. | 2011-08-17 | 22:50 | # ]

graustufen & s/w

total.

sei die pluseins. beachte nicht die restless legs und die herzfrequenz. lass uns zu den guten gehören. der unterschied zwischen your und our ist nur ein why weniger. stell' dir weniger fragen. lass mich euphemismen ausdenken, lass mich für dich (da) sein, lass mich pizzaschachteln mit wuatsch vollschreiben. versteh', dass es gar keine anderen möglichkeiten gibt, für mich, "aufgabe trotz hingabe" my ass, so läuft's nicht. sei misstrauisch und vorsichtig. hab' keine erwartung, dass das weg geht. ich geh' auch nicht weg, und selbst wenn ich sollen täte, würd' ich mich wehren. ich kann nur so, der versuch muss sein, abschreckung ist keine option. sorgen sind ein arschloch. keiner kann was dafür, aber ich was dagegen, vielleicht.

(absolut & giganten // thought you should know (by now))

[ frank l. | 2011-08-16 | 18:03 | # ]

graustufen

total.

[ frank l. | 2011-08-14 | 20:52 | # ]

tiny heartstrings made of petals and ashes

unsere stimmen sind dunkel und schön. wir verwenden imbegriffe. wir können jubeln, wir können aber auch heulen. wir lesen smartphonedisplays wie menschen, nur beiläufiger, paralleler. wir sind uns nah, fast immer. wenn wir allein sind, sprechen wir begriffe, namen oder titel manchmal laut aus, um herauszufinden, wie sie klingen und wirken und wie wir sie aussprechen könnten. wir fragen uns, was "löffelbiskuit" bedeutet, und wir fallen fünf zentimeter pro sekunde. wir haben angst, aber sind furchtlos. wir halten uns für aberglaubend und leisten uns zuspruch. im ernstfall lachen wir als übersprungshandlung, so haben wir's uns abgeschaut. in blaustufen sind wir am besten weil ehrlichsten, — und eigentlich wissen wir auch, daß wir überhaupt keine wahl haben.

(wir finden uns, und ab // wir sind füreinander, und da)

[ frank l. | 2011-08-13 | 22:52 | # ]

navi

als sie an mir vorbeiläuft, sagt ihr roter jutebeutel laut und deutlich "an der nächsten kreuzung bitte rechts abbiegen!", und noch bevor ich irritiert gucken kann, nimmt sie mir das vorweg und fuchtelt gleichzeitig an ihrer tasche herum, läßt dabei teile des inhalts fallen, findet auch die stimme dort im inneren zuerst nicht, schimpft leise (aber noch ausreichend laut), sammelt ihren kleinkram von der straße auf, findet so in der hocke dann aber doch noch den gps-wegweiser in der tasche und schaltet diesen schließlich mit geübtem handgriff und latentem fluchfuchteln ab, nicht ohne dabei nochmal verstohlen zu mir zu gucken, ob ich sie jetzt so womöglich ansehe, als wäre sie völlig übergeschnappt. tu' ich nicht. ich staune nur und sehe ihr noch eine weile hinterher, als sie weggeht. an der nächsten kreuzung biegt sie rechts ab.

[ frank l. | 2011-08-10 | 17:34 | # ]

"love, with the tiniest red torch, branded to your heart"

"draußen ist, wie ich mich fühle", dachte er, denn er dachte seit einiger zeit nur noch in zitaten, in versatzstücken anderer wahrnehmungen, und er mochte dieses dabei entstehende gefühl von selbstauflösung, denn es hatte diesen beigeschmack von von unendlichkeit, also progressivität, wie ja überhaupt /freiheit/ heutzutage vor allem die last der unendlichkeit und der möglichkeiten geworden ist. wie sollte man daran und deswegen nicht kapitulieren. "wüste oder dschungel oder meer oder himmel", denn es ist ja auch überhaupt nicht wichtig, wie der abgang im detail stattfindet.

an jenem abend war er also damit beschäftigt, sich aufzulösen, und war sich aber noch nicht sicher, ob er das wirklich gut fand, eine meta-ebene tiefer. allerdings: vielleicht musste man eine solche auflösung eben auch mal umdrehen in der wahrnehmung. sie nicht mehr als diffusion sehen, sondern: als abschütteln, entpuppen, reinkarnieren, auf die granularität scheissen. und während er noch zergrübelte, woher er diesen gedanken wohl hatte, lief der film (drehbuch welt, regie icke also er) weiter: "wir sammeln uns auf, und ich führ' dich wieder aus" (respektive "die fallschirme sind verbraucht", und sein kopf ergänzte "aber wenigstens ist noch wein da"). er öffnete die nächste flasche und lachte (leise, denn noch war er nicht vollkommen übergeschnappt) über all den kitsch und all die wahrheiten, die ihm so durch den kopf gingen.

