this:


(– wolfgang herrndorf, in plüschgewittern)

[ frank l. | 2012-08-22 | 17:30 | # ]

von ahnungsforschung

"einmal her und zurück, bitte". die entfernung zwischen uns ist meistens nur ein paar millimeter weit, je nachdem wie breit das chatfenster gerade ist oder wie tief wir gerade in uns versunken sind (each other -vs- ourselves: pick one) und wie spät und wie selbstlos. wenn sie doch nur so wäre, wie sie glaubt zu sein, denke ich und vergleiche dabei mein eigenes innen mit dem außen.

"naja, zum einschlafen, blaues licht, das pulsiert so" sagt sie, und ich antworte "ah, ja" und denke egoistische assoziationen über schlafen und atmen und rhythmus. an ihrem augenwinkel hängt eine wimper, und weil ich alles außer meta verlernt habe, lächle ich und sage nichts dazu, als ich mich nicht traue sie zu berühren. und sie auch nicht. wenn wir ruhig sind, aber das sind wir selten, denn wir haben die köpfe permanent voller text und lärm und bedeutung, – wenn wir aber/also ruhig sind, dann können wir uns hören sehen, wie wir die köpfe mit text und lärm und bedeutung füllen, manisch, als würde uns die stille angst machen. in diesen momenten sind wir verliebt, aber das verrate ich ihr nicht.

es sind einzelne blicke oder momente oder einbildungen, an die ich denke und die mich weitermachen lassen. je unspezifischer, desto ärger (also: je unabsichtlicher, desto ehrlicher). "ich kann nicht aus meiner haut" schreibe ich, und "this won't change", weiß aber natürlich, dass das gelogen ist, wenn ich meinen oberarm betrachte. aber das verrate ich mir nicht. sie schläft dann meistens schon, und am nächsten morgen geht alles von vorn los.

(xkcd/433)

[ frank l. | 2012-08-11 | 00:24 | # ]

love will tear us apart, vermutlich

und irgendwie war es dann doch vergleichbar. wie einerseits im berghain letzte woche michael gira wieder als (chef der) swans auf der bühne steht und ein donnern erzeugt, überall, akustisch und im hirn aller beteiligten, wie er die intensität als botschaft hat, eine wichtigkeit, ein anliegen, das zwar völlig unkonkret ist in seiner semantik, aber durch so eine AUFDIEFRESSE-syntax umhaut, dass man staunend und bewegungslos dasteht, kurz bevor man in trance – also in gedanken – de 20minuten-kloppern die koppführung überlässt. wie er fast ausschließlich meta ankommt, seine band als instrumente seines kopfs und seiner absicht begreift, und zweieinhalb stunden alle anwesenden so total und absolut abschaltet und abschottet und vollpumpt mit energie und lautstärke und bedeutung und argem.

und wie andererseits dann listener im cassiopeia das gleiche auf einer vollständig anderen ebene, nämlich ausschließlich dieser semantischen, hinbekommen: mit text und mimik und content, auf eine brutal autistisch-anmutende und vor allem manische art: mit brüllen und lächeln, mit freundlicher intensität, mit songs über survival und holes in our hearts, überhaupt natürlich über hearts und glaciers und relatives & relationships. mit andeutungen und mit subtext, mit offenheit und krassheit – und dann also eben auch mit argem, mit vielem, mit heftigem.

weil es eben exakt darum geht in dieser ganzen dramascheiße in den köpfen und in der stadt und in diesem alter zwischen 15 und 90 und in diesen momenten und in diesem uns, auch wenn wir uns weigern, ein uns anzuerkennen und unsere köpfe und unsere herzen und unsere momente: es geht um intensität und drama. we only ever fall in love with those that inspire us, von innen und außen. schnaps und klingelstreiche als hymnen.

(aber es wird noch eine weile und ein paar konzerte dauern, bis wir das so richtig verstanden haben. macht nichts.)

