i miss you more than i knew

"i've got no time i wanna lose to people with something to prove."

und dann bei 02:47 dieser dezente, ganz zurückgenommene background-gesang, als würden die bandkollegen gerade bei einer nächtlichen strandparty sitzen, dieses siewissenschongefühl, lagerfeuer, intelligente und nur latent betrunkene menschen, die einfach ungefragt in den gesang einstimmen, am anfang noch kurz grinsen, weil sie es selbst dann doch eigentlich albern finden, aber scheißdrauf und man ist nur einmal jung in anführungszeichen, .. und tolle musik die ganze nacht, die einen an die zeit erinnert, in der man noch jung war ohne anführungszeichen, und gespräche statt unterhaltungen, menschen statt leute. und im morgengrauen sind alle noch wach, die noch da sind (der harte kern ist schon vor mitternacht zu anderen parties verschwunden, der weiche kern ist gern weich und wird sich auch in 10 jahren noch verstehen). und einer heult, als er heimgeht.

"of course I'll be alright, i just had a bad night."

"möchten sie 3x zucker dazu?"

zum ersten mal beim kaffee-to-go-kauf am mcdrive explizit eine bestimmte menge zucker angeboten bekommen. auf den nachsatz "sie sehen so aus, als könnten sie's brauchen." gewartet, vergeblich. bei der weiterfahrt verschiedene antworten ausgedacht, die sicher total schlagfertig rübergekommen wären. auf der autobahn und in gedanken versunken mit dem zuckerlosen kaffee in der hand geblitzt worden. jetzt erstmal in freudiger erwartung des karmapunkt-kontoauszugs verbleibend.

retro

einer der vorteile eines sog. altmodischen cd-players gegenüber einem sagenwirmal winamp ist ja auch, daß man, nachdem man auf "skip" gedrückt hat, eine halbe sekunde zeit hat zum nochmaligen drücken. das übrspringen von 5 songs wird nicht begleitet von den jeweils ersten halben sekunden der übersprungenen songs, die sich kurz zu wort melden, als wollten sie wenigstens ein "hey, ich bin auch noch da!" rausquetschen in den milli-augenblicken, die ihnen bleiben - sondern nur von dem dezenten surren der lasermechanik. unmittelbarkeit kann eben auch angst machen. hat mir früher besser gefallen, glaube ich. gibt's ein anachronismus-plugin für winamp?

remix 2

so rückblickend war das gestern wohl ein massiv uncooler abend (und das meine ich liebevoll!), als benjamin von stuckrad-barre in jena lesetourauftaktete. ja, ich war dort (aber ich finde ja auch soloalbum toll, was man in der öffentlichkeit ja eigentlich nicht mehr laut sagen darf). rechtzeitig, also viel zu früh. die brav wartende menschenmasse draußen bestaunend - "wir würden gern spex lesen, beschränken uns aber auf neon und visions" - die sich später zu einem uncoolen publikum im klassischen sinn entwickeln sollte, das an den falschen stellen lacht, witzig gemeinte passagen nicht als solche versteht aber ernstgemeinte anmerkungen für witze hält. und größtenteils uncool gekleidet war, aber da will ich mich nicht ausschließen. die vorlesestätte location, wohl ein ehemaliges schwimmbad, mit dem charme von leberwurstfarben braunen wänden, bestach dann auch durch eher gequält wirkende themen-cocktails an der bar ("schwimmbadbiere") und rotlichtbeleuchtung auf den klos als durch coolness, was bvsb (und selbst ich als fußballhasser muß bei dieser abkürzung immer an dortmund denken) - oder wahrscheinlich eher irgendeinen superhipper event-coördination-manager aus jena - offenbar dazu bewog, ungefähr 337 handkopierte a4-zettel mit seinem portrait wäscheleinenartig über dem zuschauerraum aufzuhängen.

was an bvsb auffällt, ist die fehlende souveränität (ja, ich wollte den begriff "uncool" ausnahmsweise vermeiden). als er unelegant auf die bühne gehopst kommt und seine begrüßung aufsagt, hat man den eindruck, er würde sowas zum ersten mal machen. als wäre er ein siebtklässler, der nervös sein erstes referat vor der gesamten klasse halten soll und mit dem overhead-projektor nicht klarkommt. der overhead-projektor ist (s)ein notebook auf der bühne, augenscheinlich für leseshow-untermalende slideshows im hintergrund gedacht, mit dem natürlich er auch nicht klarkommt, dieses nichtklarkommen aber zum programm zu machen versucht und leute aus dem publikum auf die bühne holt ("kennst du dich mit sowas aus? wollen wir mal ein bild bearbeiten? komm' doch mal auf die bühne."). klappt nicht recht. vom ersten text merkt man bvsb die unsicherheit an, er beendet jeden text mit dem phrasengleichen "das war der text, herzlichen dank", unterbricht manche texte und schweift "spontan" stelzend ab, läßt absätze weg ("blah, da kommt dann noch was uninteressantes, ich les' mal hier oben weiter") und wirkt wie jemand, der nicht so recht weiß, wie er gern wirken wollen würde. zuerst wird das publikum gesiezt, ab dem zweiten text geduzt. dem uncoolen publikum neben mir in der reihe gefällt's ("hach, der sieht ja schon toll aus!"), gegackert wird bei jeder noch so unwitzig gemeinten bemerkung. zwei stunden larifari-texte, unbedeutend, mit allerdings zugegebenermaßen wunderbaren formulierungen im detail. danach autogramme am merchandising-stand - wie befürchtet mit einer erschreckend verkrampften handschrift signiert er bücher, t-shirts, geklaute poster und was man sich sonst so signieren lassen kann. er macht immer noch den eindruck, als würde er sowas zum ersten mal machen, krakelt seinen namen ungelenk auf's papier und lächelt für fotos erstaunlich popstar-ungemäß unlocker. eigenartig, das alles. immer noch.

