tempus fuckit

wenn man, sagenwirmal, halluzinationen hat – und sich dessen bewusst ist, also eine meta-ebene weiter oben von der existenz der halluzinationen weiss und diese einordnen und auch einigermassen die einbildungen von der echtheit trennen kann, .. dann gibt es da so einen punkt, an dem das kippt und man übermotiviert deutet, man sich also beginnt nicht mehr ganz zu trauen, die judikative im hirn quasi einen lauf hat und euphorisch aber unkontrolliert herumurteilt und viel zuviel für halluzinationen hält, – man harmlose sachverhalte für völlig bekloppt hält, sich anfängt (wieder: meta) nicht mehr zu trauen beim bemerken dieser übermotivierung, man dem entsprechenden modul im kopf also befangenheit unterstellt, nur eben in die falsche richtung, und bevor man sich's versieht, schnappt man über, so ganz ohne hallus, nur weil einem das urteilsvermögen abhanden gekommen ist, ach was, weil man sich das urteilsvermögen nicht mehr zutraut (meta, remember).

(worauf wollte ich damit jetzt noch gleich hinaus? vergessen. vermutlich irgendein total kitschiger vergleich mit verknalltsein oder butterbrot. das übliche.)

[ frank l. | 2011-10-17 | 01:03 | # ]

binz.

am ende der ungefähr 400 meter langen landungsbrücke kann ich manchen menschen ansehen, aus welchem anlass sie hier sind. ich sortiere die drögen touristen und kleinfamilien aus, die auf ihre fähre wartenden pauschalbucher, die windkältequengler und die "könnten sie bitte ein foto von uns machen?"-frager. übrig bleiben die, die wegen des meers hier stehen. die stillen pärchen, die auch nur auf den horizont starren und fassungslos gucken; die stadtkinder, die zum ersten mal die ostsee erleben; die, die irgendetwas suchen, und es hier zwar auch nicht finden, aber vom erleben gerade erstmal abgelenkt sind, immerhin. manchmal steht ein rentnerpärchen neben mir, zu dem ich mir eine geschichte ausmalen kann, und selbst wenn ich völlig daneben liege, ist es doch eine wunderbar tragische und passende geschichte, das seh' ich in ihren blicken. keiner von denen weiss, warum ich hier bin, ich weiss es selbst nicht, die ganzen whatifs rennen im kopf herum und drehen laut auf, weil dort auf einmal soviel platz ist. anstatt zu sich zu kommen, ist man hier außer sich, auflösung statt einkehr, auch eine erkenntnis immerhin. zentrifugal.

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die strandrestaurants sind natürlich profis, preislich und qualitativ und was den service angeht. handgriffe sitzen, mahlzeiten benötigen höchstens ein paar minuten zwischen bestellung und gutenappetit, alles schmeckt einerlei, obwohl nicht völlig scheiße. es ist spektakulär langweilig hier zu sitzen. auf der pizza ist zuviel oregano und auf dem in dieser gegend immer noch als statussymbol missverstandenen großflachmonsterbildfernseher läuft eurosport im falschen seitenverhältnis, ohne ton, denn der kommt von aerosmith oder t'pau von einer timelife-collection aus dem off. das eis ist "orig. ital.", und die bedienung flirtet mit mir, das gehört zu ihrem job, mir gefällt es trotzdem, es stört mich zumindest weniger als die tv-fehlkonfiguration. pizza siebenfünfzig, doppelter espresso zweifünfzig, machen sie elf, grazie, und sogar der italienische akzent klingt für einen moment irgendwie unfake. hier denkt gerade keiner an das meer, und das ist mit abstand das schadeste von allem.