[ frank l. | 2011-08-08 | 08:48 | # ]

origaming

der windrichtungsanzeiger in strandnähe auf rhodos ist meist eine dünne hose, die an einen besenstiel geklemmt ist. been there, do that. ein tinnitus klingt reizvoll. und wenn der blues anklopft, ist es vielleicht doch nur die blaue stempelfarbe auf der hand. vorsicht, das gedankenstauende liegt in einer kurve. spuren hinter lassen.

was beruhigt: die automatik im sozialen, die so völlig /organisch/ wirkenden geflechte, die sich ergeben morgens um fünf, wenn eben auch keine steuerung mehr notwendig (und sowieso schon nicht mehr möglich) ist — wenn sich alle graustufen für eine seite der monochromatik entscheiden, aus faulheit, aus rekursion, aus getriebenheit, kurz bevor die sonne dann doch noch aufgeht und die hosen ("untergegangener staaten") nur noch angegafft und nicht mehr betrachtet werden, an ihren besenstielen.

(und ich bin so froh über diese kryptik, die sich hier mittlerweile ganz zwangsläufig ergibt, und daß niemand mehr weiß, was all das ursprünglich bedeuten wollte, außer vielleicht ein paar wenigen, die nicht wissen, daß sie's wissen, und eben darum alles anders lesen. ich bin so froh, daß ich mir fremd vorkomme.)

vergangenheit lässt die welt schrumpfen, d.h. man erkennt dinge wieder, man erinnert sich, und spürt dabei eine verkleinerung der welt und der wahrnehmung, ein streben nach außen und zurückgeholt werden am gummiband, wenn sich ein rückblick bemerkbar macht. weil, binse, aber: jedes neuentdecken eben die welt vergrößert. fuck past tense, und (was du nicht kannst ist mehrere leben führen, again, und) von jedem artefakt, das neu ins leben hinzukommt, verspricht man sich schließlich erweiterung, ausdehnung. vielmehr: jede neuigkeit ist ein versprechen, eine ahnung oder wenigstens hoffnung auf verbesserung.

der turm stürzt ein; hallelujah, der turm stürzt ein.

(musick cures you of time.)

[ frank l. | 2011-08-06 | 16:53 | # ]

3(m|)

(alles außer uns. alle außer sich. jeder außer mir. du außer uns. niemand außerhalb. ich nicht, du nicht, keiner. außer vielleicht — ..)

[ frank l. | 2011-07-21 | 22:54 | # ]

ghostriders ii

so möcht' ich sein / und nie gelangweilt.
so will ich werden / und nie uneuphorisch.
so werd' ich uns tragen / und nie aufgeben.
so wird es sein / und nie anders.

(laut & fullscreen!)

(via dragstripgirl)

[ frank l. | 2011-07-14 | 11:49 | # ]

in-fin-ity (parolen)

nichts ist einfach, alles ist einfach. wenn der puls auf 140 geht und da bleibt, auch nach der eigentlichen panikattacke. unruhe als grundzustand, wetter vor regen, crescendo und septime ohne auflösung. an abenden mit klischeewolken, klischeealkohol, klischeestimmungen, klischeesituationen und klischeedialogen — und man versucht wenigstens den soundtrack dann nicht klischee, sondern nur pathos sein zu lassen. alles ist einfach, nichts ist einfach.

the car's on fire and there's no driver at the wheel and the sewers are all muddied with a thousand lonely suicides and a dark wind blows. the government is corrupt and we're on so many drugs with the radio on and the curtains drawn. we're trapped in the belly of this horrible machine and the machine is bleeding to death. the sun has fallen down and the billboards are all leering and the flags are all dead at the top of their poles. it went like this:

wir sind alle verrückt, keiner von uns ist verrückt. man denkt über den begriff wahnsinn nach. und sorgt sich um jene, die genauso sind, wie man sich selbst vermutet. es gibt eine einteilung in gute und schlechte, und die guten sind die, die immer als erste draufgehen und deswegen auf sich achten müssen, die banden bilden und behutsam sein sollten. die schlechten sind die, für die "menü" bedeutet "mit pommes und cola". this world is a mess — aber hab' keine angst, ich hab' schon selbst welche. keiner von uns ist verrückt, wir sind alle verrückt.

the buildings tumbled in on themselves, mothers clutching babies picked through the rubble and pulled out their hair. the skyline was beautiful on fire, all twisted metal stretching upwards, everything washed in a thin orange haze. i said: "kiss me, you're beautiful — these are truly the last days". you grabbed my hand and we fell into it, like a daydream or a fever. we woke up one morning and fell a little further down — for sure it's the valley of death. i open up my wallet and it's full of blood.

es brennt, wir sind stumm. so vieles könnte einfacher sein, wären wir nicht unbesiegbar. ich kann kein blut sehen, ich habe die augen geschlossen. ich spiele alle acht wochen das gleiche spiel und habe vergessen, wie es sich anfühlt, wenn es mal ganz gut aussieht. violinen und drogen, glockenspiel und wodka, nächte und feuer. wir heulen dennoch. nimm meine hand und lass uns fallen. wir sind stumm, es brennt.

[ frank l. | 2011-07-13 | 23:44 | # ]