benjamin von stuckrad-barre beim autogrammegeben

(glaubt mir jetzt sicher sowieso keiner mehr, aber - mir hat's gefallen. ehrlich.)

hustler - hardcore since '74

"nettes t-shirt. bist du jahrgang '74?"
"nein, '75."
"hmm. dann paßt das ja gar nicht so richtig zu dir."
"ach, naja. ich hab' da so eine theorie, was meine eltern betrifft .."

porn sword tobacco

wer bohren & der club of gore noch für zu hektisch hält, wird an dieser platte seine freude haben. großartig, down-tempo, ach was, gar kein tempo, das vinyl-hintergrundrauschen ausnahmsweise mal dezent und passend eingesetzt, ultimate slow-motion. so klingt stromausfall, so klingt ein selbstmord freitod mit lächeln auf den lippen, so klingen trennungen nach 8 jahren beziehung, so klingt herzstillstand. glaube ich. beängstigend. großartig. und ausschließlich nach 3 uhr nachts hörbar (dann, wenn man die hintergrundgeräusche für echt hält).

quickshare

"ob sie gerade im urlaub auf safari sind, im asphaltdschungel ihren job erledigen oder partytiger beim revierkampf beobachten – egal. familie, freunde und kollegen sind nie wirklich weit weg."

und ganz genau deswegen kann ich auf solche features auch dankend verzichten. kann den marketing-fuzzis nicht mal jemand erklären, daß man sich ein mobiltelefon anschaffen und trotzdem mal seine ruhe vor der buckligen verwandtschaft haben möchte? mal abgesehen vom inhaltlichen nutzen. meine "familie, freunde und kollegen" sind sicher tierisch beeindruckt, wenn ich ihnen eine mms per umts über hsupa für mehrere euro auf ihr mobilfon-display schicke, anstatt einfach am nächsten tag von der "safari im asphaltdschungel" bei einem kaffee zu erzählen. aber okay, man erspart sich immerhin die mundgeruch-peinlichkeiten.

noch viel creepier sind aber die namen all dieser features. quickshare, personal connect, private music jukebox, lifeblog, .. bullshit bingo. niedliche euphemismen für "wir kapseln die darunterliegende technik so weit ab, daß man nur noch unsere proprietären protokolle einsetzen kann und längst nicht mehr weiß, was darunter eigentlich abläuft". eine der ersten amtshandlungen beim einrichten eines notebooks bei mir ist immer noch die de-installation (was ja auch eher destallation genannt werden müßte, aber das nur am rande) der mitgelieferten software, die sich an keinerlei gui-standards oder ergonomische grundsätze hält, sondern auf bunter oberfläche maximal drei große buttons mit den hauptfunktionen anbietet und hinter begriffen wie "magic gate" lustige einschränkungen der userrechte bereithält, die man aber natürlich irgendwie als besonderes feature verkaufen muß. ja, ich schweife ab. ich will jedenfalls wissen, was da abläuft, wenn ich eine cd rippe, wenn ich mir ein "persönliches fotoalbum im internet" anlege oder wenn ich auch nur auf einen menüpunkt irgendwo klicke. nein, ich spreche auch nicht assembler, aber aus dem erklärbär-sprachen-alter ("wenn sie hier klicken, geschieht alles vollautomatisch") bin ich nunmal auch raus.

liebe mobiltelefonhersteller: ich brauche weder quickshare noch t-zones, ich möchte aber wieder die möglichkeit haben, ein mit dem telefon aufgenommenes foto (hoho) als mail-attachment zu verschicken. mag ja sein, daß das vielleicht das gleiche ist, aber dann macht wenigstens irgendwo einen "switch to expert mode"-button an eure geräte, daß man das auch versteht. "smtp per gprs" klingt für mich immer noch vertrauter als "mobile photomail" oder dergleichen begriffskreationen.