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ich wundere mich, dass ich nicht friere, wenn ich auf das meer starre und zuhöre. ich wundere mich auch, dass das meer nachts dunkler ist als der himmel, wenn ich mich nach ein paar minuten erst einmal an die schwarzkontraste ("meinten sie graustufen?") gewöhnt habe. ich wundere mich, dass ich bei starkem wind schlechter atmen kann. ich wundere mich ein wenig, dass mir die zwei buchstaben einfallen, die seit fünf jahren ein paar kilometer weiter links in einen baumstamm geritzt sind, nicht irgendwelche, sondern -natürlich- /diese/ zwei buchstaben, ich denke an störungen und an wiederholungen und muster und wundere mich ein bisschen weniger. mein hotelzimmer ist unanständig und unangemessen groß, ich habe keine ausrede ausser all den üblichen. wenn mich die traurigkeit bei den eiern packt, mit den fingern im mund und den fäusten im himmel, hab' ich immerhin genug platz um durchzudrehen. rapid mood movement: ab welcher frequenz kann man sich einfach auf den mittelwert einigen? fühle mich schäbig, und meta-deswegen also wieder besser: vielleicht wird das ja doch alles irgendwann wieder (futur ist ein fliegender weißer zotteldrache).

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"geht das zusammen?", fragt die andere bedienung am nächsten morgen, als sie die rechnung für den kaffee bringen soll. meine gag-erkennung ist noch nicht startklar, ich benötige einen tick zu lang und mein lächeln wirkt unsouverän. was das meer so mit einem macht.

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(was ich ja ganz fabelhaft kann, ist gutsein. hilft das?)

[ frank l. | 2011-10-05 | 19:15 | # ]

artaud, der alte scheißer.

"wir spielen das spiel hier doch so gefühlt alle vier wochen. mit dem unterschied, dass es diesmal doch irgendwie ganz gut aussieht. oder!?"
"so 'n bißchen fuckedup ist sie halt."
"ausreichend?"
"ich fürchte schon."
(2006)

(ein paar wochen ist das her, ein paar ratschläge, ein paar selbstauflösungen, ein paar ausweglosigkeiten und ein paar verzweiflungen, ein paar manische momente und ein paar depressive. ein paar menschen ist das her, ein paar verbindungen, ein paar ablenkungen. alles wie gehabt, wie üblich, wie ohne sie. aber ich glaube an herzschlag und wahnsinn und an farben, an m. und an silvester, an diazepam und an musick, an bars und an heimwege. kopf ist krieg.)

immer, wenn ich versuche, mich ins leben verlieben zu lassen, geschieht das.

"nul n'a jamais écrit ou peint, sculpté, modelé, construit, inventé, que pour sortir, en fait, de l'enfer."

nichts neues. // immer vorwärts.

[ frank l. | 2011-09-21 | 01:20 | # ]

regung

wir leben in der ewigen /konstanten/ suche, in einem therapiekreisel. wir alle sind suchende in permanenz und rechtfertigen diese zeitverschwendung mit notwehr, den mangel an selbstüberschreitung mit vorsicht, die stagnation mit vernunft. als ob wir raus auf die straße gehen würden, raus in die nacht, um etwas anderes zu erreichen als uns selbst. als ob nicht alle gründe niedrig wären, schließlich kommen sie aus der /egozentrischen/ ahnung (eher: hoffnung, höchstens: vermutung) heraus, – aus dem drang zu finden, erklärt zu bekommen, verstanden zu werden. erregungsabsicht. und es funktioniert so nicht, weswegen wir blinder werden und immer weniger verantwortung übernehmen wollen und noch nicht mal dafür die verantwortung übernehmen können, so reden wir uns ein, wenn wir wieder raus auf die straße gehen, raus in die nacht. erregungszweifel. vor uns liegen die möglichkeiten, also das potential, also der freiraum, und wir schämten uns, würden wir diese nicht nutzen, aber wir verkennen dabei immer wieder diese lähmung in disguise, die wir da eigentlich durchspielen, wir übersehen die zielgerade (und fallen so lang nicht tot um, wie wir den schuss nicht gehört haben, wir hasen). wir zittern nur noch, wenn wir allein sind, und wenn wir doch mal draußen, auf der straße, in der nacht, an der reflexion scheitern – also innehalten und nicht unser abbild betrachten, sondern uns selbst – dann resignieren wir, und sind in aller tragik in diesem moment wunderschön, und unsere blicke funkelnd und unsere handlungen großartig und toll.

[ frank l. | 2011-09-03 | 19:08 | # ]

klopstock!

