wirklichkeitsfern sehen

küsse im nebel, nähesimulation. literatur als interpretation und/sowieso inszenierung von wirklichkeit, – andererseits: das sind horoskope ja auch, oder lottozahlen, denkt man mal aus der anderen richtung herein, hinab, mit-unter. ich kaufe ein äh. wahn / wähnen / wahr / wäre. virtuosität im dämmerzustand, denn: gerade das ist der einzige moment, in dem man sich noch zu verstehen glaubt, wenn man zwischendrin hängt, sich allem abliefert, herab, hinauf. ich härte mich ab gegen versionen. und küsse im nebel sind die wirksamsten.

[ frank l. | 2011-12-06 | 22:09 | # ]

fausi

"letzten sommer hatte sie mir ein foto von sich nach istanbul geschickt (…), und als ede es gesehen hatte, sagte er: 'wenn dich jemand aus der scheiße zieht, dann sie.'"

komparativ des tages: "whatever".

[ frank l. | 2011-11-30 | 00:00 | # ]

s/moll

nähern / nah / nähen / naht / nähe / nähte (ich&mich, dir, wenn). ~

"the power of love" läuft im kinderkarussell auf dem weihnachtsmarkt, und die kinder gucken verdutzt, während holly johnson "purge the soul / make love your goal" singt, aber das hat nichts zu sagen, kinder in diesem alter gucken immer verdutzt, wenn sie auf einem karussell sitzen während die eltern beglühweinend drumherum stehen und sich über überohrenmützenmode für vierjährige austauschen an so einem sogenannten verkaufsoffenen sonntag. ~

unauffindbar in trockenen tüchern und lauten hirnen. mittendrin im konjunktiv, er weiß es nur noch nicht. ~

nehme mir vor, "advent" unbedingt wieder aus der whitelist des adblockers zu entfernen. "laut hören" steht auf einem plakat, und ich schmunzle ein wenig, weil ich über semantik nachdenke respektive daß damit ja gerade /nicht/ der akt des hörens gemeint ist, aber doch eigentlich gemeint sein sollte, in der besseren welt, in der wir, die guten, über semantik nachdenken und musik schätzen und vor allem auch nicht /schmunzeln/, denn "schmunzeln" ist ein grauenhaftes wort, also gucke ich schnell wieder der situation angemessen. ~

passen: ab-, ver-, hin-, zusammen-. ~

klar: it's the last goodbye, i swear, behaupten the kills, aber die haben leicht reden. i'll protect you from the hooded claw / keep the vampires from your door. und ich gucke verdutzt, seit 2011. ~

atem und wein

[ frank l. | 2011-11-27 | 14:51 | # ]

extrawelt

es ist kurz vor zehn bei tageslicht, der bass pluckert zum nebel passend so launisch in der gegend herum, der kaffeebecher wärmt die fingerkuppen jener hand, die nicht auf gerade dem display fehlende nähe per umts auszugleichen versucht, und dass der track instrumental ist (aber das sind eh fast alle), ist gut, weil angebracht, an diesem kurz vor zehn bei tageslicht, denn er verwirrt nicht mit inhalten oder eigenem /content/, sondern macht platzda für eigenes geplucker, damit die gedanken zum nebel passend launisch in der gegend herumschnarchen können, und plötzlich kommt da sowas auf einen zu, das, wenn es mal groß ist, vielleicht ein /break/ werden könnte, momentan aber nur eine art erlösungsversprechen, eine septime, aber immerhin die, ein contentcrescendo sozusagen, und dann schieben sich auch noch die wolken weg und machen platz für die kitschsonne, genau im richtigen moment, und es ist zwar immer noch kurz vor zehn bei tageslicht, aber bei /anderem/ tageslicht auf einmal, das kleine breakchen ist genau in so einem höhepunktähnlichen mittelpunkt und die sonne strahlt die anderen menschen an, wo kommen die eigentlich auf einmal her?, und man grinst wegen des klischees und des soundtrackartigen moments und die nicht nur der bass pluckert jetzt sondern auch die sonnenstrahlen und das eigene grinsen und der rhythmus des fingerkuppentrommelns auf dem kaffeebecher und "pluckern" wird zum wort des tages, und der nebel ist auf einmal ja auch kein nebel mehr sondern ein meer, und das launische ist auf einmal ein /gefälliges/ in-der-gegend-herumdenken, stealth-modus, der tag kann endlich beginnen, fuck it, wie einfach man doch gestrickt ist, wie einfach ich doch gestrickt bin, aber musick cures you of time und dieser track eben heute ganz besonders, kragen hoch respektive kapuze auf und absprung.