[ frank l. | 2012-08-07 | 23:37 | # ]

straight, manchmal auch edge

es sind immer freitage. it's the losers who win, und das macht mich doppelt glücklich, aber it's the losers who win, und das macht mich doppelt aggressiv. die herzscheiße steigt zu kopf, samstag kommt sie oben raus oder wird runtergeschluckt, so oder so wird sonntag der kater gepflegt und noch darauf angestoßen, und wenn irgendwer mal nach einer knackigen definition für "tragik" gesucht hat, dann bittesehr, gerne. hat ja doch alles mit potential und differenz zu tun. i won't try to fix you though, denn all die knalls, die wir so haben, sind schließlich das, was aufweckt, also am leben hält trotz anti allem. beating like a hammer. leider unbesieglich. die vollidioten könnten uns nichts mehr anhaben. aber auf freitage verzichten wollen wir ja eben auch nicht.

in diesem sinne: weitermachen.


[ frank l. | 2012-07-28 | 15:38 | # ]

rock to the rock, roll to the roll / einer von uns

if you follow me where i'm going
might take some time but you'd never know

ich habe ausnahmsweise einen fensterplatz an diesem sonntagnachmittag, wo ich ausnahmsweise auf dem weg zurück nach berlin bin, und bin ausnahmsweise so vollkommen neben der spur und neben mir und neben allem, weil ich szenen des letzten abends noch nicht vollständig verstanden habe, weil das hirn noch knabbert und nicht bei der sache ist, sondern bei einem hebräischen tohuwabohu und einem freiburger lippenstift und einem guten song und zwei bildern und einer seifenblase. i won't ever be where we are and where we should be. und direkt beim landeanflug und exakt in dem moment, als erste stadtfetzen erkennbar werden, singen the walkmen "and i sing myself sick about you", und obwohl sie damit vermutlich nicht berlin meinten, ist dieser blick und diese konstellation so /riesig/ in diesem moment, dass ich kurz flenne wegen heimat und drama und mimimimi, und wegen konsequenz und unbesiegbarkeit und euphorie und begeisterung, und wegen des ganzen potentials halt auch, wie immer, wie immer immer. ausnahmsweise.

my gun still shoots and my bird still sings
these tricks are tricks i learned from a king

[ frank l. | 2012-07-01 | 23:19 | # ]

schweiß und tränen

the walkmen haben mit "the rat" den vermutlich besten song aller zeiten geschrieben, las ich neulich irgendwo. wenn man den vermutlich besten song aller zeiten geschrieben – und das auch irgendwann verstanden und geglaubt, quasi verinnerlicht hat, ohne starallüren zu bekommen, sondern wenn man mal /gecheckt/ hat, was einem da passiert ist – dann verzichtet man eben auf glitzer und rumms, auf quatsch und spielchen, bei liveshows.

the walkmen

dann ist man erwachsen und gutangezogen, professionell as fuck, ein kleines bißchen demütig auch gegenüber dem erfolg, und beim spielen energiegeladen bis knapp über anschlag, trotz aller konzentration auf der bühne;

dann lockert man den krawattenknoten ein bißchen und zieht das sakko aus, wenn's zu warm wird;

dann rockt man die neue platte (die das beste album des bisherigen jahres ist, aber das wissen sowieso schon alle im raum, und das wiederum weiß die band, was das publikum auch weiß, deswegen lächelt die band, einfach weil sie so ein cooles publikum hat) .. dann also rockt man die neue platte mal eben so runter, fast als wäre sie angeboren und muttersprache;

dann macht man eben keine show, sondern musik;

dann sieht man die gänsehautpümpelchen auf dem unterarm des kleinen mädchens in der ersten reihe, das mit geschlossenen augen sowieso schon fast jeden song fehlerfrei mitgesungen hatte, beim besten song aller zeiten aber eben auch überrascht wurde von diesem /ergebnis/ der energie im raum – wenn nämlich jeder einzelne "YOU'VE GOT A NERVE TO BE ASKING A FAVOR / YOU'VE GOT A NERVE TO BE CALLING MY NUMBER" vor freude flennend nach vorn BRÜLLT, sich in diesem moment alles auf eine so arg /positive/ art entlädt;

dann geht man nach der zugabe eben nicht nach hinten von der bühne ab, sondern nach vorn durch's publikum hindurch, das sich nach dem heimkommen später alle völlig durchgeschwitzten klamotten vom leib reißen wird, während es den vermutlich besten song aller zeiten summt und sich fühlt, als könnte, sollte, müßte, würde es jetzt alles.