"die bindung an den anderen wäre also auch eine /bindung des selbst/ – verhinderung seiner unendlichen entwicklung. keine andere entscheidung im leben der freien menschen hat diese tragweite, diese furchtbare konsequenz. allem lässt sich der charakter des provisorischen verleihen, des vorübergehenden, der etappe: der stadt, in der man lebt, dem beruf, in dem man arbeitet, der qualität der eigenen arbeit. nur die liebe beansprucht, vollendung zu sein, also endpunkt. den menschen will es scheinen, als müssten sie sich für einen ort entscheiden bis zu ihrem tod; als müssten sie sich mit dem erreichten für immer begnügen. jeder andere erscheint ihnen als schreckliche beschränkung."

(– sven hillenkamp, das ende der liebe)

was ein ganz und gar fürchterliches, also tolles, buch ist, aber knapp über unlesbar, weil auf rund 300 seiten immer und immer wieder die plattwalzung einer im grunde einzigen these stattfindet, unlesbar, weil es eine /wahnschrift/ ist, unlesbar, weil es wie ein manifest klingt, ein viel zu langes manifest, unlesbar, weil man es stellenweise nicht erträgt, weil es so wahr und so einleuchtend und so nah und so klar und so traurig ist, aber das dann eben auch zehn, zwanzig, fünfzig mal nacheinander mit sich nur in nuancen unterscheidender argumentation, wenn überhaupt, unlesbar, weil man das /anliegen/ spürt in jeder einzelnen zeile, und weil es /trotzdem/ komprimiert wirkt, als dürfe nichts davon fehlen, als wäre es nicht komprimierbar, nichts redundant, als wäre jedes satzzeichen ein echtes anliegen, unlesbar also wegen dieser diskrepanz vielleicht, unlesbar, weil es so tragisch ist. fürchterlich & großartig.

[ frank l. | 2011-08-25 | 00:27 | # ]

the national

(sending "anyone's ghost")

w. kratzte sich regelmäßig die augen aus, und überhaupt war kratzen eher eine fingerübung für ihn. er konnte die nacht gestalten, und wenn er aufwachte, wurde ihm regelmäßig schlecht davon. sein linker daumen zitterte permanent und die vor wochen zerdrückte motte klebte noch immer in staubresten an der rauhfaser. nichts half, und das lag daran, daß er nicht wußte wogegen. in der liste seiner facebook-"freunde" waren drei verzeichnet, die nicht mehr existierten. die einschläge kamen näher und er dachte viel nach über den unterschied zwischen kapitulation und resignation, mit einer affinität zu letzterer, denn die hatte so viel von der abgefuckten egalness, die ihm sympathisch erschien. love & death, hatte er mal bei woody allen gelernt (denn wichtige dinge für's leben lernt man bei woody allen oder unter alkoholeinfluss oder von freunden oder während extremsituationen, jedenfalls nicht "im internet" oder in "der schule") – love & death also sind die antriebskräfte von allem anderen. und mit der erinnerung an diese erkenntnis kam er über die gelbgeflaggten runden.

(receiving "think you can wait")

[ frank l. | 2011-08-21 | 22:42 | # ]

"mein block" -vs- "mein lor"

lebensweltlich orientierte räume (lor) in berlin.

(aber hätte man sich – wenn man sich schon die mühe macht, wahrgenommene strukturen (meinten sie "psychogeografische einheiten"?) der stadt als solche abzubilden (meinten sie "zu kartografieren"?) –, also, hätte man sich dann nicht einen sexieren (meinten sie "griffigeren"?) namen dafür einfallen lassen können?)

(via)

[ frank l. | 2011-08-21 | 10:05 | # ]

we want our film to be beautiful, not realistic

"oder vielleicht, mal was ganz neues, soll ich es doch lieber lassen, alles?
makes you wonder. denn things could be different, but they're not! haha!
"

no matter where we are // we're always touching by underground wires
(the past is a grotesque animal)

[ frank l. | 2011-08-17 | 22:50 | # ]

graustufen & s/w

total.

sei die pluseins. beachte nicht die restless legs und die herzfrequenz. lass uns zu den guten gehören. der unterschied zwischen your und our ist nur ein why weniger. stell' dir weniger fragen. lass mich euphemismen ausdenken, lass mich für dich (da) sein, lass mich pizzaschachteln mit wuatsch vollschreiben. versteh', dass es gar keine anderen möglichkeiten gibt, für mich, "aufgabe trotz hingabe" my ass, so läuft's nicht. sei misstrauisch und vorsichtig. hab' keine erwartung, dass das weg geht. ich geh' auch nicht weg, und selbst wenn ich sollen täte, würd' ich mich wehren. ich kann nur so, der versuch muss sein, abschreckung ist keine option. sorgen sind ein arschloch. keiner kann was dafür, aber ich was dagegen, vielleicht.