[ frank l. | 2011-11-16 | 23:49 | # ]

halten:

im arm, die welt an-, die klappe, uns fest-.

(20†2)

[ frank l. | 2011-11-15 | 12:05 | # ]

ich weiss nur noch von licht /
zen arcade

alles auf anschlag, achteinszwo auf der rechnung, aber ein rezept gegen galgenhumor gibt's nicht. auf dem heimweg wieder gemerkt, dass die guten platten von hüsker dü eben doch nach leatherface klingen, und umgekehrt, und eigentlich ist das ein kompliment für beide – wenn das nur anderswo auch so einfach wäre mit der entspanntheit zwischen den extremen. kurzfristig neuer lieblingsbegriff des tages "auflösungszeichen", kurzfristiges amüsieren über dessen mehrdeutigkeit (und natürlich über wikipedia, "macht erhöhung oder erniedrigung rückgängig", logisch) und kurzfristig verliebt gewesen in eine .. nachricht – die wir ab sofort nicht mehr sms, auch nicht whatsapp, sondern bitte doch einfach nachricht oder mitteilung nennen wollen – auf dem display des hosentaschendingsis. die welt vermisst 'nen buchstaben. eins geteilt durch a case of you, lächelversuch im aufzugspiegel kurz vor schluss, dann vorhang und mehrwöchige aufgekratztheit. außer ich. selbstwahrnehmung als nice price.

("was reg' ich mich auf" // "blaue augen, blaue flecken")

[ frank l. | 2011-11-09 | 00:06 | # ]

zwo0zwölf

taktieren wird abgeschafft. vorsicht wird abgeschafft. warten benötigt kein mensch, und demut auch nur dann, wenn sie nicht in unterwürfigkeit ausartet. respekt ist manchmal okay. aber abwägen ist abzuschaffen, absolutheit wird obsolet, und unsicherheit entfernt sich von selbst. zurückhaltung wird verboten, enthusiasmus wird zur tugend und relevanz entsteht wieder von selbst. schwerfälligkeit wird abgeschafft, parolen werden belohnt wie ehrlichkeit, und understatement wird langweilig. unbesiegbarkeit wird schulfach, verbrüderung und singen werden zu zeitungsressorts, kryptik dafür ersatzlos gestrichen. erwartungen sowieso. taktieren wird abgeschafft, und wiederholungen auch.

[ frank l. | 2011-10-26 | 22:21 | # ]

tempus fuckit

wenn man, sagenwirmal, halluzinationen hat – und sich dessen bewusst ist, also eine meta-ebene weiter oben von der existenz der halluzinationen weiss und diese einordnen und auch einigermassen die einbildungen von der echtheit trennen kann, .. dann gibt es da so einen punkt, an dem das kippt und man übermotiviert deutet, man sich also beginnt nicht mehr ganz zu trauen, die judikative im hirn quasi einen lauf hat und euphorisch aber unkontrolliert herumurteilt und viel zuviel für halluzinationen hält, – man harmlose sachverhalte für völlig bekloppt hält, sich anfängt (wieder: meta) nicht mehr zu trauen beim bemerken dieser übermotivierung, man dem entsprechenden modul im kopf also befangenheit unterstellt, nur eben in die falsche richtung, und bevor man sich's versieht, schnappt man über, so ganz ohne hallus, nur weil einem das urteilsvermögen abhanden gekommen ist, ach was, weil man sich das urteilsvermögen nicht mehr zutraut (meta, remember).

(worauf wollte ich damit jetzt noch gleich hinaus? vergessen. vermutlich irgendein total kitschiger vergleich mit verknalltsein oder butterbrot. das übliche.)

[ frank l. | 2011-10-17 | 01:03 | # ]

binz.

am ende der ungefähr 400 meter langen landungsbrücke kann ich manchen menschen ansehen, aus welchem anlass sie hier sind. ich sortiere die drögen touristen und kleinfamilien aus, die auf ihre fähre wartenden pauschalbucher, die windkältequengler und die "könnten sie bitte ein foto von uns machen?"-frager. übrig bleiben die, die wegen des meers hier stehen. die stillen pärchen, die auch nur auf den horizont starren und fassungslos gucken; die stadtkinder, die zum ersten mal die ostsee erleben; die, die irgendetwas suchen, und es hier zwar auch nicht finden, aber vom erleben gerade erstmal abgelenkt sind, immerhin. manchmal steht ein rentnerpärchen neben mir, zu dem ich mir eine geschichte ausmalen kann, und selbst wenn ich völlig daneben liege, ist es doch eine wunderbar tragische und passende geschichte, das seh' ich in ihren blicken. keiner von denen weiss, warum ich hier bin, ich weiss es selbst nicht, die ganzen whatifs rennen im kopf herum und drehen laut auf, weil dort auf einmal soviel platz ist. anstatt zu sich zu kommen, ist man hier außer sich, auflösung statt einkehr, auch eine erkenntnis immerhin. zentrifugal.