[ frank l. | 2012-06-12 | 00:02 | # ]

fuck you/me/off

no crowdsurfing wir schleppen die erinnerung an unseinander herum wie an hirninnenseiten festgeklebte plakatwände, desktop-wallpaper auf wahrnehmungsebene, alle details lauernd in permanenz. solang wir genug zu denken haben im vordergrund, nehmen wir sie nicht wahr, aber an aufräum-wochenenden und während systemupdates versuchen wir, sie mit lösungsmittel abzukratzen, nur der kleber ist zu hartnäckig und deswegen plakatieren wir lieber obendrüber anstatt anstatt. und grinsen zynisch, wenn uns auffällt, daß es ja doch nur plakatwände sind, von denen wir immer schreiben, wir also doch auch statt kitschhammer mal die spraydose rausholen könnten und den quatsch einfach übermalen. kognitives tipp-ex. immerhin ist's auch schon fast wieder ende juni.

[ frank l. | 2012-05-20 | 13:09 | # ]

sing garden (same old, same old)

we only have what we remember, aber ich mach' mir nichts aus besitz und das macht den schnapsgeschmack angenehmer. die schmerzen werden ins hirn tätowiert, nach ein paar tagen ist ihre wahrnehmung weggeblendet, fortgeblasen, ersoffen, aber die wunde ist ornament geworden. in den wenigen rationalen minuten finden wir das zum kotzen, ich besonders, aber die rationalen minuten trainieren wir uns, ich mir, auch noch ab, mit wein gegen schnaps und musik gegen menschen und freunden gegen erinnerungen. der exzess als notwendigkeit, als clumsy way of navigating in all dem nebel und mittelmaß, dem sich unterworfen wurde in einer schwachen minute im herbst.

"if only we could hold this forever
the breath, the breath, the flood line rising
we'll scramble just to dam up the river
but knowing full well we won't be staying dry
"
(– the paper chase, "this is a rape (the flood)")

[ frank l. | 2012-05-01 | 00:46 | # ]

imprägnation

es ist freitagabend gegen 21 uhr und der typ in der kassenschlange vor mir trägt kurze und beigefarbene (aber vermutlich anders genanntwerdenwollende) hosen, die über dem knie aufhören, dazu schuhe, die ebenso vermutlich flipflops genannt werden möchten. während ich u.a. dosentomaten auf's förderband lege, teilt er mir mit, daß "die dosentomaten von 'ja!' in einem test viel besser abgeschnitten" hätten. er guckt mich mittelinteressant an, ich denke nach über die situation, den zweck seiner mitteilung, meine laune, über dosentomaten und dosentomatentests, über discounter und supermärkte und eigenmarken, über flirtwilligkeit in supermärkten, über aggressionspotential, über tragik und über außenwirkung und über hochgestellte polohemdkragen, und kann mich nach eine gefühlten halben sekunde immerhin zu einem "mmmhm, aha" hinreißen lassen. kurzhose quittiert das mit einem "ja, doch, find' ich total spannend!" und wartet offenbar weiter auf einsetzende kommunikation. ich bin überfordert, nicht direkt von ihm oder von der dosentomatenfeststellung, am meisten von der szene in ihrer gesamtheit, im universalen zusammenhang. ich gucke durch ihn hindurch und lege meine dosentomaten vom band zurück zu den schokoriegeln. er hält die klappe und ich werde mich später fragen, wen von uns beiden die restschlange wohl für nebenderspuriger gehalten hat.

der kassenazubi weckt mich:
"möchten sie treuepunkte?"
"nope."
"fussballbilder?"
"nein danke."
"bargeld abheben?"
"auch nicht."
"soll ich meine klappe halten?"
"haben sie interesse an einem girokonto?"
"an einem was bitte?"

ich bezahle bar, gehe, und kaufe mir auf dem heimweg im italienischen feinkostladen die teuersten dosentomaten, die ich finde.