(absolut & giganten // thought you should know (by now))

[ frank l. | 2011-08-16 | 18:03 | # ]

graustufen

total.

[ frank l. | 2011-08-14 | 20:52 | # ]

tiny heartstrings made of petals and ashes

unsere stimmen sind dunkel und schön. wir verwenden imbegriffe. wir können jubeln, wir können aber auch heulen. wir lesen smartphonedisplays wie menschen, nur beiläufiger, paralleler. wir sind uns nah, fast immer. wenn wir allein sind, sprechen wir begriffe, namen oder titel manchmal laut aus, um herauszufinden, wie sie klingen und wirken und wie wir sie aussprechen könnten. wir fragen uns, was "löffelbiskuit" bedeutet, und wir fallen fünf zentimeter pro sekunde. wir haben angst, aber sind furchtlos. wir halten uns für aberglaubend und leisten uns zuspruch. im ernstfall lachen wir als übersprungshandlung, so haben wir's uns abgeschaut. in blaustufen sind wir am besten weil ehrlichsten, – und eigentlich wissen wir auch, daß wir überhaupt keine wahl haben.

(wir finden uns, und ab // wir sind füreinander, und da)

[ frank l. | 2011-08-13 | 22:52 | # ]

navi

als sie an mir vorbeiläuft, sagt ihr roter jutebeutel laut und deutlich "an der nächsten kreuzung bitte rechts abbiegen!", und noch bevor ich irritiert gucken kann, nimmt sie mir das vorweg und fuchtelt gleichzeitig an ihrer tasche herum, läßt dabei teile des inhalts fallen, findet auch die stimme dort im inneren zuerst nicht, schimpft leise (aber noch ausreichend laut), sammelt ihren kleinkram von der straße auf, findet so in der hocke dann aber doch noch den gps-wegweiser in der tasche und schaltet diesen schließlich mit geübtem handgriff und latentem fluchfuchteln ab, nicht ohne dabei nochmal verstohlen zu mir zu gucken, ob ich sie jetzt so womöglich ansehe, als wäre sie völlig übergeschnappt. tu' ich nicht. ich staune nur und sehe ihr noch eine weile hinterher, als sie weggeht. an der nächsten kreuzung biegt sie rechts ab.

[ frank l. | 2011-08-10 | 17:34 | # ]

"love, with the tiniest red torch, branded to your heart"

"draußen ist, wie ich mich fühle", dachte er, denn er dachte seit einiger zeit nur noch in zitaten, in versatzstücken anderer wahrnehmungen, und er mochte dieses dabei entstehende gefühl von selbstauflösung, denn es hatte diesen beigeschmack von von unendlichkeit, also progressivität, wie ja überhaupt /freiheit/ heutzutage vor allem die last der unendlichkeit und der möglichkeiten geworden ist. wie sollte man daran und deswegen nicht kapitulieren. "wüste oder dschungel oder meer oder himmel", denn es ist ja auch überhaupt nicht wichtig, wie der abgang im detail stattfindet.

an jenem abend war er also damit beschäftigt, sich aufzulösen, und war sich aber noch nicht sicher, ob er das wirklich gut fand, eine meta-ebene tiefer. allerdings: vielleicht musste man eine solche auflösung eben auch mal umdrehen in der wahrnehmung. sie nicht mehr als diffusion sehen, sondern: als abschütteln, entpuppen, reinkarnieren, auf die granularität scheissen. und während er noch zergrübelte, woher er diesen gedanken wohl hatte, lief der film (drehbuch welt, regie icke also er) weiter: "wir sammeln uns auf, und ich führ' dich wieder aus" (respektive "die fallschirme sind verbraucht", und sein kopf ergänzte "aber wenigstens ist noch wein da"). er öffnete die nächste flasche und lachte (leise, denn noch war er nicht vollkommen übergeschnappt) über all den kitsch und all die wahrheiten, die ihm so durch den kopf gingen.

[ frank l. | 2011-08-08 | 08:48 | # ]