~~

die strandrestaurants sind natürlich profis, preislich und qualitativ und was den service angeht. handgriffe sitzen, mahlzeiten benötigen höchstens ein paar minuten zwischen bestellung und gutenappetit, alles schmeckt einerlei, obwohl nicht völlig scheiße. es ist spektakulär langweilig hier zu sitzen. auf der pizza ist zuviel oregano und auf dem in dieser gegend immer noch als statussymbol missverstandenen großflachmonsterbildfernseher läuft eurosport im falschen seitenverhältnis, ohne ton, denn der kommt von aerosmith oder t'pau von einer timelife-collection aus dem off. das eis ist "orig. ital.", und die bedienung flirtet mit mir, das gehört zu ihrem job, mir gefällt es trotzdem, es stört mich zumindest weniger als die tv-fehlkonfiguration. pizza siebenfünfzig, doppelter espresso zweifünfzig, machen sie elf, grazie, und sogar der italienische akzent klingt für einen moment irgendwie unfake. hier denkt gerade keiner an das meer, und das ist mit abstand das schadeste von allem.

~~

ich wundere mich, dass ich nicht friere, wenn ich auf das meer starre und zuhöre. ich wundere mich auch, dass das meer nachts dunkler ist als der himmel, wenn ich mich nach ein paar minuten erst einmal an die schwarzkontraste ("meinten sie graustufen?") gewöhnt habe. ich wundere mich, dass ich bei starkem wind schlechter atmen kann. ich wundere mich ein wenig, dass mir die zwei buchstaben einfallen, die seit fünf jahren ein paar kilometer weiter links in einen baumstamm geritzt sind, nicht irgendwelche, sondern –natürlich- /diese/ zwei buchstaben, ich denke an störungen und an wiederholungen und muster und wundere mich ein bisschen weniger. mein hotelzimmer ist unanständig und unangemessen groß, ich habe keine ausrede ausser all den üblichen. wenn mich die traurigkeit bei den eiern packt, mit den fingern im mund und den fäusten im himmel, hab' ich immerhin genug platz um durchzudrehen. rapid mood movement: ab welcher frequenz kann man sich einfach auf den mittelwert einigen? fühle mich schäbig, und meta-deswegen also wieder besser: vielleicht wird das ja doch alles irgendwann wieder (futur ist ein fliegender weißer zotteldrache).

~~

"geht das zusammen?", fragt die andere bedienung am nächsten morgen, als sie die rechnung für den kaffee bringen soll. meine gag-erkennung ist noch nicht startklar, ich benötige einen tick zu lang und mein lächeln wirkt unsouverän. was das meer so mit einem macht.

~~

(was ich ja ganz fabelhaft kann, ist gutsein. hilft das?)

[ frank l. | 2011-10-05 | 19:15 | # ]

artaud, der alte scheißer.

"wir spielen das spiel hier doch so gefühlt alle vier wochen. mit dem unterschied, dass es diesmal doch irgendwie ganz gut aussieht. oder!?"
"so 'n bißchen fuckedup ist sie halt."
"ausreichend?"
"ich fürchte schon."
(2006)

(ein paar wochen ist das her, ein paar ratschläge, ein paar selbstauflösungen, ein paar ausweglosigkeiten und ein paar verzweiflungen, ein paar manische momente und ein paar depressive. ein paar menschen ist das her, ein paar verbindungen, ein paar ablenkungen. alles wie gehabt, wie üblich, wie ohne sie. aber ich glaube an herzschlag und wahnsinn und an farben, an m. und an silvester, an diazepam und an musick, an bars und an heimwege. kopf ist krieg.)

immer, wenn ich versuche, mich ins leben verlieben zu lassen, geschieht das.

"nul n'a jamais écrit ou peint, sculpté, modelé, construit, inventé, que pour sortir, en fait, de l'enfer."

nichts neues. // immer vorwärts.