[ frank l. | 2012-04-29 | 17:49 | # ]

du bist nicht gemeint

i.
you and me against the world / .. bis es was dunkleres gibt.

ii.
mehr bauch, sage ich mir dann, denn es ist zuviel kopf, aber doch immerhin kein herz. ich habe geträumt, wir wären jemand anders. ich möchte wissen, wie du küsst. nicht, wie du bist, das weiß ich schon.

iii.
manchmal vergeht zu viel zeit beim einordnen und kategorisieren einer situation, zwischen uns, zwischen mir, um alles herum. da ist dann plötzlich /bewußtsein/ und reflexion, wo sie einen synapsenschlag zuvor noch nicht waren, und wir geraten vierzehn meta-ebenen weiter nach draußen und verlieren uns ohne einander. beim abdenken – das sich gewalttätig anfühlt, selbstermahnend, notbremsig – ist der zeitpunkt verpaßt, den wir für glaubwürdigkeit reserviert hatten, uns selbst gegenüber, und nichtinszenierung, dem anderen gegenüber. es gab auch gute momente, sagt das logfile.

iv.
you're my pride and joy etcetera.

v.
endlich passiert mal wieder was.

"dieser herbst war nur ein fallender soldat,
der frühling eine blühende wunde.
"
(– gzk, "der tödliche schlag")

[ frank l. | 2012-04-29 | 15:03 | # ]

"77 ways to say no"

irgendwann ist ihm die genugtuung abhanden gekommen. er reißt sich wimpern heraus und brüllt ihnen wünsche entgegen. eine nacht, ein rausch – während gleichgültigem regen, und neben taxis, die sich berlin antun, liegt der stolz so herum, auf dem heimweg. der kopf stört nur. er lernt es wieder, das mit dem heulen (dann hat er wenigstens auch eine erklärung für die rausgezupften wimpern). von treue/tragik und kampfnamen. the closest he ever got.

[ frank l. | 2012-04-22 | 05:53 | # ]

hinternherzen

die gästeliste freut sich, mich zu sehen. das mädchen mit den warmen augen ist meine pluseins, und wir sind uns an diesem abend noch nicht bewusst, was das bedeutet. wir trinken wein und sehen uns an, während die supportband dinge tut, dort vorn, und die seltsamkeit verschwindet zwischen uns. wir versuchen uns zu inszenieren und sind eine einzige übersprungshandlung. so süß.

sie guckt am intensivsten bei unsicherheit und selbstzweifel. auch so eine gemeinsamkeit. und daß wir es beide nicht zugeben wollen, oder werden. die menschen um uns herum sind nicht da, oder nur als projektionsfläche und übersprungstaktik vorhanden. der talk ist small, das strahlen ein erlösendes und die euphorie kommt von herzen, wie heute so vieles. es ist egal, wer damit angefangen hat.

mir wird schwindlig, als ich mir bewusst werde. wein hilft, und die pluszwei auch, beide lenken uns ab. von each other und ourselves. später schnaps. i'll follow you into the dark, aber am ende ist morgengrauen, und wir halten uns im arm und wissen nicht weiter und reden nichts mehr. "sie ist wie du", sagt c. am nächsten tag, und spätestens jetzt habe ich vergessen, wer wessen pluseins war, oder sein wird.

"und wenn uns doch am ende gar nichts bleibt /
flüstern wir: wir könn' verdammt gut dramatisch sein
"
(– ahzumjot)

[ frank l. | 2012-04-01 | 23:32 | # ]

angrillen

kulleraugen und sonnenlicht und positivität als geradezu exakter gegenentwurf zum allem gewohnten, zu aller verruchtheit und kaputtheit und komplexität oder besser kompliziertheit oder besser komplikation, die man sonst so tragisch schätzt im leben. auch nur eine sache von gewöhnung, vermutlich, natürlich. die harmlosigkeit dann aber schnellst als strategie interpretieren, als taktik deuten, den greatest trick the devil ever pulled durchschauen und dabei mitspielen, in der übereinkunft des bescheidwissens: ein "okay, let's play, life!"-pakt. unschädlich ist zu( meine)m glück nicht unbeschadet. harmlosigkeit als herausforderung: darauf noch einen schnaps oder vier. unsere wellenlängen sind nicht so unterschiedlich, wie du mir vormachst. oder ich mir. ist aber auch völlig egal. you'll learn, dear devil.


[ frank l. | 2012-02-26 | 11:13 | # ]