[ frank l. | 2011-09-21 | 01:20 | # ]

regung

wir leben in der ewigen /konstanten/ suche, in einem therapiekreisel. wir alle sind suchende in permanenz und rechtfertigen diese zeitverschwendung mit notwehr, den mangel an selbstüberschreitung mit vorsicht, die stagnation mit vernunft. als ob wir raus auf die straße gehen würden, raus in die nacht, um etwas anderes zu erreichen als uns selbst. als ob nicht alle gründe niedrig wären, schließlich kommen sie aus der /egozentrischen/ ahnung (eher: hoffnung, höchstens: vermutung) heraus, – aus dem drang zu finden, erklärt zu bekommen, verstanden zu werden. erregungsabsicht. und es funktioniert so nicht, weswegen wir blinder werden und immer weniger verantwortung übernehmen wollen und noch nicht mal dafür die verantwortung übernehmen können, so reden wir uns ein, wenn wir wieder raus auf die straße gehen, raus in die nacht. erregungszweifel. vor uns liegen die möglichkeiten, also das potential, also der freiraum, und wir schämten uns, würden wir diese nicht nutzen, aber wir verkennen dabei immer wieder diese lähmung in disguise, die wir da eigentlich durchspielen, wir übersehen die zielgerade (und fallen so lang nicht tot um, wie wir den schuss nicht gehört haben, wir hasen). wir zittern nur noch, wenn wir allein sind, und wenn wir doch mal draußen, auf der straße, in der nacht, an der reflexion scheitern – also innehalten und nicht unser abbild betrachten, sondern uns selbst – dann resignieren wir, und sind in aller tragik in diesem moment wunderschön, und unsere blicke funkelnd und unsere handlungen großartig und toll.

[ frank l. | 2011-09-03 | 19:08 | # ]

klopstock!

"die bindung an den anderen wäre also auch eine /bindung des selbst/ – verhinderung seiner unendlichen entwicklung. keine andere entscheidung im leben der freien menschen hat diese tragweite, diese furchtbare konsequenz. allem lässt sich der charakter des provisorischen verleihen, des vorübergehenden, der etappe: der stadt, in der man lebt, dem beruf, in dem man arbeitet, der qualität der eigenen arbeit. nur die liebe beansprucht, vollendung zu sein, also endpunkt. den menschen will es scheinen, als müssten sie sich für einen ort entscheiden bis zu ihrem tod; als müssten sie sich mit dem erreichten für immer begnügen. jeder andere erscheint ihnen als schreckliche beschränkung."

(– sven hillenkamp, das ende der liebe)

was ein ganz und gar fürchterliches, also tolles, buch ist, aber knapp über unlesbar, weil auf rund 300 seiten immer und immer wieder die plattwalzung einer im grunde einzigen these stattfindet, unlesbar, weil es eine /wahnschrift/ ist, unlesbar, weil es wie ein manifest klingt, ein viel zu langes manifest, unlesbar, weil man es stellenweise nicht erträgt, weil es so wahr und so einleuchtend und so nah und so klar und so traurig ist, aber das dann eben auch zehn, zwanzig, fünfzig mal nacheinander mit sich nur in nuancen unterscheidender argumentation, wenn überhaupt, unlesbar, weil man das /anliegen/ spürt in jeder einzelnen zeile, und weil es /trotzdem/ komprimiert wirkt, als dürfe nichts davon fehlen, als wäre es nicht komprimierbar, nichts redundant, als wäre jedes satzzeichen ein echtes anliegen, unlesbar also wegen dieser diskrepanz vielleicht, unlesbar, weil es so tragisch ist. fürchterlich & großartig.

[ frank l. | 2011-08-25 | 00:27 | # ]

the national

(sending "anyone's ghost")

w. kratzte sich regelmäßig die augen aus, und überhaupt war kratzen eher eine fingerübung für ihn. er konnte die nacht gestalten, und wenn er aufwachte, wurde ihm regelmäßig schlecht davon. sein linker daumen zitterte permanent und die vor wochen zerdrückte motte klebte noch immer in staubresten an der rauhfaser. nichts half, und das lag daran, daß er nicht wußte wogegen. in der liste seiner facebook-"freunde" waren drei verzeichnet, die nicht mehr existierten. die einschläge kamen näher und er dachte viel nach über den unterschied zwischen kapitulation und resignation, mit einer affinität zu letzterer, denn die hatte so viel von der abgefuckten egalness, die ihm sympathisch erschien. love & death, hatte er mal bei woody allen gelernt (denn wichtige dinge für's leben lernt man bei woody allen oder unter alkoholeinfluss oder von freunden oder während extremsituationen, jedenfalls nicht "im internet" oder in "der schule") – love & death also sind die antriebskräfte von allem anderen. und mit der erinnerung an diese erkenntnis kam er über die gelbgeflaggten runden.

(receiving "think you can wait")

[ frank l. | 2011-08-21 | 22:42 | # ]